Europa Papst Vatikan Leo: “Im Blickpunkt – Wiegand wills wissen” – Kolumne für FORUM – Das Wochenmagazin. Heute: Ein zweites Mal hintereinander ist ein Amerikaner zum Papst gewählt worden. Die katholische Kirche entfernt sich weiter von Europa. Was bedeutet das? – Ich habe dazu eine Meinung …
Europa Rechtspopulisten

Europa im Blickpunkt
Wiegand wills wissen
Europa Papst Vatikan Leo:
Europa Papst Vatikan Leo:
Moin, liebe Mitmenschen in Europa,
Habemus Papam: Nach dem Argentinier Franziskus ist der US-stämmige Leo XIV. als weiterer Amerikaner zum Papst gewählt worden – erst der zweite Nichteuropäer seit rund 1.500 Jahren. Der 69-jährige Augustiner mit Doppelstaatsbürgerschaft von Perú bricht die Europazentriertheit des Vatikans weiter auf. „Die Zeiten des italienischen Papstes sind vorbei, er ist ein globaler Papst“, bilanzieren Kenner.
Dennoch wird Leo XIV. an Europa nicht vorbeisehen. Der polyglotte Fünf-Sprachen-Kenner hat französisch-spanisch-italienische Wurzeln. Und er knüpft bewusst an Franziskus an. Dessen erstes Reiseziel war Lampedusa. Das Gedenken an ertrunkene Flüchtlinge rüttelte Europas Gewissen auf.
„Als Amerikaner wird er die kirchliche Situation in den westlichen Ländern kennen. Seine Tätigkeit in Rom und Peru machen ihn darüber hinaus zu einem Papst, der weltkirchliche Erfahrung mitbringt.“
– Dirk Bingener, Präsident von Missio Deutschland
EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen kündigt enge Zusammenarbeit mit dem Vatikan an – bei „globalen“ Themen. Aber Brüssel weiß, dass der Papst aus Chicago nicht nur in die Ferne schaut. Dieser Pontifex sieht auch Konflikte seiner neuen Nachbarschaft, etwa den Ukraine-Krieg. „Frieden“ war sein erstes Wort am Petersplatz.

Der Wunsch von Spaniens Premier Sánchez könnte sich erfüllen: ein Pontifikat „zur Verteidigung der Menschenrechte“. Das Thema ist Leo XIV. auf den Leib geschrieben. Er wirkte lange unter Armen in entlegenen Regionen Südamerikas.
Ob sich der 267. Papst dem Reformdruck etwa deutscher Bischöfe mit Kraft und Frische öffnet, ist offen. Im Zweifel muss Leo XIV. die Einheit der Weltkirche europäischen Befindlichkeiten vorziehen. Nur ein Fünftel der Katholiken lebt in Europa – Tendenz abnehmend. Am deutschen Wesen wird die Kirche – für viele bedauerlich – nicht genesen.
Eine Kolumne von Wolf Achim Wiegand, freier Journalist mit EU-Spezialisierung
Demnächst mehr aus Europa.
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