Boykott der Fußball-WM in den USA? Solche Aufrufe – ein mögliches Fernbleiben von Sportlern und Fans vom Gastge­berland – werden in Europa kontrovers disku­tiert. Hier mein Bericht über eine schwierige Auseinandersetzung.

Europa im Blickpunkt
Wiegand wills wissen

Geschätzte Lesedauer: 6 Minuten

Europa Klima Schifffahrt

Boykott Fußball-WM USA

Von Wolf Achim Wiegand (Fotos: KI) 

🌍 Hamburg/Brüssel (waw) – Es beginnt mit einem Satz, der im deutschen Fußball lange als undenkbar galt. Kein Funktionär aus der ersten Reihe hatte ihn zuvor so offen ausgesprochen:

Ich frage mich wirklich, wann der Zeitpunkt ist, darüber konkret nachzu­denken und zu reden. Und für mich ist dieser Zeitpunkt definitiv gekommen. - in Frank­furter Rundschau

Gesagt hat das Oke Göttlich. Präsident des FC St. Pauli. Vizeprä­sident des Deutschen Fußball-Bundes. Und plötzlich der Mann, der eine Weltmeis­ter­schaft infrage stellt.

Was Göttlich meint, ist nichts Gerin­geres als eine Absage an die Fußball-WM 2026. Austra­gungsort sind die USA, Kanada und Mexiko. Im Fokus stehen die Verei­nigten Staaten. Also das Land mit der Politik von Präsident Donald Trump. Göttlich hat die Debatte nicht nur angestoßen. Er hat sie ins inter­na­tionale Rampen­licht geschoben.

Boykottdebatte um die Fußball-WM in den USA

Die WM 2026 sollte ein Fest werden. Die größte Tretleder-Veran­staltung aller Zeiten. 48 Teams. Drei Gastgeber. Milli­arden Zuschauer. Doch statt Vorfreude dominiert nun eine Frage. Darf man dort spielen. Oder darf man es nicht.

Göttlich begründet seine Zweifel politisch. Mit Blick auf Trumps Kurs gegenüber Europa. Auf Drohungen. Auf Allein­gänge. Auf das aggressive Auftreten der USA in inter­na­tio­nalen Fragen. Besonders die Diskus­sionen um Grönland haben in Europa Alarm ausgelöst.

Göttlich zieht einen histo­ri­schen Vergleich, der sitzt. 

Was waren denn die Begrün­dungen für die Olympia-Boykotts in den 1980er-Jahren. Meiner Einschätzung nach ist das Bedro­hungs­po­tenzial aktuell größer als damals. – in Sport1

Ein Satz, der bewusst provo­ziert. Und der zeigt, wie ernst es dem Kiezkicker-Chef ist.

Boykottdebatte um die Fußball-WM in den USA

Europa ringt um Haltung

In Europa wird die Debatte aufmerksam verfolgt. Doch einheitlich ist die Reaktion nicht.

In Deutschland erhält Göttlich Zustimmung aus Fanlagern und von einzelnen Politikern. Besonders im linken und liberalen Spektrum. In Frank­reich dagegen bremst die Regierung. Sport solle nicht zum politi­schen Druck­mittel werden, heißt es aus Paris. Auch der englische Verband winkt ab. Ein Boykott sei keine Option.

In Dänemark ist der Ton leiser, aber nachdenklich. Das Land ist wegen Grönland direkt betroffen. Offiziell spricht niemand von Boykott. Doch hinter den Kulissen wächst die Sorge.

Klar ist: Europa stellt fast ein Drittel der WM-Teilnehmer. Ein gemein­samer Boykott hätte Gewicht. Aber genau daran fehlt es bislang. An Gemeinsamkeit.

Die Gegenargumente

Der Wider­stand gegen einen Boykott ist groß. Und er ist gut organisiert.

Aus den Verbänden heißt es, der Fußball dürfe nicht zum Spielball der Politik werden. Millionen Fans hätten ein Recht auf dieses Turnier. Spieler würden um ihre größte Bühne gebracht. Sponsoren um Milliarden.

Auch Natio­nal­spieler reagieren distanziert: 

Ich nehme nicht mehr teil an der politi­schen Diskussion. – in ran.de

So ließ sich Joshua Kimmich ein, deutscher Natio­nal­spieler. Er wolle Fußball spielen. Mehr nicht.

Der Weltverband FIFA selbst schweigt weitgehend. Präsident Gianni Infantino pflegt ein gutes Verhältnis zu Trump. Ein Boykott würde die wirtschaft­lichen Grund­lagen des Weltver­bandes erschüttern. Der hat mittler­weile mehr Macht, als mancher Staat. 

Manche verweisen zudem darauf, dass es gegen Trump schon einmal Ächtungs­aufrufe gegeben habe – der Erfolg war unbedeutend.

Boykottdebatte um die Fußball-WM in den USA

Moral gegen Milliarden 

Im Kern geht es um einen alten Konflikt. Haltung gegen Geschäft.

Auf der einen Seite stehen ethische Argumente. Demokratie. Menschen­rechte. Verant­wortung. Göttlich bringt es drastisch auf den Punkt. 

Das Leben eines Profi­fuß­ballers ist nicht größer als das Leben von sehr vielen Menschen in verschie­denen Regionen, die derzeit von dem WM-Gastgeber direkt oder indirekt angegriffen oder bedroht werden. – in Der Tages­spiegel

Auf der anderen Seite stehen Verträge. Fernseh­rechte. Sponsoren. Stadien. Eine Industrie, die global funktio­niert und kaum Spielraum für politische Symbolik lässt.

Die Stimme der Fans

In den sozialen Netzwerken prallen die Welten aufein­ander. Unter Hashtags wie #Boycott­WorldCup oder #Footbal­lIs­Po­li­tical sammeln sich Befür­worter eines Boykotts. Andere kontern. Fußball sei Zuflucht. Kein Tribunal.

Manche Fans kündigen an, keine Spiele in den USA zu besuchen. Andere sprechen von Doppel­moral. Das Islamisten sponsernde Katar sei voriges Mal ja auch akzep­tiert worden. Warum also nicht die USA.

Der Ton ist scharf. Die Fronten sind es auch.

Ein Spiel, das größer geworden ist

Noch ist kein Boykott beschlossen. Vielleicht wird er nie kommen. Aber etwas hat sich dennoch verändert.

Oke Göttlich hat eine Debatte ausgelöst, die nicht mehr verschwinden wird. Er hat den Fußball gezwungen, Stellung zu beziehen. Und Europa gezwungen, über seine Werte zu sprechen.

Die WM 2026 ist damit schon jetzt politi­scher als jedes Turnier zuvor. Bevor der erste Ball rollt. Und genau darin liegt ihre Sprengkraft.


Boykott Fußball-WM USA

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