Halloween-Angst in Brüssel: Pünktlich zu Halloween öffnet POLITICO die Geisterbahn der europäischen Machtpolitik: Wer und was geht in Brüssel auf den Geist? Wer fürchtet sich vor wem in der EU-Blase? Ein Streifzug durch die Nervenzentren Europas – mit erstaunlich realen Schreckgespenstern.– Geisterfahrt.

Europa im Blickpunkt
Wiegand wills wissen
Halloween-Angst in Brüssel
Hamburg/Brüssel (waw) – In Brüssel wird nicht nur Politik gemacht, sondern auch kräftig gegeistert. Man zittert vor Marine Le Pen, vor künstlicher Intelligenz, vor unliebsamen Kollegen und manchmal sogar vor den eigenen Verbündeten.
Pünktlich zu Halloween hat POLITICO eine Geisterbahnfahrtim Machtbereich der EU unternommen. Die Frage, die sich die EU-weite Newsplattform stellte, lautete:
Wer hat in Brüssel Angst vor wem?
Alle haben Angst vor Marine Le Pen.– POLITICO🎃
Das Schreckgespenst aus Paris
Da wäre zunächst Frankreich. In den EU-Institutionen wächst die Nervosität mit Blick auf Marine Le Pen. Sollte die Rechtspopulistin bei der nächsten Präsidentschaftswahl in den Élysée-Palast einziehen, könnte sie den französischen Beitrag zum EU-Haushalt drastisch kürzen und die Zusammenarbeit mit Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloniintensivieren. Für Ursula von der Leyenwäre das keine gemütliche Aussicht. Aber auch der Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchonverbreitet in Brüssel Unbehagen. Seine Vorstellungen zur Finanzierung der französischen Staatsschulden könnten die Europäische Zentralbank und damit den Euro in Schwierigkeiten bringen.
KI zittert vor Bürokratie
Ein ganz anderes Gespenst trägt den Namen KI. Künstliche Intelligenzflutet das Europäische Parlament offenbar mit Änderungsanträgen zu Gesetzestexten. Manche davon wirken, als hätte niemand sie vor dem Absenden gelesen: Sie enthalten sogar Verweise auf Gesetze, die überhaupt nicht existieren. Für Abgeordnete und Mitarbeiter wird es zunehmend schwieriger, die Textmassen zu bewältigen. Die digitale Revolution macht also auch vor der Brüsseler Bürokratie nicht halt – nur dass dort inzwischen die Bürokratie selbst von Maschinen produziert wird.
Der wachsende Berg an KI-generierten Anträgen verfolgt Lobbyisten, parlamentarische Mitarbeiter und Beamte wie ein Gespenst.– POLITICO🎃
Wer darf Europas Zukunft gestalten?
Auch innerhalb der EU-Kommissionknirscht es. Umweltkommissarin Jessika Roswallmuss sich gegen Kollegen behaupten, denen wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und weniger Regulierung wichtiger sind als zusätzliche Umweltauflagen. Besonders Industriekommissar Stéphane Séjournéund Bürokratieabbauer Valdis Dombrovskisdrängen auf einen anderen Kurs. Das Gespenst heißt hier: Kompetenzgerangel mit politischem Sprengstoff.
Wer spricht für Europa?
Und dann wären da noch die persönlichen Rivalitäten. Finnlands Präsident Alexander Stubbgerät zwischen die Zuständigkeiten von EU-Außenbeauftragter Kaja Kallasund Ratspräsident António Costa. Beide wollen Europas Außenpolitik mitprägen. Wer darf also für Europa sprechen? Eine Frage, die in Brüssel keineswegs nur theoretischer Natur ist.
Angst vor den eigenen Leuten
Was hält den Weber nachts wach? Die Spaltung in den eigenen Reihen. - POLITICO🎃
EVP-Chef Manfred Weber– Vorsitzender der größten Fraktion im EU-Parlament – wiederum muss sich vor allem vor den eigenen Leuten fürchten. In seiner Parteienfamilie wächst der Streit darüber, wie mit rechten Parteien umzugehen ist: Zusammenarbeit oder Ausgrenzung? Eine Entscheidung, die das politische Kräfteverhältnis im Parlament erheblich beeinflussen kann.
Das Parlament droht – Brüssel hört nicht hin
Und ausgerechnet das Europäische Parlament, das sich gern als demokratisches Herz der EU versteht, fühlt sich von den Mitgliedstaaten nicht ernst genommen. Es droht deshalb mit einer Blockade des nächsten langfristigen EU-Haushalts. Mit 361 Stimmen könnte eine knappe Mehrheit der 720 Abgeordneten tatsächlich zum Machtfaktor werden.
Niemand hat Angst vor dem Parlament … aber das sollten sie haben.– POLITICO🎃
Gespenster am Verhandlungstisch
Die Brüsseler Geisterbahn hat also einiges zu bieten:nationale Machtansprüche, institutionelle Eitelkeiten, politische Konkurrenz und eine Bürokratie, die inzwischen sogar von künstlicher Intelligenz überfordert wird. Die EU muss sich nicht immer vor Donald Trump, Wladimir Putinoder anderen äußeren Gegnern fürchten. Manchmal reichen dafür schon die eigenen Reihen.
Und das ist vielleicht der größte Halloween-Schreck: In Brüssel spukt es nicht nur von außen. Die Gespenster sitzen längst mit am Verhandlungstisch.🎃👻👻
Kernaussage: Hinter der demonstrativen Einigkeit der europäischen Institutionen verbirgt sich ein dichtes Geflecht aus Rivalitäten, Kompetenzstreitigkeiten und politischen Abhängigkeiten. POLITICO verpackt diese Brüsseler Machtspiele als Halloween-Gruselgeschichte – und zeigt dabei, dass die EU nicht nur äußere Gegner hat, sondern sich auch intern das Leben schwer macht
Hauptquelle: POLITICO: Who is afraid of whom in Brussels?
Die Halloween-Metaphern, die zugespitzten Charakterisierungen und die Auswahl der Brüsseler Konflikte stammen aus dem POLITICO-Beitrag. Die deutschen Zitate sind Übersetzungen des englischen Originals.
FAQ
Warum fürchten EU-Vertreter Marine Le Pen?
Le Pen hat angekündigt, den französischen Beitrag zum EU-Haushalt drastisch zu reduzieren. Außerdem könnte ihre Präsidentschaft die politische Zusammenarbeit in Europa verändern.
Warum haben Lobbyisten Angst vor ChatGPT?
KI-generierte Änderungsanträge überschwemmen das Europäische Parlament. Die Prüfung und Bearbeitung der Texte wird dadurch zunehmend schwieriger.
Kann das Europäische Parlament den nächsten EU-Haushalt blockieren?
Ja. Für die Zustimmung zum langfristigen EU-Haushalt ist eine Mehrheit im Parlament erforderlich. Bei 720 Abgeordneten sind dafür mindestens 361 Stimmen notwendig.
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Halloween-Angst in Brüssel
Halloween-Angst in Brüssel
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