“Europa im Blickpunkt – Wiegand wills wissen” – Kolumne für FORUM – Das Wochenmagazin. Heute: Der Wahlkampf um die Bundestagswahl 2025 klammert ein Thema aus – Europa. Europäischer Rat, Europaparlament oder Europäische Union – gibt es das alles nicht? Ich kommentiere über ein seltsam denkfaules EU-Land.

Europa im Blickpunkt
Wiegand wills wissen
Bundestagswahl Europa (Fotos: KI)
Brüssel/Hamburg (waw) – Stell Dir vor: Es ist Bundestagswahlkampf und niemand redet über Europa. Wir ereifern uns über Migration, Wirtschaftskraft oder Bürgergeld. Alles wichtige berechtigte Anliegen. Und doch: Ohne Europa ist Deutschland nichts. Warum also fehlt das Thema auf Plakaten, bei Talks und in Werbeslogans?
Spätestens die eiskalte Dusche, mit der uns US-Präsident Donald Trump gestern übergossen hat, muss uns doch aufwecken! Der Mann im Weißen Haus badet jetzt lau mit Wladimir Putin. Europa hat über einen möglichen Friedensplan für die Ukraine nicht mitzureden, es darf aber den Großteil der Kosten übernehmen. Schwer erkennbar, ob jenseits des Atlantiks schon ein Feind oder noch ein Freund Europas sitzt.

Die Europäische Union (EU) ist und bleibt für Deutschland von zentraler Bedeutung. Gerade wegen des Wüterichs im Weißen Haus. Die offenen Grenzen des Binnenmarktes gewähren uns als Exportnation freie Fahrt für Menschen und Waren. Mit achtzig Jahren Frieden unter den EU-Völkern leben wir in der friedlichsten Phase deutscher Geschichte. Die gemeinsame Außen‑, Sicherheits- und Handelspolitik sichert uns (bislang jedenfalls) globalen Einfluss – Deutschland ist international nicht allein.

Das Europa der Zukunft – wie soll es aussehen?
Warum also sprechen wir nicht darüber, wie deutsche Politik das gemeinsame Haus Europa in den nächsten Jahren zu gestalten gedenkt? Klar, Europa ist ein komplizierter Zuständigkeitsdschungel. In seinem Geflecht tummeln sich 27 Mitgliedsstaaten mit kunterbunten Kulturen, Sprachen und gesellschaftlichen Systemen. Aber gerade deshalb sollte Politik zum Entwirren beitragen!
Mir fehlen Debatten darüber, wie wir die EU schlanker und schlagkräftiger machen könnten. Mir fehlen Visionen und Fantasien über eine volksnähere Union. Mir fehlt generell Begeisterung für das größte sanftmütige Gemeinschaftsprojekt der Menschheit.
Europa lässt sich nicht auf Knopfdruck auffrischen. Natürlich. Aber es lohnt sich, an der Renovierung zu arbeiten. Die Ukrainer sind bereit, für die europäische Perspektive zu sterben. Wir Deutschen sollten als EU-Schlüsselland nicht so tun, als könnten wir uns aus der Integration mit unseren Nachbarn heraushalten.
Könnten wir bitte einen neuen proeuropäischen Anlauf nehmen? Es steht zu viel auf dem Spiel.


Eine Kolumne von Wolf Achim Wiegand, freier Journalist mit EU-Spezialisierung
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