Annäherung Großbritannien Europa: “Im Blickpunkt – Wiegand wills wissen” – Kolumne für FORUM – Das Wochenmagazin. Heute: Großbritannien denkt wieder europäisch! Unter Premier Keir Starmer hat sich das Vereinigte Königreich zum Europaversteher gemausert. Aber es ist ein Balanceakt…

Europa im Blickpunkt
Wiegand wills wissen
Annäherung Großbritannien Europa
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Moin, liebe Mitmenschen in Europa,
Wer hätte das gedacht: Fünf Jahre nach dem Briten-Brexit ist Großbritannien wieder ein wichtiger Player in Europa. Premierminister Keir Starmer wirbelt über die Weltbühne und profiliert sich als Krisenmanager. Er telefoniert, sammelt Europas Regierungschefs und stützt die bedrängte Ukraine.
Heute ist London ein Krisenzentrum Europas. Brexit? Vergessen! Starmer macht die Briten wieder europatauglich – der Sozialdemokrat aus der Downing Street 10 steht an vorderster Front.

Dabei ist Starmer wie sein bisheriger Kollege Olaf Scholz eher zurückhaltend. Als einstiger Chefankläger der Krone schien er ein blasser Jurist zu sein. Doch als er voriges Jahr mit einem fulminanten Wahlsieg die Konservativen wegfegte, wählte der untersetzte Mann mit Kassenbrille große Worte. Mehr Zusammenarbeit mit der EU, eine aktivere Rolle auf der Weltbühne – so seine Devise. Inzwischen erwartet die EU – einst kühl – Hilfe aus London. Ironisch, oder?
Dabei zeigt Starmer Mut: Militärmilliarden für Kyjiw, flinke Friedenstruppen-Ideen und er selbst als Brückenbauer – geht das gut? Zu Hause knirscht’s: Inflation, Haushaltssorgen, maue Gesundheitsversorgung – dicke Brocken, die durch beherzte Außenpolitik nicht abzuräumen sind.
Auch der Spagat über dem Ärmelkanal zwischen Kontinent und Britischen Inseln ist riskant für Starmer. Trump sieht die Ukraine und Europa als geschäftlich lukrative Ressourcen an. Sein Wohlwollen Starmer gegenüber könnte schwinden, wenn die US-Chancen auf Deals schwinden sollten. So wirkt Starmers Beinspreizen zusätzlich wie ein Akt auf dem Drahtseil.

Dass sich der etwas untersetzte Mann mit der Kassenbrille als transatlantischer Dompteur entpuppt hat, liegt auch an einer europäischen Machtlücke. So präsentiert sich Frankreichs Präsident Macron gern mit großen Visionen. Doch letztlich ist der Mann im Elysée-Palast durch seine Minderheitsregierung und das heillos zersplitterte Parlament gelähmt. Und auch Deutschland als stärkste EU-Nation war durch das Ampelgehampel und die rotgrüne Restkoalition bislang europäisch plan- und zahnlos.
Annäherung Großbritannien Europa
Nun also geht der Blick Europas ausgerechnet ins EU-abtrünnige London. Der Kontinent braucht in dieser riskanten Zeit jemanden wie Starmer. Großbritannien hat sich zum richtigen Zeitpunkt als zentraler geopolitischer Akteur aufgestellt. Nun hat es die Rolle des Vermittlers zwischen Brüssel, Washington und Moskau. Dass das UK eine Atommacht ist, hilft.
Eines ist klar: Die Briten wollten mit dem Brexit mehr Unabhängigkeit – jetzt nutzen sie diese in einer Schlüsselposition. Auch Berlin muss eine gesamteuropäische Linie über die EU-Außengrenzen hinaus fahren. Es gilt, Europas Schockstarre in positive Energie zu wandeln. Dazu wird Friedrich Merz den Schulterschluss mit Starmer brauchen.
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Eine Kolumne von Wolf Achim Wiegand, freier Journalist mit EU-Spezialisierung
Demnächst mehr aus Europa.
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Hand aufs Herz: Brauchen wir die Briten in der EU? Wollen wir sie gerne zurück haben und was schätzen wir an Ihnen? Wie siehst DU das? – Feuer frei für Deinen Post: schreibe unten in die Kommentare: ⤵️
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