“Europa im Blickpunkt – Wiegand wills wissen” – Kolumne für FORUM – Das Wochenmagazin. Heute: Zeitenwende in Europa. Die Politik des neuen US-Präsidenten Donald Trump droht Europa zwischen Mühlsteine zu werfen. Europäischer Rat, Europaparlament oder Europäische Union – das Weiße Haus zwingt alle zu einer neuen Rolle. Aber wie sieht die aus?

Europa im Blickpunkt
Wiegand wills wissen
Europa Zeitenwende (Fotos: KI)
Das Europa, das wir bis vor Kurzem kannten, gibt es nicht mehr. Ein Jahrzehnt nach seinem ersten Auftritt hat Donald Trump uns brachial ins Abseits gedrängt. Mit voller Absicht.
Die zweite Trump-Administration hat die Ukraine verraten, eine territoriale Teilung des Landes durch Russland akzeptiert, die transatlantische Allianz erschüttert und Europas liberale Demokratien dem Einfluss rechtsextremer Nationalisten ausgesetzt. - So beschreibt es zusammengefasst der britische Guardian
Trump, sein Vize JD Vance und die US-Minister sehen uns Europäer nicht mehr als Verbündete. Wir sind Rivalen. Der Schlachtruf “America first!” ist ernst gemeint. Alles zum eigenen Vorteil. Für die anderen die Brosamen.
Nicht äußere Feinde, sondern die Unterdrückung der Meinungsfreiheit bedroht Europa. – JD Vance, US-Vizepräsident
Das ist eine US-Attacke. Mit Ansage. Jeder wusste, was Trump im Schilde führt. Dennoch haben wir Europäer uns eine lange Schlafenszeit geleistet – sie dauerte… genau zehn Jahre. Und das trotz der Weckrufe von Experten.

Laute Bitten, der Ukraine gegen Russlands Aggression wirksam beizustehen und die USA in Europa zu entlasten, gab es zuhauf. Doch die Alarme verhallten in Talkshows. Auch Kanzlerämter, Präsidentenpaläste und Regierungssitze erreichten sie nicht.
Das politische Europa – insbesondere auch Deutschland – träufelte sich Hypnotika ein. Die Folge: Zurücklehnen, Zögern, Zaudern. Nicht Aktivität, Ambition, Attacke.
Schlafenszeit zuende – bitte aufwachen!
N𝐮𝐧 sind wir in einem Europa aufgewacht, das sich zwei Oligarchen aufteilen wollen.
Putins Pläsier wird das Zerstückeln ukrainischer Territorialhappen sein. Trump träumt indessen von eigenen Filetstücken, etwa dem Zugang zu Rohstoffen. 𝐅ü𝐫 𝐮𝐧𝐬 𝐢𝐧 𝐄𝐮𝐫𝐨𝐩𝐚 𝐛𝐥𝐞𝐢𝐛𝐭 𝐝𝐢𝐞 𝐑𝐞𝐜𝐡𝐧𝐮𝐧𝐠 ü𝐛𝐫𝐢𝐠. Wir sollen für die Sicherung eines wie auch immer gearteten Friedens zahlen.
Ich habe das Gefühl, dass die Vereinigten Staaten versuchen, einen Streit mit uns anzuzetteln.” – Kaja Kallas, EU-Außenbeauftragte
Doch dazustehen, wie ein beißgehemmter begossener Pudel, nützt nichts. Auch der Letzte mit Verantwortung muss jetzt in den Spiegel schauen. Nur ein einiges Europa mit klaren Strategien kann sich zwischen den Kraftmeiern in Washington und Moskau behaupten.

Eine Kolumne von Wolf Achim Wiegand, freier Journalist mit EU-Spezialisierung
Demnächst mehr aus Europa.
Europa Zeitenwende
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