Europa: Themen der Woche

(Europäische Union) – Was hat die Macher in der EU und Beobachter Europas vergangene Woche an- und umgetrieben?

  • Nach andert­halb­jäh­rigem Gezerre – Schweden soll Mitglied der NATO werden! SOLL. Noch ist längst nicht alles in trockenen Tüchern, meine ich… Mehr siehe unten.
  • Die südame­ri­ka­nische Drogen­mafia hat Politik und Behörden europäi­scher Hafen­städte infil­triert. Kann eine neue Allianz die Kokain­dea­ler­szene wirklich zerschlagen? Scrolle runter.
  • Ein Fußballstar verlässt Europa – weil er den Rassismus nicht mehr erträgt… Siehe ganz unten.

Das alles und noch viel mehr: von WOLF ACHIM WIEGAND

Nun will Ungarn also als letztes Land dem NATO-Beitritts­gesuch Schwedens beipflichten. Offenbar hat es sich der bislang störrische Regie­rungschef Viktor Orbán anders überlegt. Er werde sein Parlament dazu drängen, für den Beitritt zu stimmen, ließ Orbán verlauten. Zuvor hatte die zöger­liche Türkei das sehnlichst erwartete „Ja“ gerufen. 

In Budapest scheint sich die Erkenntnis durch­zu­setzen, dass die ewige Rolle des europäi­schen Trotz­kopfes erstmal überreizt ist. Zumindest in der NATO-Frage. Denn Orbáns „Njet!“ im Sinne Wladimir Putins zur Ukraine-Hilfe ist nicht vom Tisch. Auch Recep Tayyip Erdoğan ist weiter für Ränke­spiele gut. Kein Grund also, in Brüssel die Korken knallen zu lassen!… sueddeutsche.de (Orbán) faz.net (Erdoğan)

EU-Hafenstädte contra Drogenkartelle:

Fast zwanzig europäische Hafen­städte haben sich zu einer Allianz gegen die südame­ri­ka­ni­schen Drogen­kar­telle zusam­men­ge­schlossen. Die schicken ihr tödliches Rauschgift nämlich in Containern versteckt nach Europa. 

Der Kampf von Sicher­heits­be­hörden, Hafen­be­treibern und Staats­in­sti­tu­tionen wird hart werden. Längst haben die Kokain­bosse Politik und Behörden in Hamburg, Antwerpen, Marseille und anderswo unter­wandert. Tödliche Banden­kämpfe in Ecuador haben jetzt gezeigt, zu welchen Bandagen die Hinter­männer des Milli­ar­den­ge­schäftes fähig sind. Hier mein Hinter­gund­be­richt: european.expert

Es rumort zwischen AfD und Le Pen

Die Enthül­lungen über die Teilnahme mehrerer AfD-Abgeord­neter an dem Treffen in Potsdam schlagen auch Wellen im EU-Parlament. Die franzö­sische Rechts­ra­dikale und Präsi­dent­schafts­kan­di­datin Marine Le Pen hat sich – aller­dings wohl aus wahltak­ti­schen Gründen – klar gegen die Deutschen positio­niert und mit einem Ende der gemein­samen EU-Fraktion gedroht. Die Ausweisung von Staats­bürgern mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund lehne sie ab. Ihr natio­naler Wider­sacher am rechten Rand, Eric Zemmour, stellte sich daraufhin hinter die AfD. euractiv.de

Europas Politik

Trump ante portas: 

Europa macht sich langsam – zu langsam? – mit dem Gedanken vertraut, dass im nächsten Jahr wieder Donald Trump die USA anführen könnte. Das Problem: Die Staats- und Regie­rungs­chefs der EU haben keine abgestimmte Strategie. Dabei könnte Vertrautes zerbrö­ckeln: Die NATO, die US-Hilfe für die Ukraine und der nukleare US-Schutz­schirm für Europa. Das aufzu­fangen würde Europa so viel Geld kosten, wie bislang undenkbar… tagesschau.de

“Ich nehme die Staats­chefs so, wie die Völker sie mir schicken”

Frank­reich-Präsident Macron würde Trump gelassen begegnen – sagt er
Foto: EU Reporter

Riss zwischen EU und Israel: 

Die Unstim­mig­keiten zwischen Israel und der Europäi­schen Union in Sachen Frieden für Nahost sind derzeit unüber­windbar. Das zeigte sich beim EU-Außen­mi­nis­ter­treffen in Brüssel. Dort hatte der EU-Außen­be­auf­tragte Josep Borrell seinen Kollegen aus Jerusalem und arabi­schen Haupt­städten in getrennten Meetings einen eigenen Fahrplan mit Endziel Zweistaa­ten­lösung vorgelegt. Das lehnt Jerusalem katego­risch ab, was viele EU-Politiker erbost. 

Zum zweiten Großthema Ukraine arbeitet die EU an einem 13. Sankti­ons­paket gegen Russland. Inhalt: Mehr Maßnahmen gegen Personen und Firmen sowie schärfere Handels­be­schrän­kungen. rnd.de de.euronews.com

Dominierende Themen der Europawahl: 

Einwan­derung und Klima – das sind die Themen, die das Ergebnis der Europawahl vom 9. Juni beein­flussen werden. Das lässt sich aus einer Umfrage des European Council on Foreign Relations (ECFR) in elf Ländern schließen. 

Die von Berlin aus gesteuerte paneu­ro­päische Denkfabrik macht außer den beiden genannten Themen noch drei weitere wahlbe­ein­flus­sende “Krisen­stämme” aus: weltwirt­schaft­liche Turbu­lenzen, Corona­pan­demie und Russlands Krieg in der Ukraine. euronews.com

EU-Bürgerinitiativen startbereit: 

Zwei grenz­über­schrei­tende Bürger­initia­tiven haben die Zuläs­sig­keits­prüfung erfolg­reich bestanden. Das teilt die Europäische Kommission mit. Die Initia­toren von „Verbot von Konver­si­ons­maß­nahmen“ wollen unter anderem erreichen, dass medizi­nische Eingriffe zur Geschlechts­än­derung strafbar werden. 

Bei „Schutz der Landwirt­schaft und der ländlichen Wirtschaft“ geht es u. a. um einen Rechts­rahmen für den Vorrang von Lebens­mit­tel­er­zeugung auf Landwirt­schafts­flächen. Beide Organi­sa­toren können mit der geregelten Sammlung von Unter­schriften beginnen. germany.representation.ec.europa.eu

Orakel über Europas Zukunft: 

Drei Megatrends werden das künftige Wirtschafts­wachstum und die Lebens­weise in Europa formen – Überal­terung, Klima­wandel und „geoöko­no­mische Fragmen­tierung“. Das analy­siert Rolf Strauch, der Chefökonom beim Euro-Krisen­fonds ESM in Luxemburg. Er glaubt außerdem, dass die derzei­tigen Krisen nachwirken und höhere Zinsen den Regie­rungen Fesseln aufer­legen werden. 

Als Gegen­mittel empfiehlt der Ökonom eine Weiter­ent­wicklung des EU-Binnen­marktes und ambitio­nierte Projekte. Das stärke auch Europas politische Stimme. handelsblatt.com/meinung

Marie-Agnes Strack-Zimmermann MdB FDP, Vorsit­zende Verteidigungsausschuss

Plädoyer pro EU-Armee

Die designierte FDP-Spitzen­kan­di­datin für die Europawahl, Marie-Agnes Strack-Zimmermann MdB, plädiert für den Aufbau einer europäi­schen Armee.

„Wir können nicht ernsthaft glauben, dass wir weiterhin in Europa ein entspanntes Leben führen, und wenn es dann scheppern sollte, eilen die USA uns schon zu Hilfe“ 

Annalena Baerbock MdB GRÜNE / Foto: Deutsch­landfunk, dpa (Kay Nietfeld) 

Druck für EU-Militärmission: 

Außen­mi­nis­terin Annalena Baerbock hat ihre Kollegen beim Minis­ter­treffen in Brüssel zur Eile beim geplanten EU- Militär­einsatz im Roten Meer gedrängt. Der ist zwar grund­sätzlich beschlossen, aber die Details sind immer noch unklar. Deutschland bringt dafür die Fregatte „Hessen“ und deren Großraum-Überwa­chungs­radar ein. Auch Belgien ist offiziell dabei. 

Bislang ist Großbri­tannien die einzige Nation Europas, die in der Region mit Militär aktiv die freie Schiff­fahrt verteidigt. Der Zerstörer „HMS Diamond“ hat gerade zusammen mit einer US-Fregatte einen Großan­griff der islamis­ti­schen Huthi-Terro­risten auf Handels­schiffe abgewehrt. Die Extre­misten winken auf der existen­zi­ellen Route zwischen Europa und Asien nur noch Schiffe aus China und Russland durch, weil die „nichts mit dem israe­li­schen Feind zu tun“ hätten. welt.de

„Die Huthi sind verbissen und unbelehrbar und diplo­ma­ti­schen Kompro­missen nicht zugänglich“

Prof. Dr. Joachim Krause befür­wortet eine harte Linie. Er ist Direktor Emeritus des Instituts für Sicher­heits­po­litik an der Univer­sität Kiel und hat inter­na­tionale diplo­ma­tische Missionen begleitet. 

Europas Wirtschaft

EU vor LNG-Knappheit? 

Europa könnte schon übernächstes Jahr bei der Einfuhr von Flüssiggas (LNG) in starke Abhän­gigkeit vom arabi­schen Scheichtum Katar kommen. Jeden­falls dann, wenn sich unwider­sprochen bekannt­ge­wordene Pläne der USA bestä­tigen, schon bald weniger LNG-Trans­port­schiffe über den Atlantik zu schicken. Nach Medien­be­richten ist Washington darauf bedacht, selbst autarker von fossilen Brenn­stoffen zu werden und möchte deshalb den LNG-Export drosseln. Damit geriete die Diver­si­fi­zie­rungs­stra­tegie der EU beim Ersetzen russi­scher Gasmengen ins Wanken. t‑online.de

Wüstenfahrt für Seecontainer:

Deutsch­lands größte Reederei Hapag-Lloyd (Hamburg) bietet ihren Contai­ner­kunden nach der Beschießung von Frachtern im Roten Meer statt des Umwegs um das Kap der Guten Hoffnung einen Lkw-Transport durch die saudische Wüste an. Das sei eine „bequeme Notlösung“, schreibt das Hamburger Unter­nehmen. Sie sei aller­dings kapazi­täts­mäßig „nicht optimal“. spiegel.de

Aufbegehrende EU-Bauern:

Die seit Wochen andau­ernden Proteste der Landwirte sind kein deutsches, sondern ein europa­weites Phänomen. Überall regt sich öffentlich gemachter Unmut über Umwelt­auf­lagen und die Forderung nach finan­zi­eller Unter­stützung, dokumen­tiert der grenz­über­schrei­tende TV-Sender euronews. Landwirte und Viehzüchter sind unzufrieden darüber, dass sie von den Reformen des „grünen Übergangs“ übermäßig stark betroffen seien. euronews.com

Hoch hinaus: 

Zwei deutsche Start-ups haben mit drei anderen EU-Unter­nehmen eine europäische Ausschreibung für die Beför­derung von Klein­sa­tel­liten ins All gewonnen. Nach Angaben der Europäi­schen Raumfahrt­agentur ESA und der EU-Kommission sind das der Münchener Raketen­her­steller Isar Aerospace und die Rocket Augsburg Factory. Sie sollen dem US-Unter­nehmen Space X von Elon Musk Konkurrenz machen. EU-Indus­trie­kom­missar Thierry Breton nennt als Ziel eine „europäische Autonomie“ im Raumfahrt­sektor. rp-online.de

Fußballprofi geht wegen Rassismus

Ex-Fußball­profi Kevin-Prince Boateng beklagt Hass und Neid in Europa und wird deshalb nach Australien gehen. Dort werde er beim Aufbau des Fußballs helfen, sagte der 36-Jährige. Auslöser sei der jüngste Rassismus-Eklat in der italie­ni­schen Serie A um AC Mailands Torhüter Mike Maignan (28). Er selbst hatte 2013 ein Spiel wegen Belei­di­gungen verlassen.

Boateng forderte härtere Strafen für die Verant­wort­lichen und mehr gesell­schaft­liches Entge­gen­steuern. Der gebürtige Berliner spielte u. a. bei Hertha BSC, Borussia Dortmund, Eintracht Frankfurt und FC Schalke 04 sowie im Natio­nalteam von Ghana. sport.de

„In der Politik versuchen Rassisten zu regieren, in Deutschland mit der AfD… Es ist eine Schande“

Kevin-Prince Boateng


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