„GEGEN DEN #TUNNELBLICK 🦠 #CORONAVIRUS ANDERSWO“, Folge 22 – Heute: „Mafia im Corona-Aufschwung“ … Das und mehr aus 🇨🇴🇦🇺🇮🇩🇲🇬🌐

Von Wolf Achim Wiegand

Hamburg (waw) – Das Chaos ist die Geburtstätte des Verbrechens und Krisensituationen produzieren immer auch Gewinner. Das bekommt dieser Tage die südamerikanische Republik Kolumbien zu spüren. Dort tritt die Mafia als ehrenwerter Bewahrer der Coronaregeln auf und führt die Schwäche des Staates vor – siehe unten.

Die Welt in Zeiten der Coronapandemie ist zugleich ein Tummelfeld für Scharlatane, Gerüchtemacher und Abzocker. Wir schauen nach Indonesien (Asien) und nach Madagaskar (Afrika), wo Menschen vergackeiert und abgezockt werden. Und auch das ist eine Betrachtung wert: Die bislang unbekämpfbare Infektion hat Zeiten der Ruhe und der Stille geschaffen. Mehr dazu im Text.


🇨🇴 Kolumbien: Banden exekutieren Coronaverweigerer

Ausgerechnet kriminelle Drogenkartelle spielen sich in Kolumbien als Vertreter von Recht und Gesetz auf. Wer sich nicht an die von ihnen verhängten Lockdownregeln hält, der gerät in Gefahr, regelrecht hingerichtet zu werden. Das berichtet die internationale Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW). Den Experten zufolge nehmen bewaffnete Gruppen insbesondere in solchen Gebieten das Gesetz in die Hand, wo die Infektionsraten durch die Decke schießen.

Wer die Anordnungen nicht befolgt spielt mit seinem Leben. So, wie Edison León Pérez, der Leiter einer Gemeindeorganisation im Grenzbezirk Putumayo. Der 57jährige hatte sich öffentlich darüber beklagt. dass eine Gruppe namens „La Mafia“ mehrere Anwohner gezwungen hatte, Virus-Kontrollpunkte einzurichten und zu zu besetzen. Mindestens 15 Morde seit Jahresbeginn sollen auf das Konto der selbsternannten „Volkswächter“ gehen.


🇦🇺 Australien: Vorzeigeland wird Problemfall

Zu Beginn der Coronaviruspandemie stach das abgelegene und abgeschottete Australien im Weltmaßstab gut da. Zusammen mit Taiwan, Singapur und Neuseeland galt es als ein Vorreiter bei der Eindämmung. Nach drei Monaten harten Lockdowns und scharfer Kontrollmaßnahmen führte die Regierung in Canberra Lockerungen ein – und erntete einen signifikanten Wiederanstieg der Infektionsfälle.

Ein Problem bei der Coronabekämpfung ist für das Einwanderungsland Australien unter anderem die große Zahl unterschiedlicher Immigrantengruppen – es sind rund 60. Jede muss aus kulturellen, religiösen oder anderen Gründen anders angesprochen werden. Im Bundesstaat Victoria mit der Hauptstadt Melbourne gehen Gesundheitsbeamte teilweise von Tür zu Tür oder klären die Menschen in fahrenden Zügen und in Einkaufszentren auf.

„Es geht darum, das Konzept ‚Für-alle-Dasselbe‘ aufzugeben. Denn Australien ist kein Land der Einheitsgrößen.“

Stephanie Dalzell, Redakteurin bei abc.net.au

Und so kommt es, dass öffentliche Appelle in Australien selbst auf Griechisch unter die Leute gebracht werden.


🇮🇩 Indonesien: Wunderheilmittel Eukalyptus

Im südostasiatischen Inselreich Indonesien sprechen Offizielle dem Eukalyptusbaum heilende Kräfte gegen Covid-19 zu. Angeblich enthält die Pflanze aus der Familie der Myrtengewächse einen „Virus-Blocker„. Einen Beweis für die Heilkraft gibt es nicht.

Bereits das tägliche 30minütige Tragen einer Halskette oder eines Duftbeutels aus Eukalyptussamen, -blättern und -blüten könne den größten Teil der Infektionsquelle zerstören, verkündete Landwirtschaftsminister Syahrul Yasin Limp, und ordnete die Massenproduktion so eines Teils an. Und das, obwohl Experten seines Landes warnen, es gebe weltweit kein einziges Zaubermittel gegen das tödliche Virus.

Die US-Gesundheitsbehörden haben unterdessen alle Importe des „natürlichen“ Coronaheilmittels aus Indonesien verboten. „Unehrliche Subjekte“ verkauften „betrügerische und illegale Artikel“, die nicht dem Schutz der Amerikaner vor dem Coronavirus dienten, heißt es aus Washington. Dennoch sollen Geschäftsmacher bereits eine halbe Million Produkte an den Mann und die Frau gebracht haben.


🇲🇬 Madagaskar: Beifuß gegen Corona

Auch Madagaskars Präsident Andry Rajoelina ist dem Glauben an einen Zaubertrank gegen das Coronavirus verfallen. Eine von ihm öffentlich empfohlene Kräutermedizin besteht im Wesentlichen aus dem farnähnlichen Beifuß (engl. Artemisia). Beweise für die Wirksamkeit gibt es nicht – was (w/f)indige Dealer nicht davon abhält, das Gesöff auf Straßen und Plätzen Amerikas von beredten fliegenden Händlern anbieten zu lassen:

Lieferungen des angeblichen Arzneimittels wurden in Dutzende afrikanischer Länder verschickt. Experten in Nigeria und der Demokratischen Republik Kongo warnen jedoch vor dem Mittel. Auch im Land der Erfinder herrscht Skepsis: Das Gesundheitsministerium von Madagaskar bat weltweit um Nothilfe, da die Zahl der Coronapatienten trotz der heimischen Plörre zunimmt.


Zum Schluss meiner Zusammenstellung über das Coronavirus anderswo eine irgendwie tröstliche Meldung:

🌐 Die Welt atmete durch

Nie war es in der Neuzeit so still, wie während des Corona-Lockdowns. Abgeschaltet Fabriken, stillgelegte Flugzeuge oder kaum Menschen auf den Straßen haben den Planeten leise gemacht. Das war rund um den Erdball sogar für seismische Messstationen zu spüren – nur noch „seismisches Rauschen“ verzeichneten Forscher.

Der Wissenschaft bot die Stille eine einmalige Gelegenheit: Die Daten von 268 Messstationen weltweit ließen nämlich den Weg des Virus um die Welt nachzeichnen. Die zurückgefahrene Geräuschkulisse begann in China, führte über Europa und schließlich bis nach Nord- und Südamerika. Und was hat man nun davon? Vermutlich gibt es neue Erkenntnisse über die Vorhersage grösserer Erdbeben:


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