Merz Meloni Europa EU: Mit Spen … – Dazu habe ich eine Meinung.

Europa im Blickpunkt
Wiegand wills wissen

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Von Wolf Achim Wiegand (Fotos: KI) 

Berlin/Rom/Brüssel (waw) – Europa ist an Wende­punkte gewöhnt. An leise, techno­kra­tische Übergänge ebenso wie an abrupte politische Brüche. Doch was sich derzeit zwischen Berlin und Rom formiert, ist mehr als ein diplo­ma­ti­sches Zweck­bündnis. Es ist der Versuch, die Europäische Union neu zu justieren – weg von alten Automa­tismen, hin zu einer macht­po­li­tisch klarer geführten Ordnung.

Im Zentrum dieser Verschiebung stehen zwei Figuren, die unter­schied­licher kaum sein könnten – und sich gerade deshalb gefunden haben: Bundes­kanzler Friedrich Merz und Italiens Minis­ter­prä­si­dentin Giorgia Meloni.

Was viele noch vor Monaten für ein takti­sches Flirt­ma­növer hielten, entwi­ckelt sich zu einer strate­gi­schen Allianz. In Brüssel wird inzwi­schen offen vom neuen europäi­schen „Powerpaar“ gesprochen. Nicht als PR-Begriff, sondern als Beschreibung realer Einfluss­achsen zwischen einem klar Konser­va­tiven und einer radikalen Rechten.

Das Ende der Selbstverständlichkeit

Über Jahrzehnte galt der deutsch-franzö­sische Motor als unver­zicht­bares Herz der EU. Berlin und Paris stritten, blockierten, versöhnten sich – und setzten am Ende doch den Takt.

Genau hier tritt Italien auf den Plan.

Als Merz jetzt mit seinem halben Minis­ter­tross nach Rom reiste, war das mehr als Symbolik. Es war ein Macht­an­gebot. Und Meloni nahm es an.

Das europäische Nachrich­ten­portal Politico beschreibt diese Konstel­lation unmiss­ver­ständlich als neues europäi­sches Kraft­zentrum – The EU’s New Power Couple: Merz and Meloni:

Da der deutsch-franzö­sische Motor ins Stocken geraten ist, entsteht in Berlin und Rom ein neues Machtduo in Europa. – politico.eu

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Warum ausgerechnet Meloni?

Noch vor wenigen Jahren wäre diese Frage reflexhaft gestellt worden – heute wirkt sie fast überholt. Giorgia Meloni hat sich in der EU vom Problemfall zur Stabi­li­täts­ga­rantin entwi­ckelt. Und sie ist eine Trump-Flüsterin.

Niemand sonst als die stets hochmo­disch gekleidete Meloni versteht es in der EU so gut, den Wüterich im fernen Washington zu umgarnen. Ihre nicht zu unter­schät­zende Waffe: Charme. Insider berichten, Merz wolle Meloni im Umgang mit Trump bewusst einbinden, um europäische Inter­essen besser abzusichern.

Aber das ist nicht alles – Maximilian Stascheit von Politico Berlin zitiert Marian Wendt, Leiter des Rom-Büros der Konrad-Adenauer-Stiftung: 

Merz sah und sieht Meloni nicht nur als ‚Türöff­nerin‘ Europas zu Trump, sondern auch in der persön­lichen Beziehung gibt es einen gewissen Gleichklang. 

Dazu kommt: Melonis Rechts­re­gierung hält länger als viele ihrer Vorgänger. Sie spricht die Sprache der Märkte ebenso wie die der sicher­heits­po­li­ti­schen Hardliner. Und sie verkörpert einen politi­schen Stil, der in vielen europäi­schen Haupt­städten wieder anschluss­fähig geworden ist: souve­rä­nis­tisch im Ton, pragma­tisch in der Umsetzung.

n‑tv bringt diese neue Rollen­ver­teilung auf den Punkt:

Meloni wolle für Merz das werden, „was Macron einmal war“. (n‑tv.de)

Die gemeinsame Agenda: weniger Romantik, mehr Macht

Was Merz und Meloni verbindet, ist kein großes europäi­sches Pathos. Es ist eine nüchterne Diagnose: Die EU ist zu langsam, zu bürokra­tisch, zu zögerlich – und geopo­li­tisch zu schwach.

Daraus leiten beide eine Agenda ab, die Brüssel verändert:

Wirtschaft:
Mehr Wettbe­werbs­fä­higkeit, weniger Regulierung, schnellere Geneh­mi­gungen. Europa soll wieder inves­tieren, wachsen, produ­zieren – und nicht nur verwalten.

Migration:
Härtere Kontrolle der Außen­grenzen, klare Zustän­dig­keiten, weniger moralische Symbol­po­litik. Berlin und Rom sprechen hier erstmals mit erstaunlich ähnlicher Stimme.

Außen­po­litik:
Ein pragma­ti­scher Umgang mit den USA unter Präsident Donald Trump, weniger Illusionen über trans­at­lan­tische Verläss­lichkeit, mehr europäische Eigen­stän­digkeit. Merz sucht dabei ausdrücklich Melonis Nähe – auch als Brücken­bauerin nach Washington.

Ein Bruch mit dem alten Europa

Diese neue Achse ist kein stilles Update, sondern ein Bruch mit vertrauten Mecha­nismen. Sie schwächt Paris. Sie verschiebt Macht nach Süden. Und sie stärkt jene Kräfte in der EU, die weniger Integration um ihrer selbst willen wollen – und mehr Handlungsfähigkeit.

Das macht das Projekt Merz–Meloni so wirkungsvoll wie riskant. Kritiker warnen vor einer Spaltung Europas in einen wirtschafts­li­be­ralen, sicher­heits­po­li­tisch harten Kern und einen politisch margi­na­li­sierten Rest. Befür­worter hingegen sehen endlich Bewegung in einem System, das sich zu lange selbst genügt hat.

Distanz zu Paris, Nähe zu Rom wächst. - Bloomberg über die deutsche Neuausrichtung 

Wer dirigiert Europa – und für wen?

Die entschei­dende Frage ist nicht, ob Merz und Meloni Macht ausüben. Das tun sie bereits.

Die Frage lautet: In wessen Namen?


Für ein handlungs­fä­hi­geres Europa – oder für ein Europa der Exeku­tiven? Für mehr Souve­rä­nität – oder für weniger Ausgleich?

Fest steht: Die EU wird nicht mehr allein in Paris und Berlin entworfen. Sie wird neu verhandelt. Und Rom sitzt jetzt am Dirigentenpult.

Europa hat ein neues Powerpaar.
Ob daraus ein stabiler Takt entsteht – oder eine disso­nante Kompo­sition –, das entscheidet sich schon in den kommenden Monaten.

P.S.: Trotz der guten politi­schen Verbin­dungen hapert es noch etwas mit den Luft- und Gleis­ver­bin­dungen zwischen dem europäi­schen Stiefel und seiner Herzregion. Selbst Minister müssen zwischen Berlin und Rom bei kommer­zi­ellen Direkt­flügen auf Billig-Airlines wie Ryanair und Easyjet ausweichen. Und auch die Zugver­bin­dungen werden erst zum Jahresende besser werden – zwei Hochge­schwin­dig­keits­bahnen werden dann von München nach Mailand und separat nach Rom rollen. Und irgendwann auch Berlin (und Neapel) anbinden.


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