Europa Comeback: 📌 Lange galt die Europäische Union als zu langsam für eine beschleu­nigte Welt. Doch wirtschaft­liche Resilienz, geopo­li­ti­sches Lernen und neue strate­gische Ambitionen verändern ihre Rolle. Europas mögliche Renais­sance vollzieht sich leise – und gerade darin liegt ihre Stärke.

Europa im Blickpunkt
Wiegand wills wissen

Geschätzte Lesedauer: 5 Minuten

Europa Comeback

Von Wolf Achim Wiegand (Fotos: KI) 

🌍 Hamburg/Brüssel (waw) – Europa ist ein Kontinent der Selbst­zweifel. Kaum ein politi­scher Raum analy­siert seine Schwächen so ausdauernd wie die Europäische Union. „Zu langsam, zu kompli­ziert, zu zerstritten” – die Liste der Vorwürfe an sich selbst ist vertraut. 

Und doch fällt auf: Liest man zwischen den Zeilen von Analysten, Beobachtern und anderen Experten, zeigt sich, dass Europa seine Stellung in der Welt ändert – leise, aber spürbar. Nicht als trium­phale Rückkehr auf die große Weltbühne, sondern als allmäh­liche Verschiebung der Gewichte. Vielleicht ist es an der Zeit, die Frage zu stellen:

Steht Europa tatsächlich vor einem Comeback – und wenn ja, welcher Art?

Europas wirtschaftliche Resilienz

Ökono­misch beginnt diese Neube­wertung mit einem unspek­ta­ku­lären Befund: Stabi­lität. Die Eurozone hat das Jahr 2025 bei etwa 1,8 Prozent mit moderatem Wachstum abgeschlossen – trotz globaler Unsicher­heiten, trotz geopo­li­ti­scher Spannungen, trotz eines rauer werdenden Welthandels. 

Die inter­na­tionale britische Nachrich­ten­agentur Reuters bezeichnete das Wachstum als „solides Fundament“. Es sei getragen von stabiler Binnen­nach­frage, Inves­ti­tionen in Infra­struktur und einem robusten Arbeits­markt. Das ist eine überra­schend gute wirtschaft­liche Verfassung. 

Europa wächst zwar langsamer als andere. Aber es wächst verlässlich. In einer Welt, in der Volati­lität zur Grund­be­dingung geworden ist, ist das kein Makel, sondern ein Vorteil.

Sicherheit, Handel und neue Machtfragen

Europas Comeback: Wirtschaft, Sicherheit und neue Rolle der EU

Diese Stabi­lität speist sich aus einem Wirtschafts­modell, das lange als schwer­fällig galt. Der europäische Binnen­markt wirkt in Krisen­zeiten wie ein Stoßdämpfer. Soziale Siche­rungs­systeme, indus­trielle Breite und insti­tu­tio­nelle Konti­nuität verhindern abrupte Brüche. 

Diese Stabi­lität ist kein Zufall. Programme wie NextGe­ne­ra­tionEU haben Milli­arden in Klima­schutz, Digita­li­sierung und indus­trielle Moder­ni­sierung gespült. So schützt Europa seine Wirtschaft gegen externe Schocks – ein Vorteil, den viele andere Regionen derzeit nicht in gleicher Form bieten. 

Die Europäische Zentralbank verweist seit Monaten darauf, dass genau diese Struktur Europa wider­stands­fä­higer macht als viele erwartet hatten. Wachstum wird hier nicht beschleunigt – sondern abgesichert.

Die Maßnahmen, die wir ergreifen müssen, sind für uns nicht unerreichbar. Für sie braucht es keine neuen Verträge, keine radikale Neuge­staltung unserer Union, sondern nur den politi­schen Willen, die uns bereits zur Verfügung stehenden Instru­mente auch zu nutzen.Christine Lagarde, Präsi­dentin der EZB

💡 Inter­aktive Frage: Glaubst Du, dass wirtschaft­liche Stabi­lität allein Europas Zukunft sichern kann? Antworte unten in den Kommentaren.

Neue Rolle der EU

Parallel dazu hat sich Europas politi­sches Selbst­ver­ständnis verschoben. Der russische Angriffs­krieg gegen die Ukraine hat eine Realität offen­gelegt, die lange verdrängt wurde: Sicherheit ist kein Neben­produkt wirtschaft­licher Verflechtung. Mit dem „Strate­gi­schen Kompass“ formu­liert die EU erstmals einen gemein­samen sicher­heits­po­li­ti­schen Anspruch. Vertei­di­gungs­aus­gaben steigen, Koope­ra­tionen vertiefen sich, indus­trielle Kapazi­täten werden aufgebaut. 

Europa tastet sich an eine Rolle heran, die es lange gescheut hat – nicht als Militär­macht, aber als sicher­heits­po­li­ti­scher Akteur mit eigenen Interessen.

Auch handels­po­li­tisch setzt die EU neue Akzente. Während andere Weltre­gionen auf Abschottung und nationale Indus­trie­po­litik setzen, versucht Europa, strate­gische Offenheit mit geopo­li­ti­schem Kalkül zu verbinden. Das beschlossene Freihan­dels­ab­kommen mit dem potenten südame­ri­ka­ni­schen Mercosur und vor allem das mit dem Riesen Indien steht exempla­risch dafür. 

Als EU-Kommis­si­ons­prä­si­dentin Ursula von der Leyen in Neu Delhi von der „Mutter aller Deals“ sprach, war das weniger Euphorie als Selbst­be­hauptung: Europa will gestalten, nicht bloß reagieren.

💡 Inter­aktive Frage: Sollte Europa stärker auf Handels­part­ner­schaften setzen oder die Binnen­wirt­schaft priori­sieren? Disku­tiere mit – unten in den Kommentaren!

Die Anleger sind guter Dinge

Inter­essant ist, dass diese Entwicklung selbst dort anerkannt wird, wo Europa tradi­tionell skeptisch betrachtet wird – an den Börsen. Markt­be­ob­achter argumen­tieren zunehmend, Europas Stärke liege nicht im schnellen Rendi­te­ver­sprechen, sondern in der Kombi­nation aus Stabi­lität, Regulie­rungs­si­cherheit und langfris­tiger Wertschöpfung. In einer Welt wachsender Unsicherheit wird genau das zu einem strate­gi­schen Vorteil.

Unser Team erwartet für 2026 eine weitere Erholung der zykli­schen Aktien in Europa: Banken, Finanz­dienst­leister und Techno­lo­gie­aktien könnten davon profi­tieren.Prognose der US-Invest­mentbank Goldman Sachs

Natürlich bleiben die struk­tu­rellen Schwächen. Europäische Entschei­dungs­pro­zesse sind langsam, nationale Inter­essen oft stärker als der gemeinsame Wille. Kritiker warnen weiterhin vor Überre­gu­lierung und einem Verlust an Wettbe­werbs­fä­higkeit. Europas Fragmen­tierung ist real – und sie begrenzt seine Handlungs­fä­higkeit. Dazu gehören unter­schied­liche fiska­lische Spiel­räume. Auch der techno­lo­gische Rückstand bei digitalen Platt­formen bleibt ein Risiko.

Doch vielleicht liegt genau hier der Kern des europäi­schen Moments. Der Politik­wis­sen­schaftler Mark Leonard beschreibt die EU als Akteur, der „geopo­li­ti­scher geworden ist, weil er es musste“. Europa sucht keine Dominanz, sondern Souve­rä­nität. Keine Hegemonie, sondern Resilienz.


Europa Comeback

Glaubst Du, dass Europa sein Potenzial in den nächsten zehn Jahren ausschöpfen wird? Teile Deinen Stand­punkt! – Jede Meinung und jeder Kommentar zählen. – Feuer frei: Schreibe unten in die Kommentare:⤵️

☕ Du kannst meine journa­lis­tische Arbeit unter­stützen. Sende mir einen Beitrag im Wert von einer Tasse guten Kaffees. Hier klicken: https://buymeacoffee.com/european.expert


Entdecke mehr von http://www.european.expert

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E‑Mail zu erhalten.