Trump Putin Europa: Die USA und Russland setzen Europa von Westen und Osten unter Druck. – Mein Essay über Macht­po­litik, Motive und die Frage, ob die EU 2026 ihre Unabhän­gigkeit behaupten kann.

Europa im Blickpunkt
Wiegand wills wissen

Geschätzte Lesedauer: 6 Minuten

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Von Wolf Achim Wiegand

Hamburg / Brüssel (waw) – Europa hat schon angenehmere Jahre erlebt. Kriege an den Rändern, Krisen im Inneren, eine Weltordnung im Umbau. Und dann wären da noch Donald Trump und Wladimir Putin – zwei Männer, die unter­schied­licher kaum sein könnten. Und doch setzen sie Europa mit bemer­kens­werter Synchro­nität unter Druck. Der eine laut, erratisch, narziss­tisch. Der andere kalt, strate­gisch, imperial.

Gemeinsam bilden sie eine geopo­li­tische Zange, in der sich die Europäische Union zunehmend wieder­findet. Es ist ein geopo­li­ti­scher Klammer­griff. Willkommen im Jahr 2026, dem Jahr der europäi­schen Bewäh­rungs­probe mit einer EU unter Druck.

Das Weiße Haus: Ein Verbündeter auf Widerruf

Donald Trump ist seit Januar 2025 wieder Präsident der Verei­nigten Staaten. Und Europa weiß inzwi­schen: „America First“ ist kein Wahlkampf­slogan, sondern ein politi­sches Prinzip mit Langzeit­wirkung. Das Weiße Haus betrachtet die EU nicht mehr als strate­gi­schen Partner, sondern als wirtschaft­lichen Konkur­renten, sicher­heits­po­li­ti­schen Tritt­brett­fahrer und regula­to­ri­sches Ärgernis.

Trumps Amerika misst Allianzen in Dollar, nicht in Werten. NATO? Nur sinnvoll, wenn sie sich „rechnet“. Ukraine? Ein Verhand­lungs­objekt. Europäische Klima­po­litik? Ein Wachs­tums­hemmnis für US-Industrie. Digitale Regulierung durch DSA und DMA? Eine feind­liche Übernahme ameri­ka­ni­scher Platt­formen durch Brüssel.

Das Motiv Washingtons ist dabei erstaunlich schlicht: Macht­ma­xi­mierung nach innen, Kosten­mi­ni­mierung nach außen. Trump will die USA entlasten, notfalls auf Kosten der europäi­schen Sicherheit. Multi­la­te­ra­lismus gilt ihm als ineffi­zient, europäische Einigkeit als Zumutung. Europa soll zahlen, folgen oder schweigen.

Der Kreml: Imperialismus mit Geduld

Wladimir Putin hingegen braucht keine Tweets. Er arbeitet langfristig. Der Kreml betrachtet die Europäische Union nicht als Gegner im klassi­schen Sinn. Für ihn ist der Westen ein geopo­li­ti­sches Missver­ständnis: ein wirtschaftlich starkes, politisch fragmen­tiertes Gebilde ohne militä­ri­schen Kern.

Russlands Motiv ist klar: Einfluss­zonen sichern, westliche Geschlos­senheit unter­mi­nieren, demokra­tische Systeme diskre­di­tieren. Die Ukraine ist dabei kein Einzelfall, sondern Teil eines größeren Projekts. Energie­ab­hän­gigkeit, Desin­for­mation, politische Einfluss­nahme – Moskau spielt auf allen Feldern gleichzeitig.

Putins Kalkül: Europa ist zu langsam, zu zerstritten, zu bequem, um dauerhaft Wider­stand zu leisten. Kurzfristig ist eine europäische Sicher­heits­po­litik sowieso unrea­lis­tisch. Und tatsächlich hat der Kreml gelernt, dass ein gezielter Keil zwischen Mitglied­staaten oft wirksamer ist als offene Konfrontation.

Washington und Moskau: Mehr Gemeinsamkeiten als Europa lieb ist

So unter­schiedlich Trump und Putin auftreten, so ähnlich sind ihre Wirkme­cha­nismen. Beide verachten supra­na­tionale Insti­tu­tionen. Beide bevor­zugen bilaterale Deals gegenüber regel­ba­sierter Ordnung. Beide setzen auf Stärke statt Konsens, auf Dominanz statt Kooperation.

Und beide profi­tieren von einem schwachen Europa. Trump, weil er dann bessere Deals machen kann. Putin, weil er dann weniger Gegenwehr fürchten muss. Das ist keine Verschwörung, sondern eine Inter­es­sen­über­schneidung. Europa steht dabei nicht im Zentrum – sondern im Weg.

Hat Europa die Bedrohung verstanden?

Die ehrliche Antwort lautet: teilweise. In Brüssel wird viel geredet, manches beschlossen, einiges umgesetzt. Strate­gische Autonomie, Energie­un­ab­hän­gigkeit, Vertei­di­gungs­ko­ope­ration – all das ist nicht mehr nur Sonntags­rhe­torik. Aber zwischen Einsicht und Umsetzung klafft weiterhin eine Lücke.

Die 27 Mitglied­staaten agieren zu oft nach natio­nalem Reflex. Sicher­heits- und Vertei­di­gungs­po­litik bleiben fragmen­tiert, Rüstungs­pro­jekte klein­teilig, außen­po­li­tische Positionen inkon­sistent. Während einige Staaten die Gefahr klar benennen, hoffen andere noch immer, sich wegducken oder durch Sonder­be­zie­hungen absichern zu können.

Europa weiß, dass es im Klammer­griff steckt – aber es ringt noch darum, die Arme zu befreien.

2026: Jahr der Entscheidung oder des Weiterwurstelns?

Die Aussichten für 2026 sind offen – und genau das ist das Problem. Die EU ist nicht unmit­telbar handlungs­un­fähig, aber sie ist verwundbar. Akut gefährdet ist sie nicht durch Panzer an den Grenzen, sondern durch Zöger­lichkeit im Inneren.

Was Europa tun muss, ist bekannt: gemeinsame Vertei­di­gungs­struk­turen ausbauen, indus­trielle Kapazi­täten bündeln, Energie- und Digital­po­litik konse­quent europäi­sieren, außen­po­li­tisch geschlossen auftreten. Strate­gische Autonomie erschaffen. Kurz: Macht organi­sieren, ohne den eigenen Lebensstil zu verraten.

Denn genau darum geht es. Nicht um Großmacht­fan­tasien, sondern um die Bewahrung eines Modells: offene Gesell­schaften, soziale Markt­wirt­schaft, Rechts­staat­lichkeit. All das steht nicht morgen früh vor dem Aus – aber es steht unter Druck.

Europas Antwort: Weniger Illusion, mehr Selbstbewusstsein

Donald Trump wird Europa nicht retten – trans­at­lan­tische Bezie­hungen im bishe­rigen Sinne sind perdu. Wladimir Putin wird Europa nicht in Ruhe lassen. Das ist keine neue Erkenntnis, aber eine, die endlich Konse­quenzen haben muss. Europas Zukunft entscheidet sich nicht in Washington oder Moskau, sondern in Berlin, Paris, Warschau, Rom. Und sie hängt von der Fähigkeit ab, nationale Inter­essen in ein gemein­sames Projekt zu überführen.


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