Europa Chat Control: Selten ist Europas Politik so zerrissen, wie bei der Frage von Online-Überwa­chung zur Verhin­derung sexuellen Kinder­miss­brauchs. – Ich analy­siere das und habe eine Meinung.

Europa im Blickpunkt
Wiegand wills wissen

Europa Chat Control

Europa Chat Control

Von Wolf Achim Wiegand

Moin, liebe Mitmen­schen in Europa,

Die Europäische Union ringt mit einem Gesetz, das uns alle betrifft. Die sogenannte „Chat Control“ soll verschlüs­selte Nachrichten auf Inhalte mit sexuellem Missbrauch durch­suchen. Nobles Ziel: Kinder schützen, Täter ermitteln. 

Doch was als Schutz­maß­nahme gilt, kann nach Ansicht von Kritikern ein Troja­ni­sches Pferd genereller Überwa­chung werden. Wer einmal Hinter­türen in private Kommu­ni­kation öffnet, sperrt sie vermutlich nie wieder zu. So das Argument gegen die EU-Kommission.

Die Chatkon­trolle ist und bleibt ein Akt des Wahnsinns, der mit deutschen und europäi­schen Grund­rechten nicht vereinbar ist. – Moritz Körner (FDP-Europa­ab­ge­ord­neter)

Das Dilemma ist offen­kundig: Auf der einen Seite steht der berech­tigte Wunsch, die Verletz­lichsten unserer Gesell­schaft vor Verbre­chern zu bewahren und digitale Räume gegen sie abzuschotten. Anderer­seits stehen Grund­pfeiler europäi­scher Freiheit auf dem Spiel – das Recht auf Privat­sphäre, auf vertrau­liche Kommu­ni­kation, auf Meinungsfreiheit.

Die Politik in Europa versucht, beide Aspekte zu vereinen. Doch das Problem ist tatsächlich schwarz-weiß. Es gibt – so scheint es – keine weiche Linie zwischen Schutz­pflicht und Überwachungsstaat: 

Wer im Europäi­schen Parlament für Chat Control stimmt, muss wissen: Er gibt den EU-Bürgern nicht nur Sicherheit, er nimmt ihnen auch ein Stück Freiheit. Indes: Wer dagegen stimmt, muss ertragen, dass sich Täter weiter im Schutz der Verschlüs­selung verbergen können.

Europa Chat Control

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Die Technik kennt keinen Kompromiss

Unter den EU-Mitglieds­re­gie­rungen ist die Unter­stützung für die seit Jahren disku­tierte Gesetz­gebung gewachsen. Mindestens 15 Länder scheinen das Gesetz wohlwollend zu sehen (darunter Frank­reich, Italien, Spanien, Schweden und Irland). Neun sind unent­schlossen (wie Estland, Deutschland und Belgien). Nur drei lehnen den Entwurf in seiner aktuellen Form ab (Öster­reich, die Nieder­lande und Polen).

Wichtig: Sollte Berlin sich zur Mehrheit schlagen, könnte der Plan im Rat der Regie­rungen spätestens Mitte Oktober durch­ge­wunken werden. Die dänische Präsi­dent­schaft will das so.

Spannend aber bleibt es im EU-Parlament. Das könnte blocken.

Warum gibt es keinen Kompromiss? Weil Europa dieses Spannungsfeld nicht durch Technik-Kompro­misse lösen kann – denn auch ein abgemil­derter Prüfme­cha­nismus ist immer ein freiheits­min­dernder Eingriff. Es kann daher nur um eine ehrliche Gewis­sens­ent­scheidung zwischen Schwarz und Weiß geben. Kein juris­ti­scher Trick, keine Verordnung kann der Politik diese moralische Schwere abnehmen.

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