Die Arabien-Reise von Präsident Donald Trump schürt in Israel Zweifel. Steht der Haupt­ver­bündete USA noch unver­brüchlich an der Seite Jerusalems? Dort gibt es leise Forde­rungen, sich von Washington abzukoppeln. Trump Araber Israel Bruch

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Foto: IDF

Von Wolf Achim Wiegand

Hamburg / Washington / Jerusalem (waw) – Nach 584 Tagen in Geiselhaft ist Edan Alexander wieder frei. Er war angekettet in Tunneln und Käfigen. Der israe­lisch-ameri­ka­nische Soldat war am 7. Oktober 2023 als 19-Jähriger von der Hamas verschleppt worden. Zwei Geburtstage verbrachte er in Gefan­gen­schaft. Nun ist Alexander zurück – als letzter bekannter lebender US-Bürger in paläs­ti­nen­si­scher Geiselhaft.

Alexander wurde in einem Terror­tunnel der Hamas gefangen gehalten: Tagelang ohne Sonnen­licht, Nahrung und Wasser. Er wurde angekettet, lebte einige Zeit in einem Käfig und wurde mit verdor­benen Lebens­mitteln ernährt. Alexander litt Hunger, wurde verhört, schwer gefoltert, gewürgt.

Rückkehr aus der Hölle – zu welchem Preis?

Die Freude über Alexanders Rückkehr ist groß – und doch getrübt. Es stellen sich Fragen. Warum wurde er gerade jetzt freige­lassen? Und warum nur er, während noch 59 weitere Geiseln im Gazastreifen vermisst werden – 24 vermutlich lebend, 35 tot?

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Experten deuten die Freilassung als ein politi­sches Signal der Hamas an US-Präsident Donald Trump. Das Golf-Scheichtum Katar, der nach Iran wichtigste Hamas-Unter­stützer, insze­nierte sich kurz vor Trumps Besuch in arabi­schen Staaten als “Vermittler”. Ziel: Trump gewogen machen.

Drahtzieher im Hintergrund

Katar unterhält seit Jahren enge Bezie­hungen zur Hamas. Es beher­bergt deren Politbüro und hat Milli­ar­den­summen in den Gazastreifen geleitet. Offiziell leistete es nur humanitäre Zwecke – tatsächlich sollen auch Waffen, Tunnelbau und Kampf­aus­bildung finan­ziert worden sein. War die Freilassung also nur Teil eines kalku­lierten Schachzugs- eine symbo­lische Geste gegenüber Trump, der dringend außen­po­li­tische Erfolge braucht.

Bild: KI

Für Israel ist die Einfluss­nahme Katars ein geopo­li­ti­scher Affront. Er unter­gräbt Israels Rolle als Stabi­li­täts­anker in der Region. Gleich­zeitig stärkt sie arabische Akteure wie Saudi-Arabien und die Emirate. Es entsteht der Eindruck eines Schul­ter­schlusses der USA mit Washington. 

Netanjahu dagegen wirkt im geopo­li­ti­schen Schach­spiel zunehmend isoliert.

Trump auf neuem Kurs?

Schwerer wiegt der Eindruck, dass die USA ihre bedin­gungslose Unter­stützung Israels infrage stellen. Trumps strate­gi­scher Besuch in der arabi­schen Region berührt Israels Inter­essen: zivile Kernenergie, Gaza-Krieg, milli­ar­den­schwere Rüstungsdeals.

Handshake einstiger Todfeinde: al-Sharaa, Trump

Auch politisch brennt es. Trump traf in Riad mit Paläs­ti­nen­ser­prä­sident Abbas zusammen – eine politische Aufwertung, die Israel deutlich missfällt. Zusätzlich war eine Begegnung mit dem selbst­er­nannten syrischen Macht­haber Ahmed al-Scharaa anberaumt worden. Dabei verkündete Trump dem einst in den USA steck­brieflich gesuchten Al-Kaida-Kämpfer die Aufhebung der Sanktionen gegen Syrien. Er forderte ihn zudem auf, Israel anzuerkennen.

Auch wenns zur Mäßigung der Herren Abbas und al-Scharaa beitragen sollte. Die zwei Termine waren wie schal­lende diplo­ma­tische Ohrfeigen für Netanjahu. Das sagen Beobachter. Trump habe vorge­führt, dass nur er die Macht zum Regeln der Dinge hat. Israel darf folgen.

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Innen­po­li­tisch steht Netanjahu unter Druck: Ihm fehlt eine klare Strategie für ein Gaza nach dem Krieg. Die inter­na­tionale Unter­stützung bröckelt deshalb. Auch in Israel selbst: Der kriege­rische Dauer­kon­flikt wird zur wirtschaft­lichen und gesell­schaft­lichen Belastung. Die Menschen ächzen unter steigenden Preisen, Dauer-Reser­ve­diensten und perma­nenter Sicherheitsbedrohung.

Selbstbehauptung statt Abhängigkeit?

Indessen murren konser­vative und rechte Kreise ganz besonders. In vertrau­lichen Diskus­si­ons­foren weichen sie vom Regie­rungskurs ab – aller­dings nicht aus Kriegs­mü­digkeit. Ihr Motiv ist US-kritisch bis hin zu Forde­rungen, „sich zu erheben“ – gegen die USA. Israel solle „von einem abhän­gigen Staat zu einem gleich­be­rech­tigten Verbün­deten“ werden. Eine Kampfansage.

In einer internen WhatsApp-Gruppe wird kolpor­tiert, Netanjahu persönlich erwäge, „die Annahme von US-Militär­hilfe einzustellen“:

Ja, Sie haben richtig gelesen. Nicht ‚mehr fordern‘, nicht ‚den USA für ihre Unter­stützung danken‘, sondern tatsächlich neu bewerten, ob Israel diese Hilfe überhaupt weiter annehmen soll. – Interne WhatsApp-Gruppe.

Der Autor der Sätze oben schwört, die Wahrheit zu sagen:

Ich nehme nichts, was die Medien sagen, für bare Münze. Deshalb habe ich selbst nachge­prüft. Ich habe es persönlich überprüft. Das ist kein Gerücht. Es ist wahr. Netanjahu hat das tatsächlich gesagt.

Formu­liert wird auch, was eine Kündigung der US-Militär­hilfe bedeuten könnte:

Israel muss sich auf die vollständige Unabhän­gigkeit vorbe­reiten – militä­risch, wirtschaftlich und diplo­ma­tisch. Und jeder Jude und jeder Zionist auf der ganzen Welt muss sich engagieren und die Souve­rä­nität Israels unter­stützen. Die Ära der Abhän­gigkeit geht zu Ende und die Ära der jüdischen Stärke muss beginnen – zu unseren Bedin­gungen, mit unseren Werten und ohne die Erlaubnis Washingtons. – Interne WhatsApp-Gruppe.

Käme es so, dann wäre das ein wahrhaft radikaler Bruch. Wächst hier ein Potenzial für wachsende nationale Selbst­be­hauptung? Und könnte Israel das überhaupt durchhalten?

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Fachleute sagen: Israels Rüstungs­in­dustrie ist so stark, dass sie eine Art Autonomie des Landes theore­tisch stützen könnte. Systeme wie die Luftabwehr Iron Dome, der Merkava-Panzer und Präzi­si­ons­waffen entstehen größten­teils im Land. Doch bei Schlüs­sel­tech­no­logien bleibt Israel abhängig – etwa bei Kampfjets, Trans­port­flug­zeugen, U‑Booten und High-End-Elektronik.

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Israel muss in der Lage sein, sich mit seinen eigenen Streit­kräften gegen jede Bedrohung und jeden Feind zu vertei­digen. Dies galt in der Vergan­genheit angesichts vieler Heraus­for­de­rungen und wird auch in Zukunft so sein. – Vertei­di­gungs­mi­nister Israel Katz.

Bruch mit Folgen?

Der Wunsch nach Unabhän­gigkeit speist sich aus Misstrauen. Die USA haben in den vergan­genen Monaten mehrfach israe­lische Militär­ak­tionen gebremst. Dies geschah durch UN-Abstim­mungen, diplo­ma­tische Initia­tiven oder abrupte Kurswechsel wie im Jemen. Dabei hat Trumps Team die Israelis weitgehend nicht konsul­tiert und auch nicht vorab informiert.

In diesem Spannungsfeld ist die Freilassung Edan Alexanders kein humani­tärer Akt. Sie markiert einen geopo­li­ti­schen Wende­punkt. Nicht Israel initi­ierte die Heimkehr des jungen Mannes. Die Initiative ging von Katar aus, einem umstrit­tenen Verbün­deten der Hamas. Politi­scher Nutznießer war ein US-Präsident, der bereit ist, eigene Wege zu gehen – mögli­cher­weise auf Kosten Israels.

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Marina Medvin ist US-Straf­ver­tei­di­gerin in Alexandria, Virginia.

Unter­dessen schmei­chelt Katar, der Draht­zieher so vielen Unheils in der Welt (“9/11”!), dem geschäfts­ori­en­tierten US-Präsi­denten mit einem weiteren ganz beson­deren Geschenk. Es ist ein etwa 400 Millionen Dollar teures Flugzeug vom Typ Boeing 747–8. Dieses soll als brandneue Präsi­den­ten­ma­schine Air Force One starten. Dass Trump das Geschenk annimmt, das ist nicht nur für israe­lische Falken ein Alarmzeichen.

Schon wabern neue Gerüchte in der nahöst­lichen Dampf­küche. Trump wolle den virtu­ellen Staat Palästina anerkennen, heißt es – undenkbar ist derzeit im Nahen Osten nichts.

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Zum Abschluss seines Besuches in Saudi-Arabien fand Trump doch noch Worte, die Israel zumindest zeitweise wieder Mut geben:

Auf Israel könnten schwere Zeiten zukommen. Es könnte um sein Überleben kämpfen müssen. Sieht der Westen die möglichen Konse­quenzen? Immerhin wollen völker­rechts- und menschen­rechts­be­freite Terror­truppen die einzige Demokratie weit und breit auslöschen.

Ein Scheck­buch­frieden mit Israels Feinden mag kurzfristig kommer­zielle Erfolge bringen. Echte Aussöhnung wird aber auch sie nicht erreichen. Das ist so sicher, wie der nächste Anschlag.


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