📌 Europa Ukraine Erfolge: Die Ukraine greift Russland zunehmend dort an, wo es am empfind­lichsten ist: bei Öl, Energie und Einnahmen. Drohnen verändern den Krieg – militä­risch wie wirtschaftlich.Dazu meine Analyse.

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Europa Ukraine Erfolge

Von Wolf Achim Wiegand

(Titelbild: KI)

Hamburg / Kyjiw (waw) – Der Ukraine-Krieg vor den Toren von NATO und EU ist längst aus den Schüt­zen­gräben heraus­ge­wachsen. Denn auf dem Schlachtfeld spielen nicht mehr Panzer oder Kampf­flieger die zentrale Rolle. Vielmehr fallen die entschei­denden Schläge heute weit hinter der Front – dort, wo der Aggressor Russland am verletz­lichsten ist. 

Die Ukraine tritt jetzt in die Weich­teile des Kremls – mit voller Absicht. Also dort, wo es am meisten schmerzt: im Geldbeutel. Statt ausschließlich militä­rische Ziele ins Visier zu nehmen, attackiert Kyiv syste­ma­tisch die Energie­infra­struktur. Und damit die Lebensader des Kremls. Die Angriffe auf die russische Öl-Infra­struktur sind kein Zufall, sondern Teil einer gezielten Strategie.

Exempla­risch dafür steht der Angriff auf den fast 1.000 Kilometer von der Ukraine entfernten Ostsee­hafen Ust-Luga – er markiert am deutlichsten den funda­men­talen Strate­gie­wechsel. Die Anlagen nahe St. Petersburg, unweit der estni­schen Grenze, verar­bei­teten bislang rund 700.000 Barrel Öl pro Tag. Allein 2025 gingen von dort etwa 32,9 Millionen Tonnen Ölpro­dukte in die Welt (Reuters).

Angriffe auf Russlands Öl-Infrastruktur nehmen zu

Die Bedeutung russi­scher Ölexporte für den Staats­haushalt via Ust-Luga ist enorm. Was dort lagert, soll möglichst schnell verkauft werden. Die Ware umschifft mit der sogenannten Schat­ten­flotte weltweit westliche Sanktionen gegen Russland in Richtung – nach China, Indien und in die Türkei, aber auch nach Kuba. Bleiben die Tanks gefüllt, stockt der Abfluss – und die Förderung auf den russi­schen Öl- und Gasfeldern muss gedrosselt werden. Die Folge: direkte Einnahmeverluste.

Die neue Front: Russlands Öl-Adern

Ein ähnliches Bild zeigt sich im weiter nördlich gelegenen Primorsk. Über diesen Hafen laufen rund 30 Prozent der russi­schen Ölexporte. Auch hier trafen ukrai­nische Drohnen zentrale Anlagen. Die riesigen Rauch­wolken waren bis nach Finnland und aus dem All sichtbar. Insider berichten von massiven Schäden: 44 Prozent der Tanks zerstört, weitere 28 Prozent beschädigt.

Die Dimension dieser Angriffe ist erheblich. Laut Reuters sind inzwi­schen rund 40 Prozent der gesamt­rus­si­schen Ölexport­ka­pa­zi­täten beein­trächtigt – etwa zwei Millionen Barrel täglich. Präsident Wolodymyr Selenskyj spricht sogar davon, dass Russland regional „nur noch über 40 Prozent der ursprüng­lichen Kapazität“ verfüge (DIE WELT).

Die Waffe: Ein Krieg der Drohnen

Möglich wird diese Strategie durch einen techno­lo­gi­schen Sprung – Militärs verzeichnen eine rasant wachsende Drohnen­pro­duktion der Ukraine. Das Land hat sich in kürzester Zeit zu einer wahren Drohnen­macht entwi­ckelt. Allein für 2026 plant Kyjiw nach eigenen Angaben die Produktion von mehr als sieben Millionen Drohnen. Schon jetzt dominieren sie das Gefechtsfeld: Nach ukrai­ni­schen Angaben gehen über 80 Prozent der russi­schen Verluste auf Drohnen­ein­sätze zurück.

Dabei zählt nicht nur die Masse an Drohnen, sondern vor allem die Reich­weite und die Präzision. Ukrai­nische Systeme treffen inzwi­schen Ziele bis zu 1.750 Kilometer tief im russi­schen Hinterland (Business Insider). Im ukrai­ni­schen Geheim­dienst hat diese Strategie bereits einen Namen: „long-range sanctions“ – Sanktionen mit militä­ri­schen Mitteln.

Der Effekt ist doppelt: Russland verliert Einnahmen – und muss gleich­zeitig Ressourcen zum Schutz der eigenen Infra­struktur aus dem eigent­lichen Kriegs­gebiet weit weg umleiten.

Strategiewechsel: Vom Abwehrkampf zum Wirtschaftskrieg

Die Logik dahinter ist klar: Entscheidend ist nicht allein der Front­verlauf, sondern die Fähigkeit, diesen Krieg dauerhaft zu finan­zieren. Analysten sprechen offen aus, worum es geht: Die Ukraine versucht, russische Export­in­fra­struktur „über das hinaus zu zerstören, was schnell repariert werden kann“ (Euromaidan Press).

Die zweite Front: Diplomatie als Waffe

Parallel zur militä­ri­schen Offensive gelingt Kyjiw ein diplo­ma­ti­scher Vorstoß mit Signal­wirkung: die Annäherung an die arabi­schen Golfstaaten. Wer hätte das vor Kurzem noch gedacht?

Nun hat Präsident Wolodymyr Selenskyj langfristige Sicher­heits- und Koope­ra­ti­ons­ab­kommen mit Ländern wie Saudi-Arabien, Katar und den Verei­nigten Arabi­schen Emiraten geschlossen. Im Zentrum stehen Partner­schaften zur Abwehr von Drohnen- und Raketen­an­griffen (Guardian). Denn am Golf ist man nicht darauf vorbe­reitet gewesen, dass Iran nach den Angriffen Israels und der USA mit Raketen und Drohnen gegen die ameri­ka­nisch orien­tierten “Brüder im Öle” vorgehen würde. 

Die Rechnung, die die Ukraine am Golf vorlegt, ist simpel und logisch. Wenn der Iran Russland mit tödlichen Shahed-Drohnen beliefert, die auch am Golf einge­setzt werden, dann müssen wir dem gemeinsam Einhalt gebieten. Unser Feind ist auch euer Gegner. 

Das haben die Scheichs und Poten­taten schnell verstanden – zumal die Ukraine momentan der weltweit größte und erfah­renste Spezialist für Drohnen­abwehr ist, den man fragen kann. Nach den aktuellsten verfüg­baren Meldungen sind bereits rund 228 ukrai­nische Luftabwehr-/Anti-Drohnen-Spezia­listen in Golfstaaten und angren­zenden Ländern im im Einsatz. Mögliche weitere Einsätze sind in Kuwait und Jordanien im Gespräch.

Two men in military and traditional Arab clothing hold a projectile in a desert setting.

Selenskyj und sein Team haben also mitten im Krieg ein lukra­tives Geschäft aufgebaut. Findig vermarkten sie eigene Innova­tionen und Know-hows – das spült Geld in die klamme Kasse, stärkt die Unabhän­gigkeit und schafft unerwartet enge politische Partner. 

Mit dem Projekt kontert der Präsident auch keimende Kritik mit stolzem Selbst­be­wusstsein. Auf abfällige Äußerungen von Rhein­metall-Chef Armin Papperger über selbst­ge­machte ukrai­nische Drohnen als „Hausfrauen-Lego reagierte er pointiert:


„Wenn jede Hausfrau in der Ukraine Drohnen bauen kann, kann auch jede ukrai­nische Hausfrau Rhein­metall-Chef werden.“

Auch Oleksandr Yakovenko, Gründer von TAF Indus­tries, einem der größten ukrai­ni­schen Drohnen­her­steller, reagierte auf Papperger – mit einem langen X‑Post:

„Als Sie ukrai­nische Drohnen­her­steller als ‚Hausfrauen mit 3D-Druckern in ihrer Küche‘ bezeich­neten, haben Sie gezeigt, wie wenig das europäische Vertei­di­gungs­estab­lishment moderne Kriegs­führung versteht. Mein Unter­nehmen produ­ziert bis zu 100.000 FPV-Drohnen pro Monat – mit größerer kineti­scher Wirkung in drei Monaten als Ihre Flagg­schiff-Platt­formen in einem halben Jahrhundert. Das ist kein ‚Lego-Spiel‘. Veraltete europäische Systeme werden irrelevant, wenn sie nicht genau die Techno­logien integrieren, über die Sie sich lustig machen. Hören Sie auf, am Küchen­tisch zu lachen.“

Der Deal der Ukraine mit den Golfstaaten ist nicht nur finan­ziell und techno­lo­gisch knallhart angelegt, sondern zugleich geschickt strate­gisch kalku­liert: Die Ukraine liefert kampf­erprobtes Know-how, erhält im Gegenzug den Zugang zu moderner Luftver­tei­digung und Inves­ti­tionen. Ziel sind langfristige, „syste­mische Bezie­hungen“ – nicht kurzfristige Hilfe.

Warum das bedeutsam ist

Die Partner­schaften zwischen angegrif­fenen Ukrainern und Arabern markieren einen Wandel. Kyiv ist längst mehr als ein Empfänger westlicher Unter­stützung – es ist selbst ein sicher­heits­po­li­ti­schen Akteur geworden.

Zugleich reagiert Selenskyj auf wachsende Unsicher­heiten im Westen. Während dort Debatten über Waffen­lie­fe­rungen zunehmen, bilden sich neue sicher­heits­po­li­tische Allianzen der Ukraine – das stärkt ihre strate­gische Bewegungs­freiheit. Die wankel­mü­tigen und unklaren USA sind ausge­bootet (auf diesem Gebiet). Und die stets bemühten, aber in Sachen Ukraine-Hilfe keineswegs schlag­kräftig wirkenden Europäer brauchen bei diesem Thema nichts zu tun.

Fazit: Ein Präsident zwischen Krieg und Weltpolitik

Ist das eines Nobel­preises würdig? Wohl kaum. Der Friedens­no­bel­preis ehrt das Ende von Kriegen, nicht deren strate­gische Führung.

Doch eines ist unüber­sehbar: ein strate­gi­scher Wandel im Ukraine-Krieg. Selenskyj hat die Ukraine aus der Rolle des bloßen Opfers heraus­ge­führt. Militä­risch durch Innovation, diplo­ma­tisch durch neue Allianzen.

Europa Ukraine Erfolge

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