Europäische Top-Ten-Themen der Woche

Von WOLF ACHIM WIEGAND 🇪🇺

Was hat Europa vergangene Woche an- und umgetrieben? 

Das Europäische Parlament hat mehrere wichtige Beschlüsse gefasst. Zum Beispiel, dass die sogenannte „Istanbul-Konvention“ in der gesamten EU gelten soll. Das bedeutet die Verpflichtung zum Kampf gegen Gewalt an Frauen und Kindern. Damit wird es möglich die bishe­rigen sechs Nicht-Unter­zeichner – darunter Polen, Ungarn und Tsche­chien – mit Mehrheits­ent­scheidung zur Anwendung zu zwingen. 

Wenig Spuren hinterließ ein Auftritt von Bundes­kanzler Olaf Scholz (SPD). In einer Grund­satzrede ausge­rechnet zum Europatag leierte er Altbe­kanntes oder Unkon­kretes daher. Deutschland gilt unter seiner Regierung nicht mehr als Motor für Fortschritt und Entwicklung des Staaten­bundes. Mehr dazu unten. 

DAS ALLES UND NOCH VIEL MEHR ⤵️

Politik Foto Europa

Deutschland ohne europäische Strahlkraft: 

Die groß angekün­digte Grund­satzrede von Bundes­kanzler Olaf Scholz im Europäi­schen Parlament (EP) hat wenig Hände­klat­schen ausgelöst. Spannender, als seine emoti­onslose Vorle­se­stunde fanden Beobachter und Abgeordnete den Auftritt der grünen EP-Frontfrau Terry Reintke. Die lederte den Sozial­de­mo­kraten ab, als säße ihre Partei in Berlin nicht mit ihm in einer Regierung. Sie wolle ihn „kämpfen sehen“ für Europa, aber Scholz formu­liere „genau die gleichen Töne gegenüber China“ wie die SPD früher mit Russland. Am meisten hängen blieb vom Kanzler, dass er – anders als Frank­reichs Präsident Emmanuel Macron– rasch neue EU-Handels­ab­kommen mit Afrika, Latein­amerika und Asien anstrebt und mit den Ländern auf Augenhöhe sprechen will. focus.de

Kein Datenausverkauf an USA: 

Das Europäische Parlament drückt beim geplanten Daten­schutz­ab­kommen zwischen der EU und den USA weiter auf die Bremse. Solange die Rechte der EU-Bürger in Sachen Massen­er­fassung und Trans­parenz nicht ausrei­chend geschützt seien, dürfe die Kommission keine perso­nen­be­zo­genen Daten übermitteln, heißt es in einer Entschließung. Redner machten deutlich, dass vorlie­gende Regelungs­vor­schläge nicht ausreichten. Zudem gäbe es juris­tische Bedenken. Damit werden die USA, die unter Präsident Joe Biden mit niedrigen Standards aufs Tempo drücken, wohl noch eine ganze Weile auf ein Abkommen warten müssen. europarl.europa.eu

„Die USA müssen aufhören uns auszuspionieren“

Moritz Körner, MdEP (FDP) ⬇️

Schwarzroter EU-Zoff:

Ein Jahr vor der Europawahl beharkt sich die inoffi­zielle „Große EU-Koalition“: Sozial­de­mo­kraten (S&D) und Christ­de­mo­kraten (Europäische Volks­partei, EVP). Die spanische S&D‑Vorsitzende im EU-Parlament, Iratxe García Pérez, stellt die bisherige Koope­ration sogar ganz in Frage – wegen Annäherung der EVP unter ihrem Chef Manfred Weber (CSU) „in Richtung der extremen Rechten“. Der habe eine rote Linie „trauri­ger­weise überschritten“. Hinter­grund: Weber flirtet mit den italie­ni­schen Neofa­schisten der Regie­rungs­partei Fratelli d’Italia und den polni­schen Natio­nal­kon­ser­va­tiven von PiS.

EU soll effektiver werden:

Deutschland ringt hinter den Kulissen darum, einen Webfehler der Europäi­schen Union zu besei­tigen. Seit voriger Woche bemühen sich neun EU-Mitglieds­staaten unter Leitung Berlins, das Einstim­mig­keits­prinzip in Fragen der Außen­po­litik abzuschaffen. Angesichts von Russlands Angriffs­krieg gegen die Ukraine und anderer Probleme brauche die EU-Außen­po­litik „angepasste Prozesse“, um wirkungs­voller agieren zu können, etwa eine quali­fi­zierte Mehrheit, heißt es. Weil das die bevöl­ke­rungs­reichsten Länder Frank­reich und Deutschland begüns­tigen würde sei aber noch Überzeu­gungs­arbeit in kleineren Ländern nötig. auswaertiges-amt.de

Wirtschaft Foto Europa europäische

Kommen europäische Steuern? 

Das Europäische Parlament befür­wortet EU-weite Steuern, um steigende Zinsen für Gemein­schafts­schulden decken zu können. Mit 356 zu 199 Stimmen fordert das einzige direkt gewählte EU-Gremium die Kommission auf, bereits 2024 Abgaben auf große Unter­nehmen zu erheben. Die EU sei wegen Krisen und entspre­chender Hilfs­pakete gefordert, sagte die liberale franzö­sische Europa­ab­ge­ordnete Valérie Hayer: „Wir haben die Ukraine, die strate­gische Autonomie, die Klima­fi­nan­zierung und den digitalen Wandel – wir müssen also mehr inves­tieren.” Der aktuelle EU-Haushalt umfasst 724 Milli­arden Euro. politico.eur

Mediahuis kauft EURACTIV:

Die belgische Medien­gruppe Mediahuis (Antwerpen) hat die paneu­ro­päische Nachrich­ten­marke EURACTIV übernommen. Dieses Online-Netzwerk gehört somit ab jetzt zu Zeitungen wie De Standaard (Bielgien), De Telegraaf (Nieder­lande) oder Aachener Zeitung. EURACTIV versorgt vor allem Entschei­dungs­träger, Inter­es­sen­gruppen und andere Medien in 13 Sprachen mit unabhän­gigen Neuig­keiten und Hinter­gründen zu eruopäi­scher Politik. Ziel der Übernahme ist es nach eigenen Angaben „das führende Medium für EU-Politik zu werden.“

EU kämpft gegen Cyberverbrecher:

In Bukarest hat das Europäische Kompe­tenz­zentrum für Cyber­si­cherheit (ECCC) als erste EU-Behörde in Rumänien die Arbeit aufge­nommen. Es geht mit zunächst 14 Mitar­beitern gezielt gegen Cyber­an­griffe auf die Länder der Europäi­schen Union vor. Im Endausbau sollen 40 Spezia­listen einen EU-weiten Cyber-Abwehr­schirm betreiben. Der soll den Cyberraum konti­nu­ierlich überwachen, Schwach­stellen feststellen und Angriffe gegen Vermö­gens­werte und Bürger der EU abwehren. In dringenden Fällen stehen technische „Sofort­ein­satz­teams“ bereit.

Deutschland ohne Aktienmut:

Theodor Weimer, Vorstands­vor­sit­zender der Deutsche Börse AG, hat Tempo für die Vollendung der EU-Kapital­markt­union angemahnt. In einem Interview mit der schwei­ze­ri­schen NZZ beklagt er, der europäische Markt sei immer noch sehr stark fragmen­tiert und brauche „einen gemein­samen Liqui­di­tätspool“, weil es im Nachteil gegenüber den USA sei. Scharfe Kritik äußerte der Börsenchef an der deutschen Zöger­lichkeit beim Einführen der geplanten Aktien­rente. Berlin beschaffe enorme Summen für Bundeswehr und Klima­po­litik, während für die Aktien­rente kaum etwas übrig bleibe. Es gebe zu viele ideolo­gi­schen Debatten und zu wenig Unter­stützung von SPD und Grünen für das Projekt des Finanz­mi­nister Christian Lindner (FDP). nzz.ch

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„In Deutschland haben traditionell viele Menschen wenig Affinität zu Themen wie Börse und Kapitalmarkt. Das gilt auch sehr stark für die politische Klasse.“

Theodor Weimer, Vorstands­vor­sit­zender Deutsche Börse AG

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Karrieresprung nach Bulgarien:

Die EU-Kommis­sarin für Innovation, Marija Iwanowa Gabriel (43), soll Minis­ter­prä­si­dentin in Sofia werden. Das hat der amtie­rende Regie­rungschef Bojko Borissow von der konser­va­tiven Partei GERB vorge­schlagen. Das Balkanland befindet sich in einem politi­schen Still­stand, nachdem bei fünf aufein­an­der­fol­genden Wahlen keine Mehrheit erzielt werden konnte. Es wird erwartet, dass Bulga­riens zentris­tische Anti-Korrup­ti­ons­par­teien Gabriels Nominierung unter­stützen werden und sie daher im Parlament eine Mehrheit findet. Die Christ­de­mo­kratin ist in der EU für Innovation, Forschung, Kultur, Bildung und Jugend zuständig. politico.eu

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Kein Grund mehr für europäische Ode an die Freude?

Europa taumelt von Krise zu Krise. Ist es da nicht an der Zeit, die Europa-Hymne „Ode an die Freude“ als den passenden musika­li­schen Schlachtruf zu hinter­fragen? Gibt es vielleicht eine bessere Option? Das fragt sich und uns das Nachrich­ten­portal Politico und gibt ein paar Vorschläge für Alter­na­tiven. Eine davon kommt aus Deutschland – ob sich Ludwig van Beethoven dabei im Grabe umdrehen würde…?


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