Europa Betrug Mogherini: Schlimmer kann es die Europäische Union kaum treffen. Ausge­rechnet in Krisen­zeiten gerät eine einst wichtige Figur der EU-Außen­po­litik in krimi­nellen Verdacht. - Dazu habe ich eine Meinung.

Europa im Blickpunkt
Wiegand wills wissen

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Europa Betrug Mogherini

Von Wolf Achim Wiegand (Foto: KI)

Moin, liebe Mitmenschen in Europa,

Pauken­schlag in Brüssel: Die Festnahme der früheren EU-Außen­be­auf­tragten Federica Mogherini Missbrauch von EU-Geldern ist ein politi­sches Erdbeben. Die Inhaf­tierung zweier weiterer Personen ist ein weiteres fatales Signal. Und das in einer Krisenzeit, in der die Öffent­lichkeit ihr Europa stabil und integer erleben möchte. 

Belgische Ermittler haben bei einer Razzia in der offizi­ellen EU-Diplo­ma­ten­schule in Brügge zugeschlagen. Gleich­zeitig haben sie die Zentrale des Europäi­schen Auswär­tigen Dienstes (EEAS) in Brüssel durch­sucht. Dies stellt nicht nur ein einzelnes Auswahl­ver­fahren in den Fokus. Es rückt mehr in den Fokus – das Selbst­ver­ständnis europäi­scher Integrität.

Federica Mogherini, die festge­nommene einstige EU-Chefdi­plo­matin, war bei der EU-Élite durchaus beliebt. Sie ist es auch heute noch. Anhänger eines starken, werte­ba­sierten Europa schätzen sie. 

Die EU-Außen­be­auf­tragte gilt als fleißig und nett. Doch sie packte bisher kaum große Probleme an. - Handels­blatt, 2018

Während ihrer Amtszeit als Hohe Vertre­terin der EU für Außen- und Sicher­heits­po­litik (2014 – 2019) reprä­sen­tierte die Ex-Außen­mi­nis­terin Italiens ein kosmo­po­li­ti­sches Europa. Sie stand für ein weltof­fenes und integra­tives Europa. Sie war auch ein Symbol für ein friedens­ori­en­tiertes Europa. Viele sahen die als relativ junge Frau auf den Posten gekommene Politi­kerin als progressive Figur. Das verschaffte ihr Respekt, besonders bei EU-Befür­wortern und Exponenten der Sozial­de­mo­kratie, der sie angehört.

Nach Amtsende jedoch stieß Mogherini auf Wider­stand und Kritik. Ihre Wahl zur Rektorin des nun in den Fahndungs­fokus geratenen College of Europe in Brügge 2020 stieß auf erheb­liche Vorbe­halte. Kritiker warfen ihr Nepotismus und mangelnde Quali­fi­kation vor. Betroffene sahen die Benennung als Ergebnis interner Netzwerke und nicht als objektive Entscheidung.

Der nun aufge­flammte Betrugs­ver­dacht wegen angeblich unlau­terer Verga­be­prak­tiken dient EU-Gegnern und Europa­skep­tikern als neuer Anti-Brüssel-Beleg. Sie glauben oder behaupten nun umso fester, dass die Kritik an Intrans­parenz und Vettern­wirt­schaft in der EU berechtigt ist.

Politisches Gift zur Unzeit

Europa Betrug Mogherini

Unabhängig davon, ob Mogherini oder den Mitbe­schul­digten am Ende etwas nachge­wiesen werden kann: Allein der Anschein reicht, um Europa erneut in ein schum­me­riges Licht zu tauchen. Und das ausge­rechnet in einer Periode, in der die EU auf globale Krisen und interne Diffe­renzen antworten muss. Die üblichen Verein­facher und Anti-Brüssel-Populisten haben frisches Futter.

Und sie werden es nutzen – von Madrid bis Malta und von Polen bis Portugal. Dabei werden sie den diplo­ma­ti­schen Dienst unter Feuer nehmen. Also das Außen­ressort der Union, das auf weltweite moralische Glaub­wür­digkeit angewiesen ist. 

Jede EU-Kritik am Günst­lings­system in Russland, an den Trump’schen Nepotismus-Eskapaden, an den wunder­samen Wohlstands­ver­meh­rungen in Ungarn oder den ukrai­ni­schen Bestechungs­af­fären wird mit einer Erzählung von „Brüsseler Vettern­wirt­schaft“ und „Selbst­be­dienung“ beant­wortet werden. Wetten dass?

Sozialdemokratische Hypothek

Besonders bitter ist der Vorgang für Europas Sozialdemokraten. 

Nach dem Skandal um die abgesetzte Vizeprä­si­dentin des Europäi­schen Parla­ments, Eva Kaili, ist erneut eine promi­nente Links­figur betroffen. Das ist politisch mehr als brisant. Denn es höhlt das seit Jahren fragile Vertrauen in die sozial­de­mo­kra­tische Ethik bei EU-Spitzen­po­si­tionen weiter aus – auch wenn alles gar nicht wahr sein sollte. Die Optik ist verheerend.

Angriff auf faire Wettbewerbsregeln

Hinter alledem steht der Verdacht, dass ein EU-finan­ziertes Ausbil­dungs­pro­gramm 2021/22 durch Regel­ver­stöße vergeben wurde. Mögli­cher­weise wurden Ausschrei­bungs­be­din­gungen manipu­liert, um das College of Europe zu begüns­tigen. Dieser Verdacht trifft das Herz europäi­scher Verga­be­praxis.

Es geht im Fall Mogherini & Co. nicht um plumpe Korruption. Statt­dessen steht etwas Struk­tu­rel­leres im grellen Licht. Denn es besteht der Verdacht, dass vertrau­liche Infor­ma­tionen weiter­ge­reicht wurden, bevor die Ausschreibung offiziell eröffnet war. Das wäre ein Angriff auf das Versprechen der EU, faire, trans­pa­rente und diskri­mi­nie­rungs­freie Verfahren zu garantieren.

Die gute Nachricht… 

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So vernichtend der politische Schaden wirkt – es gibt eine positive Botschaft. Das Antikor­rup­ti­onsamt OLAF funktio­niert – es hat den Fall entdeckt und aufge­rollt. Auch die Europäische Staats­an­walt­schaft EPPO klapt – sie hat ohne Zögern die Konse­quenzen ergriffen.

Will heißen: Die europäi­schen Anti-Betrugs­be­hörden greifen ein, ohne Rücksicht auf Titel, Renommee oder partei­po­li­tische Nähe.

Dass hochrangige Akteure im Faden­kreuz stehen, ist kein Zeichen für einen verfal­lenden Apparat. Es zeigt vielmehr einen funktio­nie­renden Rechts­staat innerhalb der EU-Strukturen.

Gerade in Zeiten, in denen äußere Gegner Europas Korruption als angeblich „syste­misch“ darstellen, ist das entscheidend: Die EU kann sich selbst kontrol­lieren. Und sie tut es auch. Dass die Ermittler nicht wankten, in einer der empfind­lichsten Insti­tu­tionen Europas zuzugreifen, stärkt die Glaub­wür­digkeit der Brüsseler Antikorruptionsmaschinerie.

Was jetzt auf dem Spiel steht

Die kommenden Wochen entscheiden, wie tief die Wunden reichen. Sollte sich der Verdacht als struk­tu­relles Problem entpuppen, wird die Frage nach Gover­nance-Reformen im EEAS unaus­weichlich. Bleibt es beim Fehlver­halten weniger Personen, braucht Europa dennoch eine deutliche Verschärfung interner Compliance-Mecha­nismen – und eine klare, trans­pa­rente Kommunikation.

Eines ist sicher: Die EU muss ihre eigenen Regeln sichtbar und konse­quent durch­setzen. Andern­falls wird dieser Fall zum Symbol für mangelnde Selbst­kon­trolle. Genau das darf nicht geschehen – nicht jetzt, nicht in dieser geopo­li­ti­schen Lage, nicht mit diesem Bedarf an europäi­scher Geschlossenheit.

Home » Krise in Krisen­zeiten: Betrugs­ver­dacht bei EU-Spitzenfrau (Meinung)

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