🇪🇺 AUSGEWÄHLTE NEWS AUS UND ÜBER EUROPA

Von WOLF ACHIM WIEGAND

Die Briten sind vergangene Europa­woche beim Streben nach neuer Größe als Weltraum­nation in Europa bitter auf den Boden der Realität gefallen: Der erste Satel­li­ten­start auf eigenem Boden endete mit dem Verglühen der eupho­risch gefei­erten Ladung. Die Schweden haben dagegen ganz unten ihr Glück gefunden – hunderte Meter unter der Erdober­fläche fanden sie Seltene Erden. Und das hat eine ganz besondere faszi­nie­rende Bedeutung. Unter­dessen blickt die Pro-Ukraine-Allianz ins Berliner Kanzleramt – wann werden die Deutschen endlich den Wider­stand gegen die Lieferung des deutschen Kampf­panzers Leopard 2 aufgeben?

Das alles und noch viel mehr:

🧭🇪🇺🇸🇪 Rekordschatz im hohen Norden: 

In Lappland lagert ein Riesen­schatz! Schweden hat vor seiner nördlichsten Stadt Kiruna das europaweit größte Vorkommen an Seltenen Erden entdeckt. Die gut eine Million Tonnen im Boden sind hochwill­kommen, weil diese Metalle immer stärker zur Herstellung von Hightech-Produkten wie Handys und E‑Autos benötigt werden. Europa ist derzeit fast komplett von China abhängig. Kein Wunder, dass Schwedens Energie­mi­nis­terin Ebba Busch (35, Chefin Christ­de­mo­kraten) den Fund diese Europa­woche für eine eupho­rische Charme­of­fensive in einem Bergwerk rund 540 Meter unter der Erde nutzte. Nordisch.info 

🇷🇺 Anklage in St. Petersburg:

In Hamburgs Partner­stadt St. Petersburg stehen liberale Opposi­ti­ons­po­li­tiker im Faden­kreuz der Justiz. Drei trotz Repression gewählte Abgeordnete des Regio­nal­par­la­ments von St. Petersburg und Karelien sollen sich laut Angaben ihrer Partei Yabloko wegen “Verun­glimpfung der Armee” vor der Justiz verant­worten. Die-Yabloko-Fraktion hatte kürzlich einen Gesetz­entwurf zur straf­recht­lichen Verfolgung von Propa­ganda für einen Atomkrieg einge­bracht. Gleich­zeitig wird aus Tomsk, Westsi­birien, gemeldet: Der ehemalige Jabloko-Kandidat Stanislav Shmakov ist nach einer Razzia spurlos verschwunden. Yabloko

💽⛱️ Schutz für Daten und Urlauber: 

Jeder Mensch hat das Recht zu erfahren, an wen seine perso­nen­be­zo­genen Daten weiter­ge­geben wurde. Das ist der Tenor eines verbrau­cher­freund­lichen Urteils des Europäi­schen Gerichts­hofes (EuGH), das in dieser Europa­woche gefällt worden ist. Die Öster­rei­chische Post hatte sich geweigert, einem Kunden mitzu­teilen, an wen genau sie seine Daten verkauft. Das rückten die Europa­richter nun gerade. Außerdem entschied der EuGH, dass Urlauber ihr Geld unter Umständen wieder­kriegen können, wenn staat­liche Corona­a­n­ord­nungen die Reise durch­kreuzen. curia.europa.eu Spiegel

🗣️ Zitat

Russland ist ein geschei­terter Staat. Es war nicht in der Lage, sich in einen Natio­nal­staat, einen zivilen Staat und nicht einmal in einen stabilen imperialen Staat zu verwandeln.”

Janusz Bugajski, Jamestown Foundation

🇨🇲🐟🇪🇺 Riegel gegen Raubfischer: 

Das afrika­nische Land Kamerun ist ein Laich­grund für weltweit grassie­rende illegale Fischerei. Zu diesem Schluss ist die Europäische Kommission gekommen und hat die Einfuhr von Meeres­pro­dukten von dort ab dieser Europa­woche verboten. Die weltweite Umwelt­schutz- und Menschen­rechts­or­ga­ni­sation Environ­mental Justice Foundation (EJF, Hamburg) begrüßt das. Fast alle in Kamerun neu regis­trierten Schiffe gehörten Ausländern und fischten außerhalb von dessen Gewässern. Die „Billig­flagge“ werde „von skrupel­losen Schiffs­be­treibern genutzt, um sich der Verant­wortung für illegale Fischerei, Menschen­rechts­ver­let­zungen und andere Verbrechen zu entziehen.“ EFJ

🦈 Haifischflossensuppe? Nein danke:

Das klassische Gericht soll künftig aus europäi­schen China­re­stau­rants verschwinden. Das verlangt die Europäische Bürger­initiative „Stop Finning – Stop the Trade“, die jetzt offiziell anerkannt worden ist. Über 1,1 Millionen Menschen fordern per Unter­schrift, den Handel mit Flossen zu stoppen, „einschließlich der Ein‑, Aus- und Durchfuhr von Flossen, die sich nicht natürlich am Körper des Tiers befinden“. Nun muss sich die EU-Kommission mit den Organi­sa­toren treffen und das Europäische Parlament eine öffent­liche Anhörung einrichten. Es ist die achte Bürger­initiative, die das Minimum an Signa­turen aus mindestens sieben EU-Staaten erreicht hat. Europäische Kommission

💊 Missgestimmte Pharmabranche:

Die wichtigsten Verbände der deutschen Arznei­mit­tel­her­steller sind unzufrieden mit dem EU-Reform­prozess in Richtung Gesund­heits­union. Bislang vorlie­gende Entwürfe der Kommission für eine europäisch einheit­liche Bewertung des Zusatz­nutzens neuer Arznei­mittel seien „eine bloße Zusam­men­führung natio­naler Praktiken,“ kriti­sierten die Inter­es­sen­ver­treter diese Europa­woche. Sie wünschten sich statt­dessen eine weltmarkt­ge­rechte Regelung und eine bessere Betei­ligung der Unter­nehmen. Brüssels Bemühungen zur Schaffung einer entspre­chenden EU-Verordnung seien „an einem toten Punkt angelangt,“ so Hans-Georg Feldmeier vom Bundes­verband der Pharma­zeu­ti­schen Industrie e.V. ( BPI). Presse­portal

4️⃣0️⃣ 3️⃣7️⃣0️⃣ EU-Zahl der Woche:

Polen gewährt von allen EU-Staaten am meisten geflüch­teten Menschen aus der Ukraine den vorüber­ge­henden Schutz­status. Das bedeutet in Sonder­si­tua­tionen den Verzicht auf Überprüfung der Flücht­lings­ei­gen­schaft, um das Asylsystem nicht zu überlasten. Laut EU-Statis­tik­be­hörde bekamen in Polen innerhalb eines Monats 40 370 Menschen die begehrte Einstufung. Es folgten Deutschland (36 385, fast jede dritte Person ein Kind!) und das südliche Nachbarland Rumänien (10 745). An der Einwoh­nerzahl gemessen liegt Estland vorn. 

Eurostat

🏵️🇪🇺👬🏻 Gemeinsam stark: 

In Brüssel ist die 3. Gemeinsame Erklärung zur EU-NATO-Zusam­men­arbeit unter­zeichnet worden. Damit wird die Bindung zwischen dem Staaten­verbund und dem Militär­bündnis nochmals enger gestaltet. Das betrifft unter anderem die Haltung gegenüber China, den Schutz kriti­scher Infra­struk­turen und Weltraum­fragen. Bei der Unter­zeichnung diese Europa­woche lobte Kommis­si­ons­prä­si­dentin Ursula von der Leyen das abgestimmte Vorgehen gegen die russische Aggression in der Ukraine.
Dekla­ra­ti­onstext

⚔️🇩🇪 EU-Druck für deutsche Leos: 

Die Bundes­re­gierung soll endlich Leopard-2-Panzer­lie­fe­rungen an die Ukraine geneh­migen. Dieser Ruf wird in Europa lauter. Nun hat sich auch EU-Kommis­si­ons­prä­si­dentin von der Leyen dazu bekannt. Sie folgt EU-Parla­ments­prä­si­dentin Roberta Metsola (Sozial­de­mo­kraten). Liberale und grüne Volks­ver­treter aus Finnland verlangen, die 200 in ihrem Land benutzten Leos freizu­geben. „Wenn Deutschland nicht zustimmt, kann kein anderes Land eigen­ständig in die Ukraine expor­tieren.“
euronews Tages­schau

🇷🇺📺 Lizenz zum Senden: 

Der letzte unabhängige Fernseh­sender Russlands, TV Rain (Dozhd, До///дь), hat eine Sende­lizenz in den Nieder­landen erhalten. Der in Russland verbotene Kanal hatte seine Exil-Lizenz in Lettland nach einem umstrit­tenen Beitrag verloren. Das kommer­zielle Programm läuft über YouTube. Politico 

🇬🇧🚀🛰️ Absturz von “Start me up”:

Die Premie­ren­fahrt Großbri­tan­niens als künftige Raumfahrt­nation ist jäh gebremst worden. Der erste Orbital­sa­tel­liten-Start von westeu­ro­päi­schem Boden aus war in Südengland zunächst störungsfrei gelungen – doch in den frühen Morgen­stunden meldete die Boden­station Spaceport Cornwall ein Problem. Die erfolg­reich abgesetzte Rakete „Launcher One“ mit neun müsli­tü­ten­kleinen Satel­liten an Bord hatte zu wenig Schub­kraft zum Erreichen ihrer Erdum­laufbahn – Grund: Eine “Anomalie”, heißt es nebulös. 

Das Geschoss war in zehn Kilometern Höhe vor der Atlan­tik­küste von einer umgebauten Boeing 747 aus ausge­klinkt worden. Die Klein­tra­banten sollten militä­rische und zivile Aufgaben wie Meeres­über­wa­chung oder Navigation übernehmen. Wissen­schafts­mi­nister George Freeman hatte noch getönt: „Wir haben den Wettlauf um die Weltraum­fahrt in Europa gewonnen.“ Doch dann ist die schwei­ne­teure Ladung mitsamt Rakete abgestürzt und verglüht und die Mission “Start me up” (nach einem Rolling-Stones-Song) ein schwie­riger Versi­che­rungsfall. Diese Europa­woche herrschte erstmal Katzen­jammer. Heise

🇱🇻 Russen zum Sprachtest:

Rund 20.000 Einwohner in Lettland mit russi­scher Staats­bür­ger­schaft müssen bis September lettische Sprach­kennt­nisse nachweisen – auf Niveau A2. Andern­falls wird ihr Aufenthalt nicht verlängert und es droht die Ausweisung. eurotopics

🇧🇷 Brasilia-Sturm entsetzt Europa:

Lula Präsident von Brasilien

Die trumpis­ti­schen Vorgänge in Brasi­liens Haupt­stadt haben in der EU scharfe Ablehnung und Besorgnis hervor­ge­rufen. Einige Hundert Anhänger des abgewählten ultra­rechten Ex-Präsi­denten Jair Bolsonaro hatten am Sonntag die wichtigsten Regie­rungs- und Parla­ments­ge­bäude gestürmt und verwüstet. Der seit Jahres­beginn amtie­rende Sozial­de­mokrat Lula (Foto) war abwesend, versprach Bestra­fungen und machte auch die wohl laxe Polizei verant­wortlich für die antide­mo­kra­ti­schen Krawalle. Frank­reichs Präsident Emmanuel Macron twitterte „bedin­gungslose Unter­stützung“. EU-Chefdi­plomat Josep Borrell zeigte sich “entsetzt“. Die Präsi­dentin des Europäi­schen Parla­ments, Roberta Metsola, sagte: “Die Demokratie muss immer respek­tiert werden.” RTL

🇺🇸🇪🇺 Ungelöster Handelskonflikt USA/EU:

Die wenige Tage alte schwe­dische EU-Präsi­dent­schaft will den gordi­schen Knoten im trans­at­lan­ti­schen Subven­ti­ons­streit durch­schlagen. Es geht um Reaktionen auf die Staats­för­derung grüner US-Indus­trien, die Europas Wirtschaft schwächen könnten. Die freihan­dels­freund­liche Regierung von Ulf Krist­ersson strebt bei der Suche nach Gegen­maß­nahmen einen Kompromiss mit Frank­reichs Präsident Emmanuel Macron an, der konfron­ta­ti­ons­be­reiter ist. Wechsel­sei­tigen Subven­ti­ons­lo­cke­rungen in Europa kann Stockholm wenig Sympathie abgewinnen. Politico

🇪🇺🇺🇦 EU-Musterknabe Ukraine:

Mitten im russi­schen Angriffs­krieg ackert die Regierung in Kiew mit Hochdruck daran, fit für den EU-Beitritt zu werden. Erst vor einem halben Jahr hatte die Ukraine den Kandi­da­ten­status erhalten. Seitdem herrscht dort regel­rechtes Reform­ge­prassel. Dazu gehören einschnei­dende Neuerungen in der Justiz, gezielte Antikor­rup­ti­ons­maß­nahmen und Schritte zur Zerschlagung des oligar­chi­schen Systems. Präsident Wolodymyr Selenskyj wolle die Ukraine bis Jahresende integra­ti­ons­fähig machen, hieß es diese Europa­woche in Kiew. Politico

„Die Ukraine hat in den vergan­genen Monaten wichtige Schritte unter­nommen, um alle sieben von der Kommission festge­legten Reform­ziele zu erreichen... Daher sollten wir jetzt damit beginnen, weiter voran­zu­kommen. Aber dies erfordert das gleiche Maß an Engagement von beiden Seiten.“

Olga Stefa­nishyna, Vize- Premier­mi­nis­terin der Ukraine für europäische Integration.

🇪🇺🇷🇴 EU-Musterknabe Rumänien:

Das verarmte südost­eu­ro­päische Land mausert sich – seine Wirtschaft wird in diesem Jahr voraus­sichtlich stärker wachsen als die seiner stagnie­renden Nachbarn. Helfen tun Rumänien die Finanz­hilfen der Europäi­schen Union, die Währungs­sta­bi­lität und auslän­dische Inves­ti­tionen, die zum Teil durch die Verla­gerung von Arbeits­plätzen aus Russland und der Ukraine getätigt werden. Der IWF rechnet mit einem Wachstum von 3,1 %, und selbst die Wachs­tums­pro­gnose der Europäi­schen Kommission von 1,8 % würde das Land weit vor Polen platzieren. Reuters

🇹🇷🇸🇪 Erdogan erpresst Schweden: 

Der schwe­dische NATO-Beitritt steht auf der Kippe, weil der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan unerfüllbare Aufnah­me­be­din­gungen stellt. Ohne Details zu nennen, zitieren Medien den schwe­di­schen Regie­rungschef Ulf Krist­ersson mit den Worten, die Türkei wolle Dinge, „die wir ihr nicht geben können oder wollen.” Strittig sind Schwedens Bezie­hungen zur Diaspora autono­mie­be­strebter Kurden­kämpfer. Finnland will nur parallel zum befreun­deten Schweden in die NATO und ist bereit, den eigenen Beitritt hintan­zu­stellen. Außen­mi­nister Pekka Haavisto: „Finnland hat es nicht so eilig, der NATO beizu­treten, dass wir nicht warten könnten, bis Schweden grünes Licht gibt”. Barrons

nato symbol europawoche

🇨🇳🇪🇺 China “klaut” EU-Öl: 

Der steigende Energie­hunger Chinas bringt Europa in Probleme. Laut Branchen­be­richten hat die Volks­re­publik mehrmals Öl-Schiffs­lie­fe­rungen wegge­kauft, die eigentlich für die Europäische Union (EU) bestellt worden waren, um ausge­fallene Russland- Importe auszu­gleichen. So habe der weltgrößte Ölimporteur kürzlich fünf Millionen Barrel überwiegend kasachi­schen Rohöls erworben. Es sollte von einem Schwarzmeer-Hafen für Raffi­nerien in Europa abgeholt werden. Die Folge: Preis­stei­ge­rungen und eine unsanfte Erinnerung an die Anfäl­ligkeit Europas auch gegenüber der Weltwirt­schafts­macht China. gCaptain/Bloomberg

🇺🇦 Autonome Killerwaffen vor Einsatz? 

Experten glauben, dass im Ukraine-Krieg schon bald die weltweit ersten völlig autonomen Kampf­ro­boter aufs Schlachtfeld kommen könnten. Diese wählen ihre Ziele – von künst­licher Intel­ligenz (KI) gesteuert – ohne mensch­liche Hilfe aus und greifen ohne Befehl an. Russland behauptet, KI-Waffen im Arsenal zu haben oder könnte sie aus Iran beziehen. Die Ukraine verfügt über halbau­tonome Drohnen und Drohnen­ab­wehr­waffen, die leicht aufrüstbar sind. Jaroslav Honchar, Mitbe­gründer einer ukrai­ni­schen Rüstungs­firma, sagt, das Verbot der ukrai­ni­schen Militär­führung für komplett unabhängige Waffen könne sich ändern und ein neues Zeitalter der Kriegs­führung einläuten. Voice of America

🇺🇳 Zitat der Woche:

“Autonome Waffen sind politisch inakzep­tabel, moralisch verwerflich und sollten durch inter­na­tio­nales Recht verboten werden”

UN-General­se­kretär Antonio Guterres

🇷🇸 Serbien allein zu Haus: 

Niemand in der NATO unter­stützt das Ansinnen des serbi­schen Präsi­denten Aleksandar Vučić, Hunderte seiner Sicher­heits­kräfte ins benach­barte Kosovo zu schicken. Dort fühlt sich die serbische Minderheit von den mehrheit­lichen Albanern drang­sa­liert. Doch die Verbün­deten halten weitere Soldaten neben der statio­nierten NATO-Schutz­truppe KFOR für keine gute Idee. Dazu Vučić: Er fühle sich durch diese Haltung „gedemütigt“. n‑tv

🇪🇺🇬🇧 Brexit-Jammer

Großbritannien Europa Brexit europawoche

In Großbri­tannien wächst der Ärger über die Folgen des EU-Austritts. Laut Umfrage sagen 57 Prozent, der Brexit verur­sache mehr Probleme als er löse. Das finden selbst 33 Prozent Anhänger der konser­va­tiven Regie­rungs­partei. Daily Telegraph


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