Europa Ukraine EU-Beitritt: “Im Blick­punkt – Wiegand wills wissen” – Kolumne für FORUM – Das Wochen­ma­gazin. Heute: Die Ukraine drängt auf den Beitritt zur EU. Bewegt sich Brüssel zu langsam? Dazu habe ich eine Meinung. 

Europa Ukraine EU-Beitritt

Europa im Blickpunkt
Wiegand wills wissen

Europaflaggen

Von Wolf Achim Wiegand

Europa Ukraine EU-Beitritt

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Moin, liebe Mitmenschen in Europa,

wäre ich Ukrainer, würde ich mit tiefer Sorge auf Europa schauen. Wieder wird in Brüssel und den 27 angeschlos­senen Haupt­städten gebremst, gezögert, gewarnt: Der angestrebte EU-Beitritt der Ukraine drohe die Union zu überfordern. Er könne die Agrar­märkte sprengen. Er werde Milli­arden verschlingen. Oder gar: Er verdecke autoritäre Tendenzen in Kyjiw.

Ja, der Weg der Ukraine in die EU wird teuer. Er wird konflikt­reich. Und er wird ungemütlich. Aber die Schön­wet­ter­zeiten sind sowieso vorbei. Und: Auch die Ukraine muss die Beitritts­be­din­gungen erfüllen.

Eine Ukraine in der EU ist politisch notwendig – und histo­risch geboten. Wir haben dem russisch gequälten Land nicht nur Solida­rität versprochen, sondern ihm die Perspektive einer Mitglied­schaft eröffnet. Das ist eine Antwort auf einen Angriffs­krieg, der genau diese europäische Orien­tierung zerstören soll.

Klar wird es mühsam

Wer jetzt zaudert, sendet ein Signal der Schwäche – nach Kiew, aber auch nach Moskau. Natürlich ist das Land reform­be­dürftig, korrup­ti­ons­ge­plagt, im Krieg. Aber das galt auch für andere Kandidaten.

Erwei­terung war nie ein Beloh­nungs­system, sondern immer auch ein geopo­li­ti­sches Instrument. Die Ukraine gehört – kulturell, wirtschaftlich, strate­gisch – längst in den europäi­schen Raum. Wer sie draußen hält, riskiert eine dauer­hafte Grauzone zwischen EU und Russland. Deshalb darf die Angst vor Überfor­derung nicht zur Selbst­ver­zwergung führen.

Der Binnen­markt muss angepasst werden, die Agrar­po­litik neu gedacht – na und? Der europäische Weg bedeutet, Lösungen zu suchen, nicht Probleme zu zählen. Die Ukraine will zur EU und Europa braucht die Ukraine. Nicht irgendwann. Sondern jetzt.

Eine Meinung von Wolf Achim Wiegand, freier Journalist mit EU-Spezialisierung

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