Spanien Sicherheitsrisiko Europa: Das beliebteste Land für deutsche Urlauber gerät auf Abwege. Es erfüllt weder NATO-Ziele noch schützt es seine Grenzen wirksam. Antisemitismus und ideologische Schlagseiten verschärfen die Lage. Spanien wird zum Sicherheitsrisiko für Europa. – Meine Analyse.
Spanien Sicherheitsrisiko Europa
Hamburg / Madrid (waw) – Europa steht unter Druck. Seit Russlands Angriff auf die Ukraine ist Sicherheit keine Selbstverständlichkeit mehr. Irans aggressive Außenpolitik und instabile Nachbarschaften im Nahen Osten und Nordafrika tragen ebenfalls zu Erschütterungen bei. Gerade jetzt müssten die NATO-Staaten ihre Verpflichtungen ernst nehmen.
Doch ein einst verlässlicher Staat schert aus: Spanien. Dabei ist es am Tor zu Mittelmeer und Atlantik gelegen strategisch so wichtig wie kaum eine andere westeuropäische NATO-Nation. Aber die Linkskoalition des Sozialisten Pedro Sánchez zeigt keine Bereitschaft zur Stärkung der Bündnissicherheit. Statt Stabilität zu schaffen, droht der Premierminister Madrid zum Risiko zu machen.
Unterfinanziert und unterrüstet
Das NATO-Ziel ist klar: Zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung. Polen, Rumänien oder die baltischen Staaten erfüllen es. Nicht so Spanien, eine Schnittstelle zur Krisenregion vom Sahel bis in den Nahen Osten. Wer das Mittelmeer und Nordafrika stabilisieren will, braucht ein starkes Spanien. Doch Madrid spart, als gäbe es keine Bedrohungen.
Sánchez nennt das Fünf-Prozent-Ziel „nicht nur unvernünftig, sondern auch kontraproduktiv“. Eine solche Erhöhung sei inkompatibel mit dem spanischen Sozialstaat und der Vision des Landes von der Welt.

Madrid rangiert seit Jahren am unteren Ende der NATO-Ranglisten. Panzer, Flugzeuge, Schiffe – zu wenig, zu alt, zu schwach. Laut NATO-Daten betrugen Spaniens Verteidigungsausgaben im Jahr 2024 lediglich 1,24 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) – der niedrigste Anteil unter allen 32 NATO-Mitgliedstaaten.
Spanien ist noch nicht einmal bereit, der internationalen Marineflotte zur Bekämpfung der Piraterie vor Jemen beizutreten. Mehrere westliche Länder, darunter die USA, haben ihre Truppen bereitgestellt, um die Schifffahrtsrouten im Roten Meer zu schützen. Doch Verteidigungsministerin Margarita Robles erklärt kühl, dass Spanien ein „Engagement für den Frieden“ vorziehe.
Zugleich hatte die Regierung dieser Tage Kraft und Mittel, ein Kriegsschiff zum Schutz der sog. Global Sumud Flottille im Mittelmeer abzustellen. Die rund 50 zivilen Boote wollen provokativ eine wegen Waffenschmuggels verhängte israelische Seeblockade durchbrechen. Das Kriegsschiff Rettungsoperationen durchführen, falls es bei der bewusst erwarteten Konfrontation mit Israel zu Problemen kommt.
Grenzen, die keine sind
Deutlich wird Spaniens Schwäche an seinen Grenzen, die überwiegend EU-Außengrenzen sind. Dabei sind besonders Ceuta und Melilla, die spanischen Enklaven in Nordafrika, Brennpunkte unkontrollierter Migration. Bilder von Tausenden, die Zäune überwinden oder die Meerenge von Gibraltar überqueren, sind längst Symbol einer EU ohne festen Schutz.
Trotz hoher Zäune und Sicherheitsvorkehrungen gelingt es Migranten immer wieder, die spanischen Barrieren zu überwinden. Erst im August 2025 versuchten etwa 100 Migranten, darunter auch Kinder, von Marokko nach Ceuta zu schwimmen – wo bei nur 27 verfügbaren Plätzen derzeit 528 unbegleitete Minderjährige hausen.

Den bisher grössten Andrang gab es am 17. Mai 2021, als rund 8.000 Migranten durchs Meer nach Ceuta schwammen oder am Strand entlangliefen und über den Grenzzaun kletterten. - swissinfo.ch
Spaniens Reaktion: Kooperationsversuche mit Marokko bei Rückführungen und Grenzkontrollen sowie politische und wirtschaftliche Zugeständnisse. Kritiker bemängeln: Spanien delegiere die Verantwortung für den Schutz von Migranten an Marokko, ohne eigene Verpflichtungen vollständig zu erfüllen. Wer durchkommt, kann weitgehend passieren – über Spanien geht es für diese illegal Eingereisten oft weiter nach Norden. Die Last tragen Frankreich, Deutschland und andere Staaten.
Die spanisch-marokkanische Landgrenze in Melilla – eine rechtsfreie Zone. - European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR)
Dabei ist Grenzschutz ein Kern europäischer Sicherheit. Über offene Routen gelangen auch Extremisten und Kriminelle nach Europa. Spanien nimmt das Risiko quasi billigend in Kauf.
Israel-Boykott schwächt Spanien
Zur militärischen Schwäche kommt ein ideologisches Problem. Spaniens linke Regierung zeigt Nachsicht gegenüber islamistischen Strömungen. Offene Kooperation gibt es natürlich nicht. Doch der indirekte Einfluss ist in zahlreichen gesellschaftlichen Bereichen spürbar. Organisationen, die religiös oder kulturell auftreten, finden in Spanien ein Umfeld, das noch weniger streng kontrolliert als anderswo in der EU.
Nur vor diesem Hintergrund ist ein Paradoxon von Sánchez zu erklären. Kürzlich kündigte er aus Protest gegen das Vorgehen Israels in Gaza einen Rüstungsvertrag mit Jerusalem über 700 Millionen Euro. Es ging um PULS-Raketenwerfer und Spike-Raketen. Die sind modern, hochpräzise, relativ mobil und kosteneffizient. Spaniens unterlegene Artillerie braucht so etwas, da sie sowohl Artillerieschläge als auch Panzerschutz ermöglichen. Auch moderne Schusswaffen für Polizisten fielen dem Federstrich zum Opfer.
Israel hat nach dem Sánchez-Storno erklärt, dass es die Lieferung an Marokko verkaufe. Also ausgerechnet an das arabische Land, mit dem Spanien ein spannungsgeladenes Verhältnis hat. Marokko – nur 14 km von Gibraltar entfernt – beansprucht die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla. Es zählt auch die umstrittenen Gebiete der Westsahara zu sich. Dazu ist das Königreich ein schwer durchschaubarer Player bei Migrationsbewegungen in Richtung Spanien.
FunFact: Spanien ist das EU-Land, das von Februar bis Mai 2025 die meisten Waffen und Munition aus Israel importiert hat. Das zeigen Daten des spanischen Handelsministeriums. Allein im Mai dieses Jahres entfielen 78 % der von der EU importierten israelischen Waffen und Munition auf Spanien.
Alles, was Sánchez mit der Absage des Waffendeals bewirkt hat, ist, dass der schwierige Nachbar Marokko mit israelischer Hilfe stärker wird. Ceuta und Melilla sind nun verwundbarer. Das schadet Spanien. Israel indessen bleibt praktisch unberührt von dem Storno.
Christlicher Judenhass
Sprechen wir auch davon: Weitverbreiteter Antisemitismus. Spanien gehört zu den Ländern mit besonders starken Vorurteilen gegen Juden in der Bevölkerung. Das hat eine Studie der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) festgestellt. Das sitzt tief und hat eine lange Tradition.
Besonders die Linke und die Presse äußern sich antisemitisch. Kritik gibt es dafür nicht. - Frankfurter Allgemeine Zeitung
Kurzer Diskurs:
Der spanische Antisemitismus wurzelt in der Inquisition ab 1478. Damals wurden zum Christentum konvertierte Juden (Conversos) verdächtigt, heimlich am Judentum festzuhalten – letztlich ging es der Monarchie um Machtsicherung.

Mit dem Alhambra-Edikt von 1492 beschlagnahmten Krone und Kirche das Vermögen ungetaufter Juden. Sie vertrieben alle nach Nordafrika, ins Osmanische Reich und nach Lateinamerika. Der Antisemitismus prägte Spanien bis in die Franco-Diktatur hinein. Erst 1992 erklärte König Juan Carlos I. das Edikt endgültig für aufgehoben.
Heute relativieren vor allem Linkspopulisten das Existenzrecht Israels. Viele Nachkommen der einst aus Spanien Vertriebenen flohen im 20. Jahrhundert aus Nordafrika nach Israel – erneut vor Verfolgung, diesmal durch islamisch geprägte Staaten. Von einst 900.000 Juden in arabischen Ländern leben dort nur noch wenige Tausend. Dennoch fordern spanische Linke Boykotte, kritisieren Israels Verteidigungspolitik und verharmlosen Gruppen wie die Hamas.
Arabische Investitionen mit Erpressungspotenzial
Problematisch für Spanien sind Investitionen aus der arabischen Welt. Allein Katar investiert rund fünf Mrd. Euro in Spaniens strategische Bereiche wie Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Energieinfrastruktur – dazu Tourismus, KI und Banken. Auch Saudi-Arabien und die Emirate sind präsent.
Vom Klub Unión Deportiva “El Almería” (Besitzer: SMC Group unter dem Saudi Mohammed Al-Khereiji) bis zu Atlético de Madrids Allianz mit Al Ain FC (Vereinigte Arabische Emirate): arabisches Geld prägt den Fußball. Der Supercopa wird in Saudi-Arabien ausgetragen, La Liga von der Arab Bank gesponsert. Auch Kultur profitiert durch Ausstellungen und Festivals.



Die Folge: Spanien vertritt in internationalen Foren oft Positionen, die westlichen Werten widersprechen – und schwächt so Europas Geschlossenheit gegenüber Autokraten und Terrorregimen.
Das Netz aus Investitionen, Medienbeteiligungen und politischen Annäherungen wirkt wie die Tentakel einer Krake – schwer zu fassen, aber weitreichend und wirksam. - Jacques Abramowicz, internationaler Finanzexperte
Historische Ironie
Dabei kennt Spanien die Gefahr des Islamismus aus eigener Erfahrung. Am 11. März 2004 verübten islamistische Terroristen in Madrid die schwersten Anschläge in der Geschichte Europas. In vier Zügen explodierten zehn Sprengsätze, drei weitere wurden rechtzeitig entschärft. Damit tötete das Terror-Netzwerk „al-Kaida“ 191 Menschen. Europa war schockiert.
Doch aus dieser Erfahrung entstand keine dauerhafte Strategie. Statt entschlossener Sicherheitspolitik dominieren bis heute Verdrängen und Verharmlosen. Das stellt eine Studie des European Journal of Criminology aus dem Jahr 2023 fest:
Der Autor findet keine eindeutige Antwort auf die Frage, ob das Land seit 2004 sicherer geworden ist. … Dies deutet darauf hin, dass trotz aller Bemühungen das Ausmaß der Radikalisierung von Muslimen nicht abnimmt, was eine Gefahr für die Sicherheit des Landes darstellt. Der Grund dafür ist die illegale Einwanderung aus Marokko, Algerien und anderen muslimischen Ländern. Für die Araber ist Spanien ein einzigartiges Land in Europa, da es in ihren Köpfen das mythologisierte Al-Andalus, dar al-islam (das Land des Islam) ihrer Vorfahren.
Historisch ist das widersprüchlich. Das Land definierte sich in der „Reconquista“ seine Identität im Kampf gegen islamische Herrschaften. Heute öffnet es politischen und kulturellen Raum für Strömungen, die Europas Ordnung infrage stellen.
Europas Achillesferse
Spanien ist nicht irgendein Mitgliedsstaat. Es ist die viertgrößte Volkswirtschaft der Eurozone. Ein Pfeiler der EU-Südflanke. Ein Garant für Seewege zwischen Atlantik und Mittelmeer – zumindest theoretisch.
In der Praxis agiert Madrid als sicherheitspolitischer Trittbrettfahrer. Unterfinanziert, ungeschützt, ideologisch schwankend.
Spanien wird so zur Achillesferse Europas. Gegner wie Russland, destabilisierende Kräfte wie Iran oder Terrornetzwerke in Nordafrika suchen die Schwachpunkte. Spanien könnte einer werden.
Spanien Sicherheitsrisiko Europa
Opposition unter Druck
Die konservative Opposition der Partei Popular (PP) kritisiert diesen Kurs seit Jahren. Sie wirft Premier Sánchez vor, Spanien militärisch zu schwächen und politisch zu isolieren. Als Sánchez kürzlich den Eindruck erweckte, er bedauere, keine Nuklearstreitkraft zu haben, um Israel zu stoppen, meldete sich der Führer der rechtsextremem Partei Vox:
Sie hätten gerne Atomwaffen (Herr Sánchez). Aber nicht, um Spanien zu verteidigen. Sondern um die Hamas zu verteidigen. – Santiago Abascal, Vox-Parteivorsitzender
In Sachen Antisemitismus entwickelte sich nun zu spektakulärer Widerstand. Anlass war die Finalrunde der Radrundfahrt “La Vuelta” in der spanischen Hauptstadt. Die musste abgebrochen werden – Palästina-Unterstützer hatten Absperrgitter auf die Strecke geworfen, um Israel-Sportler zu behindern. Selbst die Siegerehrung wurde gestrichen, worauf die Fahrer selbst eine für sich improvisierten – mit Folgen:
Die konservative Präsidentin der Regionalregierung der Autonomen Gemeinschaft Madrid, Isabel Díaz Ayuso, (Foto ) reagierte scharf. Die 47-jährige verlieh dem Gewinner, dem Dänen Jonas Vingegaard, demonstrativ die Internationale Medaille der Stadt. Ein Trostpflaster, weil die Fahrer selbst eine Art privater Siegerehrung improvisieren mussten, wie Ayuso sagte.

Weder Vingegaard noch Spanien verdienen es, dass das Bild ihres Triumphs auf ein Podium aus Kühlboxen auf dem Parkplatz eines Hotels reduziert wird! - Isabel Díaz Ayuso redete sich im Madrider Regionalparlament in Rage.
Spaniens bester Radfahrsportler Juan Ayuso (Radprofi bei UAE Team Emirates, nicht verwandt mit der Politikerin) ist die anti-israelische Protestwelle in Spanien ebenfalls leid:
Es gibt viele Sportarten, in denen israelische Teams antreten, und es scheint, dass nur die Vuelta (von den Protesten) betroffen ist. Ich unterstütze jeden Protest, aber wenn sie auf die Fahrstrecke gehen, verliere ich meinen Respekt.
Inzwischen hat die Stadtregierung von Madrid an den Schulen palästinensische Flaggen und jegliche Unterstützung für Gaza verboten. Der internationale Spitzenfußballklub Real Madrid geht ebenfalls gegen palästinensische Symbole vor. Er verbannt sie aus seinem Bernabéu-Stadion und ließ dort alle Aufkleber entfernen.
Logisch, dass die rechtspopulistische Vox-Partei das Thema Sicherheit aufgreift und ausnutzt. Umfragen zeigen: Viele Spanier sind unzufrieden. Ein konservativ-rechter Block könnte eine Kurskorrektur erzwingen.
Europa muss reagieren
Die Frage ist indessen nicht mehr, ob Spanien ein Risiko darstellt. Die Frage ist: Wie lange kann Europa sich das leisten?
NATO und EU müssen klarer auftreten. Wer die Vorteile gemeinsamer Verteidigung will, muss auch Verantwortung tragen. Wer Solidarität fordert, darf nicht Grenzen öffnen und Extremisten dulden.
Europa braucht Geschlossenheit. Spanien muss begreifen: Sicherheit ist Pflicht. Ändert Madrid den Kurs nicht, wird Spanien vom Partner zum Problem – aber: Schwäche ist das, was Europa sich gerade nicht leisten kann!
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