Europa USA Grönland: Mit Spannung war der Trump-Auftritt beim WWF in Davos erwartet worden. Sie brachte Gewissheit: Der US-Präsident erhebt weiter Ansprüche auf Grönland. Und Europa? Hat dem bislang noch nichts entge­gen­zu­setzen … – Dazu habe ich eine Meinung.

Europa im Blickpunkt
Wiegand wills wissen

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Von Wolf Achim Wiegand (Fotos: KI) 

❄️ „Europa im Schneematsch“

🌍 Hamburg/Brüssel/Davos (waw) – In was für einem Europa sind wir heute morgen aufge­wacht? Unser erster Weckruf kam schon gestern nachmittags beim Weltwirt­schafts­forum (WWF) in Davos, als Donald Trump seine 70-minütige wirre Rede hielt. Am Abend dann klingelte es nochmals, als NATO-Chef Mark Rutte dem US-Präsi­denten ein bislang im Detail unbekannten Deal abrang. Die Nacht danach war kurz. Und heute morgen wirkt Europa etwas unausgeschlafen.

Was ist geschehen, seit wir ins Bett gegangen sind?

Donald Trump hatte in seiner Rede zunächst wieder klar gemacht, wo er die strate­gi­schen Priori­täten der USA sieht. Grönland steht weiter im Zentrum seiner Agenda. Die Insel soll – so Trump – Gegen­stand „unver­züg­licher Verhand­lungen“ werden.

Zugleich hat der US-Präsident betont, keine militä­rische Gewalt einsetzen zu wollen. Das war eine bemer­kens­werte Kehrt­wendung. Bislang drohte ein bewaff­neter Konflikt zwischen NATO-Partnern.

Im Laufe des Abends fielen auch die bis dahin gefürch­teten Straf­zölle gegen europäische Verbündete. Das Druck­mittel gegen wider­spruchs­be­reite europäische Verbündete werden vorerst nicht verhängt. Das kündigte Trump nach dem Treffen mit Rutte zu später Stunde an. Der Preis dafür ist zur Stunde unbekannt.

Europa atmete also zu Mitter­nacht kurz auf – es trank aber keinen Champagner. Denn die Erleich­terung konnte nicht darüber hinweg­täu­schen, was der erste Gipfeltag offenbart hatte. Trump bleibt ein harter Eisblock, während die Europäer im weichen Schnee­matsch stecken. Er beharrt auf seinem Terri­to­ri­al­an­spruch, nur ohne militä­rische Gewalt anwenden zu wollen – doch ökono­mi­scher und politi­scher Druck bleiben.

Trump stellt weiter klare Bedin­gungen. Er macht seine Inter­essen geltend und nutzt seine weltpo­li­tisch starke Position aus. Und Europa? Europa bleibt laut ersten Eindrücken weiter defensiv, reaktiv, fast verun­si­chert. In Worten macht sich Europa zwar stark – aber welche Taten genau unter­nimmt es?

Bundes­kanzler Friedrich Merz suchte auf dem WWF den persön­lichen Kontakt zu Trump, um die europäi­schen Inter­essen zu wahren – schei­terte aber angeblich beim Terminplan (hier: Merz-Rede in Davos). Die EU-Außen­be­auf­tragte Kaja Kallas wies darauf hin, dass die Souve­rä­nität Grönlands nicht verhan­delbar sei. Kommis­si­ons­chefin Ursula von der Leyen hatte zuvor betont, Europa werde stark in Grönland inves­tieren und an einem gemein­samen arkti­schen Sicher­heits­konzept arbeiten. Das könne die trans­at­lan­ti­schen Bezie­hungen stabilisieren.

Kurzum: Europa versucht, Diplo­matie und Rechts­staat­lichkeit gegen rohe Macht­po­litik zu halten – und das ist im Grundsatz richtig. Aber es bleibt der bittere Beigeschmack: Trump diktiert die Gesprächs­agenda, während Europa um Antworten ringt.

FAZIT:

Die unmit­telbar größten Eskala­ti­ons­ge­fahren – Krieg und Straf­zölle – sind vorerst abgewendet. Die EU und ihre Verbün­deten dürfen sich dennoch nicht zufrieden zurück­lehnen. Ein “Partner”, der einseitig Rahmen­be­din­gungen setzt und die Allianz immer wieder auf die Probe stellt, respek­tiert weder die gemeinsame Geschichte noch die gegen­sei­tigen Sicher­heits­in­ter­essen. Die Lage ist nicht entspannt, sie ist nur verschoben.

Trumps Arktis-Ambitionen und seine rheto­rische Härte stellen Europa vor Heraus­for­de­rungen, die weit über Grönland hinaus­gehen. Die Reaktionen der EU und ihrer Mitglied­staaten zeigen Bereit­schaft zu Dialog und Koope­ration. Zugleich sind sie bemüht, trans­at­lan­tische Bezie­hungen und terri­to­riale Integrität zu vertei­digen. Aber: Vielleicht ist das Verhältnis zwischen den USA und Europa gar nicht mehr zu kitten?


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Werden Trumps Ansprüche nur Träume bleiben? Wird Europa seinen Wünschen eine Absage erteilen können? Was denkst Du? – Jede Meinung und jeder Kommentar zählen. – Feuer frei: Schreibe unten in die Kommentare:⤵️


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