Corona: Trotz Trump-Infektion dreht sich die Welt weiter

Von Wolf Achim Wiegand

Nun also hat sich das derzeit gefährlichste Virus der Welt in den Körper des mächtigsten Mannes auf dem Erdball eingenistet: Donald Trump. Einen Monat vor der US-Präsidentenwahl ist der Titelverteidiger für einige Wahlkampftage lahmgelegt – wenn alles gut geht.

Der frühere Immobilienhai gehört gleich zweifach zur Risikogruppe:

  1. Alter: Trump ist 74 Jahre alt. Gefährdet sind Personen ab 65 Jahren, Erwachsene mit gewissen Vorerkrankungen und schwangere Frauen.
  2. Gesundheit: Mit dem Body-Mass-Index von über 30 ist Trump fettleibig.

Trump verdient wegen seiner Verharmlosungstaktik gegenüber der Coronabedrohung die rote Karte. Doch menschlich gesehen kann sich niemand über seine Infektion freuen.

Verdammenswert finde ich die Blauäugigkeit etlicher Trump-Anhänger aus der Politik. Als ob es das Virus nicht gäbe: Sie umarmen und herzen sich ohne Maske, so, dass man die Viren geradezu durch den Raum fliegen sieht… – schauen Sie mal:

Verrückt ist es schon, dass das aggressive Virus ausgerechnet die aktivsten Coronaskeptiker der Welt angegriffen hat:

  • Erst Boris Johnson (56), der das britische Volk anfangs lax zur „Herdenimmunität“ führen wollte und selbst auf Intensivstation kam.
  • Dann Jair Messias Bolsonaro (65), der Präsident Brasiliens, der aktiv Proteste gegen Coronaschutzmaßnahmen unterstützt.
  • Allen drei ist gemeinsam: In ihren Ländern wütet das bislang nicht bekämpfbare Virus massenhaft in den Lungen der Einwohner. Und es geht in Brasilien, Großbritannien und den USA immer weiter nach oben.

Nicht Trump, sondern Corona beherrscht die Welt:

🇨🇦 Kanada

Das weitläufige und über tausende Kilometer dünnbesiedelte Land bleibt von Corona nicht verschont. Laut Premierminister Justin Trudeau soll bald ein Test zur Verfügung stehen, der das Ergebnis innerhalb von wenigen Minuten anzeigt. Sie sollen in alle Provinzen verteilt werden.

Die bevölkerungsreichste Provinz, Ontario, meldet neuerdings wieder Rekordzahlen an Infektionen – erreichen Sie bald den Höhepunkt vom Spätfrühling/Frühsommer? Ähnliche Steigerungen gibt es auch in Kanadas Großstädten, etwa in Montreal und Quebec City, die zu „Roten Zonen“ erklärt worden sind. Die Polizei kontrolliert Bars und Restaurants und verhängt bei Verstößen saftige Bußgelder.

🇳🇱 Niederlande

Die bislang eher lässige Regierung in Den Haag hat verschärfte Vorschriften erlassen und bereitet die Bevölkerung auf einen womöglich bevorstehenden zweiten Lockdown vor.

Wir haben noch drei Wochen Zeit uns zu bessern, denn sonst stehen wir wieder da, wo wir angefangen haben

sagen Experten.

Treffen in Innenräumen dürfen ab sofort nur noch vier Personen besuchen. In Rotterdam, Den Haag und Amsterdam herrscht Maskenpflicht. Eine Teststation in Katwijk bleibt unterdessen gähnend leer…

🇮🇱 Israel

Der zweite Lockdown des jüdischen Staates wird vermutlich länger als den geplanten einen Monat dauern. Das zeichnet sich ab, nachdem Israel mit rund 8.000 Neuinfektionen pro Tag eine der höchsten Steigerungsraten weltweit registriert.

Besonders gehäuft sind Coronafälle (34 Prozent) in der Gemeinschaft der Ultraorthodoxen. Viele leben in ärmlichen Verhältnissen eng zusammen. Außerdem lehnen die Konservativsten mit religiösen Begründungen alle Abstands- und Maskenregeln ab.

🇵🇰 Pakistan

Was Israel bereits erlebt, scheint rund 4.500 Kilometer weiter östlich auch bevorzustehen: Ein zweiter Lockdown in Pakistan. Die regionalen Krisenzentren des Landes, die von der Hauptstadt Islamabad aus gesteuert werden, hatten Pakistan bislang laut offiziellen Zahlen recht gut durch die Pandemie gekommen. Ein Grund: Das Land ist seit Langem auf die Bekämpfung von Polio ausgerichtet und verfügt daher über ein Netz lokaler Krisenzentren. Die konnten die Menschen schnell informieren.

Restriktionen in Pakistans Schulen, Unis, Bahnen und Flugzeugen sind am 1. Oktober aufgehoben worden. Ein Zaubermittel gegen das Ausbreiten des Coronavirus scheinen sogenannte „Micro Smart Lockdowns“ zu sein. Das sind kleine lokale Hotspots wie Appartementanlagen oder Restaurants. Die kommen gezielt unter Quarantäne – während das Leben drumherum quirlig weiterläuft.

Zum Problem werden nun große Feiern. Etwa Hochzeiten. Viele Pakistanis verhalten sich unvernünftig, missachten Masken- und Abstandspflichten – macht das bisherige Erfolge zunichte? Das Video unten soll so eine chaotische Gesellschaft zeigen:

🇵🇪 Peru

Rührende Szenen auf Twitter: Im Alberto Sabogal Hospital in Callao, Peru, bringt das Krankenhauspersonal seinen Coronapatienten ein Ständchen – zur Aufmunterung. Das klingt schräg und krumm. Es kommt aber in den kargen Räumen so herzlich rüber, dass den Akteuren das Herz zufliegen muss:

🇹🇲 Turkmenistan

Szenenwechsel: Zentralasien. Kaspisches Meer. Wüste. Hauptstadt: Aşgabat.

Das ist Turkmenistan. Ein islamisches und autoritär regiertes Land mit rund 5,9 Millionen Einwohnern – und den viertgrößten Erdgasvorkommen der Welt. Wovon die gewöhnlichen Menschen nichts mitbekommen.

Und weil die Turkmenen auch von Corona möglichst wenig mitbekommen sollen, hat die Regierung von Präsident Gurbanguly Berdimuhamedow verordnet: Es gibt gar keinen Virus im Land. Höchstens Covid-19-„Symptome“. Wer sie hat muss sofort in Behandlung gehen. Wer sich dem entzieht kann bis zu fünf Jahre ins Gefängnis kommen. Hier eine lesenswerte Recherche über das „coronafreie“ Turmenistan:

Kommentar verfassen