Europa Spanien Sánchez: Spanien ist faktisch aus der NATO- und EU-Solida­rität ausge­schert. So der Eindruck von Kritikern der Links­re­gierung in Madrid. Die erfüllt als einzige nicht ihre NATO-Verpflich­tungen, lehnt sich zunehmend an China an und geht rabiat gegen Israel vor. – Dazu habe ich eine Meinung.

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Europa Spanien Sánchez

Von Wolf Achim Wiegand

Moin, liebe Mitmenschen in Europa,

Hamburg (waw) – Es begann mit einem Satz, der in Brüssel und Washington aufhorchen ließ:

Fünf Prozent Vertei­di­gungs­aus­gaben wären ‚unver­hält­nis­mäßig und unnötig‘“, erklärte Spaniens Minis­ter­prä­sident Pedro Sánchez in einem Schreiben an die NATO. Statt­dessen wolle Spanien höchstens rund 2,1 Prozent seines Brutto­in­lands­pro­dukts für Vertei­digung ausgeben.

Der Satz war mehr als eine haushalts­po­li­tische Bemerkung. Er war und ist ein Symbol für ein politi­sches Problem, das Europa zunehmend beschäftigt: die Frage, ob Spanien unter der Regierung Sánchez ein verläss­licher sicher­heits­po­li­ti­scher Partner bleibt – oder zum Unsicher­heits­faktor wird.

Denn hinter dieser Entscheidung steht ein kompli­ziertes politi­sches Kräftefeld: eine sozia­lis­tische Regierung, die ohne Unter­stützung von Parteien aus dem extrem linken Spektrum kaum überleben könnte.

Die fragile Macht des Pedro Sánchez

Pedro Sánchez ist ein politi­scher Überle­bens­künstler. Seit 2018 regiert der Vorsit­zende der sozial­de­mo­kra­ti­schen PSOE mit wechselnden Mehrheiten – zunächst mit der radikalen Linken von Podemos, später mit dem Bündnis Sumar.

In dieser Koalition sitzen Politiker, deren politische Wurzeln in die radikalsten politi­schen Ecken reichen. Zum Junior­partner der Sánchez-Regierung gehören linke, links­po­pu­lis­tische und teilweise radikale Kräfte. Sie werden von Vize-Regie­rungs­chefin und Arbeits­mi­nis­terin Yolanda Díaz angeführt, die Mitglied der Kommu­nis­ti­schen Partei Spaniens (PCE) ist. Zu Sumar gehören fünf der 22 Minister.

Eine Regierung für Gleichheit und soziale Gerech­tigkeit, um den Insti­tu­tionen ihre Würde zurück­zu­geben. Wir gestalten ein besseres Land. – Regierungsmotto

Das Ergebnis ist eine Regierung, die ideolo­gisch weiter links steht als fast jede andere in der Europäi­schen Union. Und genau hier beginnt das strate­gische Problem. Denn in der Sicher­heits- und Außen­po­litik prallen zwei völlig unter­schied­liche Weltbilder aufein­ander: das eines NATO-Mitglieds – und das eines politi­schen Milieus, das dem Bündnis histo­risch skeptisch gegenübersteht.

Der Streit um die NATO

Dieser Konflikt ist offen sichtbar. Als die NATO ihre Mitglied­staaten auffor­derte, die Vertei­di­gungs­aus­gaben deutlich zu erhöhen, reagierten Sánchez’ linke Partner empört. Vertreter aus dem Bündnis Sumar bezeichnen die NATO sogar als „Zombie“ – eine Organi­sation, die überholt und nutzlos sei. 

Ihre wirtschaft­lichen Zahlen sind absolut katastrophal, obwohl sie so gut wie nichts zur NATO oder ihrer militä­ri­schen Vertei­digung beitragen. Es ist so traurig, das zu sehen.

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Der Konflikt zeigt die struk­tu­relle Schwäche der Regierung: Sánchez muss gleich­zeitig inter­na­tionale Verpflich­tungen erfüllen – und Koali­ti­ons­partner beruhigen, die militä­rische Aufrüstung grund­sätzlich ablehnen.

Ein Ministerpräsident zwischen zwei Welten

Sánchez versucht, diesen Wider­spruch politisch zu moderieren. Er betont, Spanien bleibe ein loyaler NATO-Partner. Gleich­zeitig argumen­tiert er, Sicherheit dürfe nicht nur militä­risch gedacht werden. Inves­ti­tionen in Bildung, Techno­logie oder Klima­schutz seien ebenso wichtig.

Doch genau diese Argumen­tation bringt ihn immer wieder in Konflikt mit den strate­gi­schen Erwar­tungen seiner Partner. Als Sánchez etwa eine Erhöhung des Vertei­di­gungs­etats beschloss, reagierten Parteien links von seiner PSOE empört und bezeich­neten den Plan als „exorbitant“ und politisch falsch.

Für Beobachter ist das ein klassi­sches Dilemma einer Minder­heits­re­gierung: Jeder sicher­heits­po­li­tische Schritt kann die eigene parla­men­ta­rische Basis gefährden

Außenpolitische Reibungen

Die Spannungen zeigen sich nicht nur innerhalb Spaniens, sondern auch auf inter­na­tio­naler Bühne.

In der Außen­po­litik hat sich Sánchez mehrfach demons­trativ von wichtigen Partnern abgesetzt. 

So kriti­sierte er militä­rische Aktionen der Verei­nigten Staaten und Israels im Nahen Osten scharf. Er verweigert die Nutzung spani­scher Militär­basen für Opera­tionen gegen den Iran, sperrt spanische Häfen für Schiffe mit Waffen für den Überle­bens­kampf Israels, hat die Rüstungs­ge­schäfte mit Jerusalem gestoppt (obwohl seine Sicher­heits­kräfte und Europa davon profi­tieren) und hat entgegen inter­na­tio­naler Sanktionen die Botschaft in Teheran/Iran mitten im jüngsten Krieg gegen die Mullahs wiedereröffnet. 

Selbst den Eurovision Song Contest (ESC), den weltweit größten TV-Sanges­wett­bewerb, versucht Sánchez über den Staats­rundfunk RTVE zum Tribunal gegen Israel umzuwandeln. Der Sender boykot­tiert das Festival und die Spanier dürfen nicht einmal die Live-Übertragung sehen. 

Für die politische Linke Europas macht ihn das zu einer morali­schen Stimme gegen militä­rische Inter­ven­tionen. Für viele NATO-Diplo­maten ist es hingegen ein Zeichen strate­gi­scher Unbere­chen­barkeit. Und in Israel hat Sánchez nun einen entschlos­senen Gegner:

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Spaniens riskante Nähe zu China

Mit seiner jüngsten Reise Anfang April nach China hat Sánchez die außen­po­li­tische Position des Wächters über den Mittelmeer-Zugang nochmals verschoben. Es war bereits seine vierte Visite in wenigen Jahren. Dabei präsen­tierte er China nicht als Rivalen, sondern als strate­gi­schen Partner und plädierte – entgegen der EU-Strategie – für engere wirtschaft­liche und geopo­li­tische Zusammenarbeit.

Diese Linie sorgt zunehmend für Irrita­tionen – nicht nur in Washington, sondern auch innerhalb Europas, wo China längst als syste­mi­scher Konkurrent gilt. Besonders umstritten ist die techno­lo­gische Dimension: Die Zusam­men­arbeit mit Konzernen wie Huawei hat Sicher­heits­be­denken ausgelöst. Kritiker warnen seit Jahren vor möglichem Zugriff chine­si­scher Behörden auf sensible Daten – und Sánchez riskiert genau das.

Opposition und Sicher­heits­kreise sehen darin ein Risiko für die Zusam­men­arbeit mit NATO-Partnern und den Austausch von Geheim­dienst­in­for­ma­tionen. Es entsteht der Eindruck, dass Spanien unter Sánchez außen­po­li­tisch einen Sonderweg einschlägt – zwischen wirtschaft­licher Öffnung gegenüber China und wachsender strate­gi­scher Entfremdung von den USA und Teilen der EU. 

Der geopolitische Kontext

Der Zeitpunkt dieser Debatten um Spanien könnte kaum heikler sein.

Europa befindet sich in der größten sicher­heits­po­li­ti­schen Krise seit dem Ende des Kalten Krieges. Russlands Angriff auf die Ukraine hat die NATO zu massiven Aufrüs­tungs­pro­grammen veran­lasst. Gerade deshalb erwarten viele Staaten innerhalb der Allianz größere Beiträge von allen Mitgliedern.

Doch ausge­rechnet Spanien – die viert­größte Volks­wirt­schaft der EU – signa­li­siert Zurück­haltung. Die Folge ist eine paradoxe Situation: Während osteu­ro­päische Länder massiv aufrüsten, versucht Madrid, die Erwar­tungen zu begrenzen.

Das eigentliche Risiko

Das eigent­liche Risiko liegt daher nicht allein in Spaniens Vertei­di­gungs­haushalt. Es liegt in der politi­schen Archi­tektur der Regierung.

Sánchez regiert nur, weil ein Bündnis aus Sozial­de­mo­kraten, radikalen Linken und regio­nalen Parteien zusam­menhält. Jede sicher­heits­po­li­tische Entscheidung muss durch dieses ideolo­gische Labyrinth navigieren.

Das führt zu einer Außen- und Sicher­heits­po­litik, die oft wider­sprüchlich ist: pro-europäisch, aber skeptisch gegenüber militä­ri­scher Abschre­ckung; NATO-Mitglied, aber mit Partnern, die das Bündnis offen kritisieren.

Für Europa bedeutet das eine strate­gische Unsicherheit. Denn in geopo­li­ti­schen Krisen zählt vor allem eines: Verlässlichkeit.

Europas offene Frage

Spanien bleibt natürlich derzeit noch eine stabile Demokratie, ein wichtiger NATO-Stütz­punkt und ein zentraler Akteur im Mittel­meerraum. Doch die Regierung von Sánchez, dessen Partei PSOE 31% der Mandate hält, steht unter einem politi­schen Druck, der in Europa selten ist. Sie muss gleich­zeitig inter­na­tionale Sicher­heits­ver­pflich­tungen erfüllen – und eine Koalition zusam­men­halten, in der ein Teil der Partner diese Verpflich­tungen grund­sätzlich infrage stellt.

Solange dieser Balan­ceakt gelingt, bleibt Spanien ein Partner. Wenn er scheitert, könnte aus einem innen­po­li­ti­schen Experiment ein sicher­heits­po­li­ti­sches Problem werden. Die konser­vative und rechte Opposition verfügt über eine beacht­liche parla­men­ta­rische und gesell­schaft­liche Macht. Als ernst­haf­tester Heraus­for­derer hat sich Alberto Núñez Feijóo (Foto) heraus­ge­schält, Chef der konser­va­tiven Volks­partei (PP), die bereits stärkste Fraktion im Parlament ist (33 %).

Und genau deshalb beobachten Brüssel, Washington und die NATO Madrid heute mit größerer Aufmerk­samkeit als je zuvor.

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Driftet Spanien unter seiner Links­re­gierung von Europa weg – ist Sánchez eine Art Viktor Orbán, nur von links? Jede Meinung und jeder Kommentar zählen – Feuer frei: Schreibe unten in die Kommentare:⤵️

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