Europa Wehrdienst Militär: “Im Blick­punkt – Wiegand wills wissen” – Kolumne für FORUM – Das Wochen­ma­gazin. Heute: Die Krisen in und rund um Europa herum erfordern Vertei­di­gungs­be­reit­schaft. Aber Wehrdienst ist unpopulär. Das ist fatal, finde ich! 

Europa Raumfahrt

Europa Europäische Union Flagge

Europa im Blickpunkt
Wiegand wills wissen

Von Wolf Achim Wiegand

Europa Wehrdienst Militär

Europa Wehrdienst Militär

Moin, liebe Mitmenschen in Europa,

Handels­krieg, Ukraine-Krieg, Gaza-Krieg – seit dem Zweiten Weltkrieg hatte keine Bundes­re­gierung so viele inter­na­tionale Konflikte vor der Brust wie sie jetzt Schwarz-Rot bewäl­tigen muss. Dazu kommt: Der seit 1945 als Schutz­macht für Demokratie und Freiheit aufge­tretene Partner USA scheint sich verab­schiedet zu haben. Erstmals müssen wir wohl im militä­ri­schen Notfall allein handeln – im europäi­schen Verbund.

Das neue Berliner Kabinett steht insofern ab Tag 1 vor einer enormen Kraft­an­strengung. Ab 2028 soll der reguläre Vertei­di­gungs­haushalt auf etwa 80 Milli­arden Euro steigen, um das Zwei-Prozent-Ziel weiterhin zu erfüllen. Die Finan­zierung dieser erhöhten Ausgaben ist derzeit noch unklar.

Aber es geht nicht nur um einen gewal­tigen Finanz­bedarf. Sondern zugleich müssen die Menschen darauf vorbe­reitet werden, dass sich die Konfliktlage weiter zuspitzen kann. Nämlich dann, wenn selbst Verhand­lungen den Frieden und unsere Freiheit nicht mehr sichern können.

Die entscheidende Frage ist: 

Sind wir bereit, die freiheit­liche Grund­ordnung hier zu vertei­digen und dafür auch gewisse Härten zu akzep­tieren – oder ist uns das zu anstrengend?

So formu­liert es Claudia Major, eine der wichtigsten deutschen Polito­lo­ginnen. Sie fügt hinzu: „Sind wir bereit, jeder einzelne, in das Privileg der Freiheit zu investieren?”

Das ist im freien Europa keine theore­tische Luxus­frage mehr – sie kann reale Überle­bens­frage werden. Wir Deutsche brauchen, wie unsere Verbün­deten in EU und NATO, nicht nur mehr Waffen und Material. Nötig sind auch mehr Menschen, die die Ausrüstung anwenden und bedienen. 

Deshalb muss die künftige Bundes­re­gierung den gesell­schaft­lichen Diskurs um Wehrfä­higkeit und Wehrbe­reit­schaft eröffnen – sofort, weil: Wir haben keine Zeit mehr!

Das Thema Militär­dienst wird im Koali­ti­ons­vertrag aber zu zaghaft behandelt. Zwar wollen CDU/CSU und SPD ein neues Wehrdienst­modell auf der Basis Freiwil­ligkeit einführen. Aber das ist kein großer Wurf im Vergleich mit dem Jetzt-Zustand, der ja auch keinen Zwang vorsieht. Der Chef des Reser­vis­ten­ver­bandes, Patrick Sensburg, hat recht: 

Beim Thema Wehrpflicht ist man hinter den Erwar­tungen zurück­ge­blieben. Das ist ein einfaches Weiter-so. Und das ist schade.

Europa denkt militärisch

Auch anderswo in Europa ist das Thema Militär politisch heiß in der Diskussion. Beispiele:

  • Frank­reich: Eventuell wird der “Univer­selle Natio­nal­dienst” ausge­weitet, den Präsident Emmanuel Macron 2019 einge­führt hat. Wird der freiwillige Zwei-Wochen-Schnup­per­dienst künftig für alle 15- bis 17-Jährigen verpflichtend?
  • Dänemark: Wir die Wehrpflicht ab 2026 auf Frauen ausge­weitet und der Grund­wehr­dienst von vier auf elf Monate verlängert?
  • Nieder­lande: Geprüft wird eine Wehrpflicht nach schwe­di­schem Vorbild, um den Perso­nal­mangel bei den Streit­kräften zu beheben. Ein Viertel der militä­ri­schen Stellen ist derzeit unbesetzt. .​
    euronews
  • Italien: Auch in Rom gibt es Diskus­sionen über die Wieder­ein­führung eines freiwil­ligen Wehrdienstes. Dieser freiwillige Dienst könnte etwa 40 Tage dauern. Er wäre für junge Menschen zwischen 16 und 25 Jahren.
  • Rumänien: Vorge­schlagen wird die Wieder­ein­führung der Wehrpflicht im Falle einer General­mo­bil­ma­chung. Dann müssten sich alle jungen, im Ausland lebenden Rumänen und Rumäninnen binnen 15 Tagen zur Musterung melden.

Schwarz-Rot muss nun die beste Lösung für Deutschland finden. Hier eine gesell­schaftlich überzeu­gende Struktur aufzu­bauen – das wird eine der sensi­belsten Aufgaben für den kommenden Bundes­kanzler Friedrich Merz sein.

Eine Kolumne von Wolf Achim Wiegand, freier Journalist mit EU-Spezialisierung

Demnächst mehr aus Europa.

Europa Wehrdienst Militär

☕ Du kannst meine journa­lis­tische Arbeit unter­stützen. Kaufe mir eine Tasse Kaffee. Hier klicken: https://buymeacoffee.com/european.expert


Entdecke mehr von http://www.european.expert

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E‑Mail zu erhalten.