Europa Ungarn Demokratie: “Im Blickpunkt – Wiegand wills wissen” – Kolumne für FORUM – Das Wochenmagazin. Heute: Ein Regierungschef nervt seine EU-Kollegen so, dass man sich langsam fragt, ob er sein Land nicht aus dem Staatenverbund lösen sollte.… Dazu habe ich eine Meinung.
Europa Ungarn Demokratie
Europa im Blickpunkt
Wiegand wills wissen

Europa Ungarn Demokratie
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Moin, liebe Mitmenschen in Europa,
Wie viel Viktor Orbán verträgt Europa noch? Das fragen sich dieser Tage immer mehr Politiker und Beobachter in Brüssel.
Erst trifft sich der ungarische Regierungschef trotz Sanktionen ungeniert mit dem unerbittlichen Kriegsherrn Wladimir Putin – und durfte voriges Jahr dennoch als EU-Ratspräsident Europa leiten. Dann blockiert er die Hilfen für die russisch bedrängte Ukraine. Zudem schikaniert Orbán die Oppositionellen, Medien und Richter in seinem Lande. Und das hat er fest im Griff – auch, wenn sich kürzlich Zehntausende seinem Verbot eines Pride-Marsches in Budapest widersetzten.
Neuste Eskapade: Der extreme Nationalist nutzt den Haushaltsentwurf der EU-Kommission als Spieß gegen den 27-Staaten-Verbund und fordert eine vollständige Revision.
Zwanzig Prozent des vorgeschlagenen EU-Haushalts gehen an die Ukraine. – Das behauptet Viktor Orbán
Dass ausgerechnet der lauteste Anti-Europäer im vorigen Jahr als Ratsvorsitzender die Stimme Europas nach außen spielen konnte, zeigt das Dilemma der Union: Sie hat Regeln, aber die sind so gestrickt, dass sie gegen Quertreiber nicht durchsetzbar sind. So kann der feste Rotationsplan des Vorsitzes nur einstimmig geändert werden. Es gibt keine vertragliche Bestimmung in den EU-Verträgen für eine Suspendierung – selbst wenn ein Staat rechtsstaatlich abweicht. Und politische Maßnahmen sind nur symbolisch.
Damit ist der Fall Orbán kein exotischer ungarischer Sonderweg – er ist ein europäisches Strukturproblem.
Orbán hat Ungarn in ein autoritäres System verwandelt – mit Hilfe von EU-Geldern. – Sophie in ’t Veld (2021), damals liberale Europaabgeordnete)

Geht die EU-Glaubwürdigkeit futsch?
Seit Jahren untergräbt die Regierung in Budapest demokratische Standards – ohne je ernsthafte Konsequenzen fürchten zu müssen. Unter ihr wird der Rechtsstaat zur Verhandlungsmasse und die vielbeschworene Wertegemeinschaft zur Schönwetterformel. Der Eindruck entsteht: Wer in der EU laut stört, bekommt trotzdem Geld oder Zugeständnisse – oder: gerade dann. Damit er ruhig ist…
Noch länger Wegducken vor diesem Problem ist aber keine Strategie. Wer Europas Grundregeln missachtet, darf nicht gleichzeitig von seinen Institutionen gedeckt werden. Und wer den Rechtsstaat politisch taktierend behandelt, verliert seine moralische Autorität.
Es geht nicht um Ungarn allein.
Es geht um die Glaubwürdigkeit der EU insgesamt – nach innen wie nach außen. Wer heute Viktor Orbán weiter gewähren lässt, muss sich morgen nicht wundern, wenn andere seinem Beispiel folgen. Europa wäre dann nicht nur sprachlos. Sondern wehrlos. Ich will das nicht.
Eine Meinung von Wolf Achim Wiegand, freier Journalist mit EU-Spezialisierung
Demnächst mehr aus Europa.
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Sollte die EU Quertreiber bestrafen können? Oder gehört das Verhalten Orbáns zur demokratischen Meinungsfreiheit dazu – auch wenn es nervt? – Feuer frei für Deine Meinung: Schreibe unten in die Kommentare: ⤵️
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