Europa Israel Nahost

Europa im Blickpunkt
Wiegand wills wissen

Von Wolf Achim Wiegand

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Moin, liebe Mitmen­schen in Europa,

wer in Nahost etwas gelten will, braucht Einfluss, Strategie – und Reali­tätssinn. Die Europäische Union betreibt statt­dessen entrückte Symbol­po­litik. Ihre diplo­ma­tische Linie wirkt wie der Beipack­zettel einer Selbst­hil­fe­gruppe: gut gemeint, aber machtlos.

Regionale Player schaffen Fakten in der Region. Auch Washington setzt seine Inter­essen mit eiserner Hand durch. Während­dessen liefern Brüssel und die 27 EU-Staaten weitgehend nur zerknüllbare Papier­re­so­lu­tionen. Sie bieten Anerken­nungs­ri­tuale für ein Phantom­pa­lästina. Oder es kommen Ratschläge aus der Motten­kiste mit der Aufschrift “moralische Überheb­lichkeit”.

Eine Führungs­rolle bei einem Konflikt vor der Haustür sähe anders aus.

Besonders bitter: Einzelne EU-Staaten geben sich der Illusion hin, eine Lösung der Nahost­frage rücke näher, wenn man den einzigen demokra­ti­schen Rechts­staat der Region öffentlich an den Pranger stellt. Dazu gehört Frankreich. 

Wenn Israel nicht “den Anfor­de­rungen der humani­tären Situation” entspricht, “muss die kollektive Position natürlich verschärft werden”Emmanuel Macron 

Warum redet Macron so? 

Der Mann muss Milli­ar­den­ge­schäfte mit arabi­schen Ländern sichern. Immerhin ist Frank­reich der größte europäische Empfänger katari­scher Inves­ti­tionen: rund neun Milli­arden US-Dollar in Energie, Luftfahrt, Infra­struktur und Tourismus. Bis 2030 sind weitere zehn Milli­arden Euro vorge­sehen – besonders in Zukunfts­tech­no­logien wie Energie­wende, Halbleiter, KI und Gesundheitswesen.

Innen­po­li­tisch sitzen dem mehrheits­losen Staatschef die großen Fraktionen der tradi­tionell antiis­rae­li­schen Links- und Rechts­po­pu­listen im Nacken. Für Israel bleibt da wenig Platz.

Merkwürdige Signale

Andere Brand­mau­er­kon­struk­teure gegen Israel:

Nun sendet auch Deutschland merkwürdige Signale. 

Der Außen­mi­nister redet von „Zwangs­so­li­da­rität“ mit Israel – das ist gefährlich nah am rechts­extre­mis­tisch konno­tierten Ausdruck „Schuldkult“. Fatal: Applaus pro-paläs­ti­nen­si­scher Kreise – auch von lautstarker Möchtegern-Weltre­vo­lu­tio­nären, antise­mi­ti­schen Hetzern und islamis­ti­schen Brandstiftern.

Will Berlin das wirklich? Ist das neue deutsche Wording gegen Israel nur Theater­donner? Womöglich nicht. Aber: Eine deutsche Betei­ligung an der Isolierung des diplo­ma­tisch sowieso schon inter­na­tional gebrand­markten jüdischen Staates wäre nicht nur aus histo­ri­schen Gründen hochexplosiv.

Ich meine: Wer mithilft, Israel auch nur ansatz­weise zu delegi­ti­mieren und – bewusst oder unbewusst – Kräften zuspielt, die das wollen, bringt wahrlich keine Friedens­bot­schaft. Er festigt nur dieje­nigen, die unter allerlei Polit-Labels nicht müde werden, Vernichtung zu predigen – im Inneren von Israel ebenso wie von außen.

Die EU – eine Friedens­macht? Nein. Nicht im Geringsten. 

Tatsächlich fällt der außen­po­li­tisch zur Einstim­migkeit verdammte 27-Staaten-Verbund in der Nahost­frage durch Weltfremdheit und Doppel­moral auf. Auch das jüngste Statement der EU-Außen­be­auf­tragten Kaja Kallas zum Schlag­ab­tausch zwischen Israel und Iran fällt in diese Kategorie. Das 15-Zeilen-Kurzstatement ist gewohntes Forma­lis­men­ge­nu­schel, das keinen Weg weist, wie der Konflikt mit wem auf diplo­ma­ti­schem Wege erreicht werden soll. 

Auch das Gespräch mir dem Iran-Außen­mi­nister blieb ohne Resultat, außer: Teheran hatte eine Bühne und hat sich Zeit gekauft / im Bild: Kaja Kallas mit Ministern

Der Einfluss Europas auf die Krisen­region bleibt null. Die EU-Regie­rungen finden keine einstimmig vereinbare Linie. Sie sind gefangen im Spannungsfeld zwischen natio­nalen Wirtschafts­in­ter­essen und offizi­eller Staats­räson. So bleibt’s beim Nuscheln. Wir stehen auf dem brutalen Spielfeld einer hochent­zünd­lichen Region an der Seitenlinie.

Europa ist im Nahen Osten nur ein geopo­li­ti­scher Zuschauer – laut, selbst­ge­recht, aber bedeutungslos.

Eine Kolumne von Wolf Achim Wiegand, freier Journalist mit EU-Spezialisierung

Demnächst mehr aus Europa.

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