(Europa Rückblick 2024) – Was geschah voriges Jahr Spannendes in Europa? Was hat die öffentlichen Diskussionen und politischen Initiativen angetrieben? Was beschäftigte die Europäische Union, das Europäische Parlament und die EU-Kommission? Hier meine Auswahl der fünf wichtigsten Ereignisse mit einschneidenden Folgen für die EU …

- Europawahl mit Rechtsruck. Scrolle weiter⤵️.
- Klimawandel im EU-Fokus. Details: Unten ⤵️.
- Russland im Krieg mit Europa … Siehe unten ⤵️.
- Israelkritik wird zu Judenhass – mehr dazu: ⤵️.
- Die gute Nachricht: Europa kann’s. Zu guter Letzt: ⤵️.
Das alles und noch viel mehr: von WOLF ACHIM WIEGAND (Fotos: KI)
Europa Rückblick 2024
Europa Rückblick 2024
Das Jahr 2024 brachte für die EU bedeutsame Ereignisse, die weiterhin nachwirken. Die Europawahl führte zu einem politischen Rechtsruck. Wetterkatastrophen rückten den Klimaschutz in den Fokus. Russland setzte sowohl die Ukraine als auch die EU unter Druck. Neuer Judenhass zeigte sich allerorten. Es gab aber auch europäische Erfolge, zum Beispiel in der Wissenschaft und Technik. Schau selbst:
Politischer Richtungswechsel:

Die Europawahl am 9. Juni 2024 hat in der EU einigen Wirbel bewirkt. Das Ergebnis hat den Staatenverbund politisch vielfältiger, aber auch polarisierter gemacht. Rechtspopulistische Parteien konnten nahezu flächendeckend Erfolge verbuchen, wenn auch nicht den großen Durchmarsch. Dagegen haben traditionell dominierende Fraktionen wie die sozialdemokratische Allianz der Sozialisten und Demokraten (S&D) an Einfluss verloren. Auch die Liberalen von Renew Europa (mit der FDP) haben schlechter abgeschnitten, als erhofft.
Unsere Demokratie wird verjuxt. Viele Menschen wählen leichtfertig die AfD, weil sie unzufrieden sind oder schlechte Laune haben. – So sieht es der Kabarettist Ingo Appelt
Die schon bislang größte Gruppe, die christdemokratische Europäische Volkspartei (EVP), konnte sich nach den Wahlen in eine einflussreiche Rolle bugsieren. Sie fungiert nun als „Scharnier“. Die EVP hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und die meisten der Kommissare in ihren Reihen. Diese Partei kann im Parlament unterschiedliche Mehrheiten herstellen. Sie schafft dies sowohl mit linkeren Kräften als auch mit den Konservativen bis Rechtspopulisten. Das erhöht den Druck auf die EU, Themen wie Migration, nationale Souveränität und den Einfluss Brüssels neu zu bewerten.
Die neue Realität zwingt auch die Institutionen, innovative Wege zur Entscheidungsfindung zu finden, um weiterhin handlungsfähig zu bleiben. Kommission, Parlament und der Rat der Regierungschefs bleiben gefordert. Die kommenden Jahre werden entscheidend sein, ob die EU diesen Herausforderungen gewachsen ist oder in der internen Uneinigkeit stagniert.
Wetterkapriolen und Klimakrise:

In Süd- und Osteuropa geriet der Klimawandel erneut ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Von Portugal bis Polen kam es zu Rekordtemperaturen, Starkregen, Überflutungen und verheerenden Waldbränden.
Zu heiß, zu trocken, zu nass, zu windig. – So beschreibt Laura Beigel vom RedaktionsNetzwerk Deutschland das Jahr 2025
Europa Rückblick 2024
2024 war laut dem EU-Klimawandeldienst Copernicus das erste Jahr seit Aufzeichnungsbeginn mit durchschnittlich mehr als 1,5 Grad Celsius wärmeren Temperaturen als im vorindustriellen Mittel. Zugleich war es das wärmste Jahr seit dem Start der Messungen. Der 22. Juli war sogar der bisher heißeste Tag der jüngeren Erdgeschichte; die globale Durchschnittstemperatur kletterte auf 17,15 Grad Celsius.
Die Herausforderung für die Politik lautet, einerseits die Ursachen des Klimawandels zu bekämpfen. Andererseits müssen Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel ergriffen werden. Dazu gehören Investitionen in Infrastrukturen, die besser gegen Naturgewalten schützen, aber auch die Förderung zur Wiederherstellung natürlicher Ökosysteme.
Der europäische Green Deal für Klimaneutralität bleibt bis 2050 gültig, wenn gleich die EU mehr als bislang Wirtschaftsinteressen berücksichtigen möchte. Insgesamt ist Europa noch nicht ausreichend auf die Folgen des Klimawandels vorbereitet.
Russland im Krieg mit Europa:

Der Krieg in der Ukraine ist 2024 durch massive russische Angriffe auf zivile Ziele in der Ukraine hässlicher geworden. Das Land steht kurz vor Beginn des dritten Kriegsjahres. Seit der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim gibt es Konflikte in der Ostukraine. Diese Kämpfe dauern bereits ein Jahrzehnt.
Europa hat es in dieser Zeit nicht vermocht, den blutigen Konflikt zu lösen. Die Lieferung von Waffen durch die internationalen Ukraine-Unterstützer war unzureichend. Sie blieb weit hinter dem zurück, was zur Vertreibung der Invasoren nötig wäre. Die Debatten in EU und NATO über militärische, finanzielle und politische Belastungen lähmten den Willen zu maximaler Härte gegenüber Russland.
Putin weiß, wie er Nadelstiche bei uns setzen muss, wir müssen uns vorbereiten, um uns der Bedrohung selbstbewusst entgegenstellen zu können. – Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius
Auch verschärfte Sanktionen gegen Russland, insbesondere im Bereich der Energie‑, Rohstoff- und Finanzwirtschaft, haben keine Kriegswende erzeugt. Unterdessen scheinen alle Beteiligten abzuwarten, was der künftige US-Präsident Donald Trump unternehmen wird. Möglicherweise kommen auf Europa große Bürden zu. Allen ist klar, dass die Militärausgaben steigen und Europa diesbezüglich besser kooperieren muss.
Unterdessen ist ein hybrider Krieg bereits voll entbrannt. Dazu gehören Angriffe auf die europäische Infrastruktur in der Ostsee ebenso, wie gezielte Desinformationskampagnen in den sozialen Medien. Rechts- und linkspopulistische Parteien genießen das Wohlwollen des Kremls. In Rumänien ist sogar die Präsidentenwahl annulliert worden, weil es offensichtlich destabilisierende Eingriffe auf den Wahlkampf gegeben hat (siehe unten). Die chinesische Plattform TikTok kam unter Beobachtung der EU-Kommission.
Israelkritik wird zu Judenhass:
Europa Rückblick 2024

Der Krieg zwischen Israel und den Hamas-Terroristen im Gazastreifen sowie den Iran-Proxys Hisbollah und Huthi hat zu einem besorgniserregendem Anstieg des Antisemitismus in Europa geführt. Die Feindseligkeiten begannen sofort nach dem grausamen Massaker in Süd-Israel am 7. Oktober 2023. Tausende Menschen erlitten Tod und Verletzungen. Über 300 Menschen wurden entführt. Mehr als 100 von ihnen sind bis heute als Geiseln eingekerkert.
Ich befürchte, dass uns diese neue Welle des Antisemitismus noch länger beschäftigen wird. – Der deutsche Verfassungsschutzpräsident Thomas Haldenwang befürchtet Schlimmes
Die Europäische Kommission hat Maßnahmen ergriffen, um Antisemitismus und Hassverbrechen zu bekämpfen. Dazu gehört die Bereitstellung zusätzlicher Mittel für den Schutz von Stätten der Religionsausübung.
Vielerorts manifestierten sich die judenfeindlichen Einstellungen und Handlungen unter anderem in Demonstrationen mit Parolen gegen das Existenzrecht Israels. Junge Europäer jüdischen Glaubens werden an Universitäten unter Duldung von Leitungspersonal von Kommilitonen ausgegrenzt. Es kam zu proterroristischen Protestcamps auf Universitätsgeländen und Störungen von Vorlesungen.
In Amsterdam wurde die Statue von Anne Frank mit roter Farbe und pro-palästinensischen Parolen beschmiert. Am 7. November wurden ebenfalls dort hunderte jüdische Fußballfans von maskierten Gruppen angegriffen, worauf Israel Evakuierungsflugzeuge schicken musste.
Die gute Nachricht:

Im Jahr 2024 erzielte Europa bedeutende technologische Fortschritte. Die stärkten die Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft der Europäischen Union. Hier sind die drei wichtigsten Entwicklungen:
- Inbetriebnahme des ersten Exascale-Computers: Europa nahm seinen ersten Rechner in Betrieb, der eine Rechenleistung von über einer Trillion Operationen pro Sekunde erreicht. Dieser Supercomputer ermöglicht Fortschritte in Bereichen wie Klimamodellierung, medizinischer Forschung und künstlicher Intelligenz.
Die europäische Wissenschaftsgemeinschaft wird nun von einer bemerkenswerten Maschine ‘made in Europe’ profitieren. - Bernhard Frohwitter, CEO des Münchner Computerherstellers ParTec AG
Europa Rückblick 2024
- Start der Ariane 6‑Rakete: Am 9. Juli 2024 hob Ariane 6 erfolgreich zum Erstflug ab. Es ist Europas stärkste Trägerrakete. Dieser Meilenstein sichert Europas unabhängigen Zugang zum Weltraum. Insgesamt ist die EU nun in einer besseren Position in der globalen Raumfahrtindustrie.
- Förderung der Halbleiterproduktion: Die Europäische Kommission genehmigte eine fünf Milliarden Euro schwere Unterstützung für den Bau einer Mikrochipfabrik in Dresden. Dieses Projekt umfasst TSMC (Taiwan), Bosch, Infineon und NXP Semiconductor. Es zielt auf eine innovative und nachhaltige Halbleiterproduktion in Europa. Damit wird erstmals die Abhängigkeit von Übersee gemildert und die technologische Sicherheit erhöht.
Ausblick: 2025 wird ein Jahr des Balanceakts
Das Jahr 2025 wird für die EU und die NATO entscheidend sein. Sie müssen auf die sich wandelnden globalen Herausforderungen reagieren. Auch regionale Herausforderungen erfordern ihre Aufmerksamkeit.
Während die NATO ihre Rolle als militärischer Schutzschild des Westens festigt, muss die EU wirtschaftliche, sicherheitspolitische und soziale Prioritäten ausbalancieren. Die Zusammenarbeit zwischen beiden Institutionen wird dabei eine Schlüsselrolle spielen, um Europa in einer zunehmend multipolaren Welt zu stabilisieren.
Europa Rückblick 2024
Europa Rückblick 2024
☕ Du kannst meine journalistische Arbeit unterstützen. Kaufe mir eine Tasse mit heißem Wasser und pulverisierte braune Bohnen. Hier klicken: https://buymeacoffee.com/european.expert
Was denkst DU – was ist im Jahr 2024 in Europa gut gelaufen und was nicht? Welche Ereignisse vermisst Du in meiner List der fünf wichtigsten Entwicklungen? Bitte schreibe unten in die Kommentare ⤵️
Entdecke mehr von http://www.european.expert
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E‑Mail zu erhalten.
