Europa Rüstung Verteidigung China: “Im Blickpunkt – Wiegand wills wissen” – Kolumne für FORUM – Das Wochenmagazin. Heute: Es gehört zu den unaussprechlichen Tabus der europäischen Verteidigungspolitik – unsere Rüstungsproduktion hängt entscheidend von der Volksrepublik China ab. Wieso, warum und mit welchen Konsequenzen schildere ich hier.
Europa Rüstung Verteidigung China
Europa im Blickpunkt
Wiegand wills wissen

Europa Rüstung Verteidigung China
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Moin, liebe Mitmenschen in Europa,
Ein Horror-Szenario: Die EU kurbelt die Produktion Panzern an. Dazu braucht es Munition für die Geschütze. Und dann dieses: Stillstand. Die Panzer stehen herum – weil sie nichts zum Abschießen haben.
Zugegeben – ein erdachtes Lagebild.
Wahr ist jedoch: Europa fehlt tatsächlich Material. Ob das feste Halbmetall Antimon, das Erdkrustenmetall Aluminium oder schwer zu bergende seltene Erden: Ohne solche Rohstoffe läuft in Europas Rüstungsindustrie nichts. Präzisionswaffen und Zielsysteme, Panzerlegierungen oder Sprengzünder und Zündmischungen – sie alle brauchen dieses Material.
Das Problem: Europas Armeebelieferer haben keine Kontrolle über die Lieferkette. Die hat ausgerechnet die Volksrepublik China – unser erklärter Systemrivale. Und der lässt uns seine Muskeln spüren. So dauern die Ausfuhrlizenzen für die benötigten Materialien derzeit Monate.
China kann sich die Hinhaltetaktik leisten. Denn Peking kontrolliert etwa 50–60 % der weltweiten Antimonproduktion. Es stellt auch ~57 % der globalen Aluminiumproduktion her. Und bei Seltenen Erden verfügt China über ~90 % der globalen Fördermenge sowie ~85 % der Raffination – die EU hat nahezu keine eigene Raffinationskapazität.
Was passiert in dieser Lage? Brüssel schimpft auf Moskau. Zugleich schielt es weiter auf Washington als den militärischen Unterstützer. Doch inzwischen hat sich Peking zum heimlichen Spielführer unserer Waffenproduktion gemausert! Es braucht nur ein Mal den Exporthahn zudrehen – und die europäische Verteidigungswelle wird zum Tropfenschauer. handelsblatt.com
Peking weiß seine Monopolstellung zu nutzen
China hat die Ausfuhren für Geranium praktisch komplett eingestellt. - So äußert sich der Manager eines Rüstungskonzerns im Handelsblatt (Germanium ist eines der seltensten Metalle der Welt; es ist unentbehrlich für Nachtsichtgeräte und Infrarotsysteme.

Das Kalkül der Volksrepublik bei der Verknappung ist glasklar:
- ➡️ Wer die Schlüsselstoffe besitzt, hat die Macht. Wer die Welt mit Rohstoffen versorgt, diktiert die Spielregeln. Und Europa? Schaut zu – im besten Fall. Im schlimmsten Fall: Kann nicht mitspielen, selbst wenn es will.
- ➡️ Aber die viel beschworene „strategische Autonomie Europas“ verkommt zur Floskel, wenn wir weiter vom geopolitischen Gegenspieler beliefert werden müssen. China ist kein neutraler Zulieferer. China ist ein Rivale – ökonomisch stark, politisch kühl, strategisch skrupellos.
- ➡️ Deshalb reicht es nicht, in Brüssel Milliarden an Geldern für neue Rüstungsprojekte freizugeben. Es braucht zugleich den politischen Mut, Europas industrielle Achillesferse zu schützen. Das bedeutet: Eigene Abbauquellen, eigene Verarbeitung, eigene Lager. Das geht natürlich nicht über Nacht. Aber wir müssen alles tun, um keine Wattepanzer zu errichten – mit Material vom Systemrivalen.
Eine Kolumne von Wolf Achim Wiegand, freier Journalist mit EU-Spezialisierung
Demnächst mehr aus Europa.
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