Europäische Themen dieser Woche
EUROPA-TopThemen von WOLF ACHIM WIEGAND 🇪🇺
(Europäische Union) – Was hat europäische Macher und Beobachter vergangene Woche an- und umgetrieben?
- Eine Fahrt in die Freiheit – das war die Reise des Containerfrachters “Joseph Schulte”. Warum, wo, wieso, weshalb und wann? Siehe unten.
- HPV ist eine gefährliche Erkrankung. Man kann sich dagegen impfen. Nie gehört? Siehe ebenfalls unten.
- Die wichtigste Bank der Europäischen Union wird von einer Frau geleitet werden. Das ist möglich. Oder nicht? Auch dazu: Siehe unten.
DAS ALLES UND NOCH VIEL MEHR ⤵️

Deutscher Frachter trotzt Putin:

Der Hamburger Containerfrachter “Joseph Schulte” hat das Schwarze Meer aus dem ukrainischen Hafen Odesa kommend unbeschadet durchquert und Istanbul erreicht. Damit sind fast anderthalb Jahre des Festsitzens beendet, bedingt durch Putins Krieg zur See.
Die Zone, in der das Schiff nun navigierte, hatte die Ukraine trotz russischer Abschussdrohungen eingerichtet. Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von einem „wichtigen Schritt zur Wiederherstellung der Freiheit der Schifffahrt“.
Die 300 Meter lange “Joseph Schulte” fährt unter Hongkong- Flagge und gehört anteilig zur Reederei Bernhard Schulte, die erleichtert ist. vesselfinder.com (derzeitige Position)
Macht sich aus dem “Staub”: “Joseph Schulte” / Foto: AFP
Polenmilitär bald Europas Nr. 1?
Nach der massiven Militärparade vom Dienstag in Warschau sind Beobachter davon überzeugt, dass Polen gerade die militärisch stärkste Armee der EU aufbaut. Die 92 zur Schau aufgebotenen Flugzeuge, 2.000 aufmarschierten Soldaten und zahlreichen vorgeführten Hightech-Waffen seien eine deutliche Botschaft gewesen – vor allem an Russland. Die Regierung plant ein Rekordverteidigungsbudget, das Armee und Heimatschutz auf 300.000 Angehörige und damit fast ums Doppelte vergrößern soll (Bundeswehr: 172.000). merkur.de
Russenbomber schrammen NATO-Luftraum:
Die Luftwaffen dreier Länder haben allein am vergangenen Montag mehrmals auf russische Bombenflugzeuge reagiert, die Grenzgebieten des westlichen Verteidigungsbündnisses nahe kamen. Erst stiegen britische Kampfflugzeuge vom Typ Typhoon nördlich von Schottland auf um neben zwei Langstreckenbombern zu patrouillieren. Später mussten die Abwehren der Niederlande und Dänemarks aktiv werden, weil erneut atomwaffenfähige Kremlflugzeuge herankamen. Die Flüge seien allerdings über internationalem Gewässer geblieben, hieß es. Russland meldete indessen das Nahen eines norwegischen Aufklärers, der beim Entdecken von selbst abgedreht sei. t‑online.de

Schon gegen HPV geimpft?
Der europäische Plan zur Krebsbekämpfung sieht vor, dass mindestens 90 Prozent der Mädchen bis zum Alter von 15 Jahren gegen das humane Papillomavirus (HPV) geimpft werden und die Impfquote bei Jungen bis 2030 erhöht wird. Das klingt technisch, ist aber plausibel. Denn HPV ist weltweit die häufigste sexuell übertragbare Virusinfektion . Sie kann krebserregend oder krebsauslösend sein.
Fast jeder dritte Mann weltweit infiziert sich mit HPV. Das kann (muss nicht) Folgen haben. Bei Frauen in der EU ist der über HPV ausgelöste Gebärmutterhalskrebs nach Brustkrebs die zweithäufigste Krebserkrankung im Alter von 15 bis 44 Jahren. Impfen kann das vermeiden. Die EU will daher Fehl- und Desinformationen entgegenwirken. euractiv.de

EU-Toleranz fürs Kiffen:
Die leidenschaftliche deutsche Debatte über die geplante Teilfreigabe von Cannabis haben andere EU-Länder schon hinter sich. Etliche der 27 Mitgliedsnationen haben ähnliche Schritte wie Berlin vollzogen oder wollen das tun. Die längste Liberalisierungstradition haben die Niederlande (seit 2003). Auch Tschechien, Luxemburg und Malta sind tolerant, die assoziierte Schweiz dagegen nicht. dw.com

Demnächst in Polen – Volksabstimmung über Migration
“Unterstützen Sie die Aufnahme von Tausenden illegaler Einwanderer aus dem Nahen Osten und Afrika, nach dem von der europäischen Bürokratie auferlegten Mechanismus der verpflichtenden Aufnahme?”
Kritiker finden diese Fragestellung für das polnische Migrationsreferendum mindestens fragwürdig

Atomkraft – ja bitte?
Die Kernspaltung als Quelle zur Energieerzeugung wird in Europa wieder mehr und mehr salonfähig. Treiber der Entwicklung ist Frankreich, das seit Langem eine Pro-Atomkraft-Allianz zimmert, darunter mit Schweden, Italien, Niederlande und Polen. Im Gespräch ist der Bau von „30 bis 45 neuen großen Reaktoren“ und kleinen modularen Reaktoren (SMR). Der Druck hat bereits zu zahlreichen Zugeständnissen in der Klimapolitik der Europäischen Kommission und im EU-Parlament geführt. euractiv.de
EU-Süden beklagt Touristenrückgang:
Die Wetterkapriolen dieses Sommers haben die europäische Ferienindustrie umgekrempelt. Laut Fremdenverkehrsvereinigung Europäische Reisekommission (ETC) haben Mittelmeerländer erstmals weniger Besucher registriert als im Vorjahr. Stattdessen sind Ziele wie Tschechien, Bulgarien, Irland und Dänemark populärer geworden. Die ETC erklärt das damit, „dass Urlauber weniger überlaufene Destinationen und mildere Temperaturen suchen.“ handelsblatt.com

Tiktok verschiebt Daten:
Die umstrittene chinesische App Tiktok überführt jetzt die Daten für ihre kurzen und viralen Videos an drei Speicherstandorte in der EU. Damit sollen weltweit erhobene Vorwürfe wegen mangelnden Jugend- und Datenschutzes gekontert werden. Tiktok lässt sich die Migration angeblich mehr als eine Milliarde Euro jährlich kosten. Die EU-Kommission hatte die Anwendung auf Diensthandys kürzlich verboten. derstandard.de
Stiftungsgigant verlässt Europa:
Der nach eigenen Angaben weltweit größte private Geldgeber für Menschenrechte, Open Society Foundations, zieht sich fast vollständig aus der Europäischen Union zurück. Medienberichte begründen das damit, dass die EU keiner Hilfe bedürfe, weil die Region selbst genügend Geld in soziale Bereiche investiere. Die Stiftung werde daher andere Teile der Welt stärker stützen. Gründer des Fonds ist der aus Ungarn stammende US-Milliardär George Soros. Er hat laut Stiftung mehr als 32 Milliarden Dollar seines Privatvermögens ausgeteilt. euronews.com
EU soll Zöpfe abschneiden:
Die Wettbewerbspolitik der Europäischen Union ist veraltet und muss radikal auf die technologische Welt des 21. Jahrhunderts ausgerichtet werden. Das schlägt André Loesekrug-Pietri vor, Vorsitzender der Joint European Disruptive Initiative (JEDI). Diese Förderagentur unterstützt bahnbrechende Innovationen, um Europa weltweit nach vorne zu bringen. Laut Loesekrug-Pietri verzeichnet die von Juristen dominierte EU-Generaldirektion seit mehr als 20 Jahren „andauernde volle Ergebnislosigkeit“ bei Digitalisierung und Technologie. Kein europäisches Unternehmen – außer der Luxusmarke LVMH Moët Hennessy – sei unter den Top 20 der wertvollsten Unternehmen der Welt. table.media
Deutsche Bahn am Bremshebel?

Die EU-Kommission will die europäischen Bahnunternehmen zwingen, Daten an unabhängige, internationale Ticketplattformen herauszugeben. Damit sollen Verbraucher auf einfachen Klick europaweit gültige und einheitliche Fahrscheine buchen können. Anbieter solcher Bestellmöglichkeiten werfen der Deutschen Bahn vor, sich gegen so eine Regelung zu sträuben. Der ehemalige Staatskonzern bestreitet das. Fakt ist: Ein kundenfreundliches EU-Bahnbuchungsportal lässt auf sich warten. welt.de

Bekommt Frau den EU-Bankentopjob?
Zwei Frauen dürften es unter sich ausmachen, wer Chefin der Europäischen Investitionsbank (EIB) wird und damit das Kreditinstitut der Europäischen Union leitet. Spanien hat jetzt die parteilose Wirtschaftsministerin Nadia Calviño als Gegenkandidatin zur EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager aus Dänemark vorgeschlagen. Zwar kämpfen noch drei weitere Personen um die Nachfolge des 71-jährigen FDP-Politikers Werner Hoyer. Doch Calviño und Vestager haben nach Ansicht von Beobachtern derzeit die besten Chancen auf den Chefsessel des weltweit größten multilateralen Finanzierungsinstituts. Die Entscheidung fällt nächsten Monat. handelsblatt.com

Paffer-Paradies Portugal:
Die Inselrepublik Irland ist das teuerste Pflaster für Zigarettenraucher. Für eine 20er-Packung Marlboro muss man auf der Grünen Insel 15 Euro hinlegen. Das ergibt die Auswertung eines Statistikportals. Billigrekord dagegen in Spanien und Portugal: Dort kommt man schon für 5,10 Euro an die papierumhüllten Tabakstangen. Deutschland liegt im Mittelfeld. t‑online.de
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