“Europa im Blickpunkt – Wiegand wills wissen” – Kolumne für FORUM – Das Wochenmagazin. Heute: Bundestagswahl Manipulation – Eigentlich soll das europäische Gesetz über digitale Dienste (DSA) vor Online-Manipulationen schützen. Aber in Deutschland ist fraglich, ob es das tut. Alle sehen das mit Bangen: Europäischer Rat, Europaparlament, Europäische Union, EU.

Europa im Blickpunkt
Wiegand wills wissen
Bundestagswahl Manipulation
Brüssel/Berlin/Hamburg (waw) –
Läuft der Bundestagswahlkampf mit rechten Dingen? Keine unberechtigte Frage im Zeitalter von Desinformation, Fake News und gezielter Einflussnahme.
Besonders anfällig: Das Internet. Droht dort die Meinungsdiktatur von „Broligarchen“? Also jener Tech-Milliardäre und Plattformbesitzer mit enormer Macht darüber, wer wann was wie und an wen verbreitet.
Das Gesetz über digitale Dienste (DSA) soll als zentrales Instrument auf europäischer Ebene die Onlinefreiheit sichern. Aufgabe: Einflussübergriffe etwa von US-Unternehmer Elon Musk erkennen, notfalls stoppen. Das Newsnetzwerk Euractiv zählt auf:
Es gab diffamierende Tweets über deutsche Politiker. Es fand ein ‘Fangirl-Interview’ mit AfD-Chefin Alice Weidel statt. Und sein Auftritt als Idol bei einer AfD-Wahlkampfveranstaltung war umstritten und beinhaltete eine – womöglich verbotene – Wahlempfehlung.

Wenn es zu bunt wird, könnte der DSA-Mechanismus eine „Bedrohung der öffentlichen Sicherheit“ ausrufen. Die Aufsicht hierüber liegt bei der EU-Kommission. Sie könnte Musks X (einst Twitter) oder Mark Zuckerbergs Facebook an die Kandare nehmen. Die Zügel reichen bis hin zur Zwangsschließung.
Das Problem: Deutschland mit der zuständigen Bundesnetzagentur (BNetzA) zögert bei der Umsetzung des EU-Gesetzes. Grund: Komplexe Kompetenzen, zu wenig Fachkräfte, Juristisches. Folge: Derzeit ließe sich systemische Wahlmanipulation – etwa systemisch bevorteilende Algorithmen – kaum verhindern.
“Ein Konstruktionsproblem des DSA“, gibt BNetzA-Präsident Klaus Müller zu. Heißt: Wer in Berlin die nächste Regierung stellt, muss dringend handeln. Zumal russische und chinesische Trolle schon viel länger aktiv sind als Musk.
Eine Kolumne von Wolf Achim Wiegand, freier Journalist mit EU-Spezialisierung
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