Europäische Themen dieser Woche

EUROPA-TopThemen von WOLF ACHIM WIEGAND 🇪🇺

(Europäische Union) – Was hat europäische Macher und Beobachter vergangene Woche an- und umgetrieben? 

  • Gestern verbrei­teten sich in Brüssel Meldungen, wonach das jahrzehn­telang gemiedene umstrittene Thema von Steuer­erhe­bungen durch die EU schon bald auf der Agenda stehen könnte. Zwei sozial­de­mo­kra­tisch geführte und eine liberale Regierung sind sich offenbar schon mal einig. Siehe unten. 
  • Niemandem kann es gefallen, wenn Piloten am Steuer­knüppel einschlafen. Genau das kann aber passieren, behaupten Gewerk­schafter. Genaues erfahren Sie unten.
  • Wären Sie begeistert, wenn Sie anstatt schicker Klamotten nur abgelegte Kleidung von Verstor­benen angeboten bekämen? Ein Staatschef in Afrika beklagt genau das und sinnt auf Abhilfe. Was das mit Europa zu tun hat? Auch dazu: Siehe unten. 

DAS ALLES UND NOCH VIEL MEHR ⤵️

Europa europäische Politik

Kommen EU-Steuern?

Die Erhebung von Steuern durch die Europäische Union (EU) scheint kein Tabuthema mehr zu sein. Wie das europäische Nachrich­ten­portal Politico berichtet, wollen die Regie­rungen von Frank­reich, Deutschland und Portugal diese Möglichkeit zumindest „ins Spiel bringen“, um den nächsten 7‑Jahres-Haushalt des Staaten­ver­bundes zu finan­zieren. Das Thema solle vor den Europa­wahlen im Juni 2024 disku­tiert werden, zitiert Politico den portu­gie­sische Europa­mi­nister Tiago Antunes. Aus Paris heißt es, Europa brauche die Mittel auch für den Wieder­aufbau der Ukraine, den Klima­wandel und die Energie­ver­bund­netze. politico.eu

Sekundenschlaf am Steuerknüppel: 

Europäische Pilotinnen und Piloten haben zu wenig Erholung zwischen ihren Einsätzen und kämpfen häufig mit dem Einschlafen. Das soll eine reprä­sen­tative Umfrage ergeben haben. Die Gewerk­schaft des Kabinen­per­sonals, Verei­nigung Cockpit, nutzt die Zahlen für Forde­rungen: Belas­tungen über das sicher­heits­ver­träg­liche Maß hinaus dürfe es nicht geben. Man brauche „gesetz­liche Limits“ für die Zeitpla­nungen der Flugbe­triebe. Das Problem: Pilot gilt nicht mehr als Traum­beruf, es fehlt an Nachwuchs.

Getreidediebstahl zur See: 

Russland stiehlt ganze Schiffs­la­dungen an Getreide aus der Ukraine und verkauft sie weltweit über dunkle Wege auf seine Rechnung. Das hat das in Großbri­tannien sitzende private Recher­chebüro Bellingcat ausführlich dokumen­tiert. Danach zeigen Satel­li­ten­bilder, Daten und Fotos, dass namentlich identi­fi­zierte Frachter in sanktio­nierten Schwarz­meer­häfen laden, das Getreide auf See in andere Bulker umlöschen und so die Herkunft verschleiern. Dann geht die Fahrt nach Syrien, in die Türkei und in den Iran. Dabei schalten die Kapitäne mehrmals das Automa­tische Schiffs­iden­ti­fi­zie­rungs­system (AIS) aus – das gilt in der Schiff­fahrt als betrü­ge­rische Absicht. bellingcat.com

Armenier leiden, Europa schweigt:

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Zusätzlich zu seinen vielen aktuellen Brenn­punkten hat Europa ein weiteres Krisen­gebiet an der Backe – es kennt nur keiner: Bergka­rabach. Die entlegene Region liegt wie eine Exklave mitten im Kaukasus-Staat Aserbai­dschan. In ihr leben mehrheitlich Menschen aus dem Nachbarland Armenien, das zum Ärger Aserbei­dschans die Kontrolle ausübt. Nur eine schmale Landstraße verbindet die Einwohner des umstrit­tenen Gebietes mit ihrem Land Armenien. Genau diese „Nabel­schnur“ bindet Aserbai­dschan zu. Nicht einmal humanitäre Hilfe darf zu den 120.000 Einge­schlos­senen – trotz Hunger, Hitze und Durst. Europa ist wegen Öl eng mit Aserbei­dschan verbunden und bleibt tatenlos. zdf.de

Soros-Stiftungen wickeln ab: 

Geför­derte Organi­sa­tionen des zweit­größten Stiftungs­netz­werkes der Welt, Open Society Founda­tions (OSF), sind fassungslos – der angekün­digte Europa-Rückzug geht rasend schnell. Allein in den Berliner Büros sollen 80 Prozent der Beschäf­tigten gehen, in Brüssel deutlich über die Hälfte und in Spanien ist das Büro schon dicht. Die OSF des aus Ungarn stammenden US-Milli­ardärs George Soros fördert mit zweistel­ligen Milli­ar­den­be­trägen demokra­tie­stüt­zende Initia­tiven der Zivil­ge­sell­schaft. Ein Grund für den Europa­abzug: Die EU tue genügend für Menschen­rechte und Plura­lismus, nun seien andere Weltre­gionen dran. Experten sehen das anders. welt.de

Europa Personalien

Deutscher EU-Topdiplomat sagt Tschüss:

Einer der ranghöchsten deutschen Diplo­maten bei der Europäi­schen Kommission, der in Hamburg geborene Gunnar Wiegand, ist nach 33 Jahren Tätigkeit für Europa und Amtsver­län­gerung endgültig in den Ruhestand gegangen. Der 66jährige war seit 2016 beim European External Action Service (EEAS) der Geschäfts­füh­rende Direktor für Asien und den Pazifikraum. Damit war er direkt dem EU-Außen­be­auf­tragten Josip Borrell unter­stellt. Wiegand hat zentral die neue EU-China­po­litik mit entworfen, die die Volks­re­publik dreigleisig als Partner, Konkur­renten und syste­mi­schen Rivalen betrachtet. Als seine möglichen Nachfolger gelten eine Italie­nerin sowie ein Schwede und ein Lette. scmp.com

Trans­pa­renz­hinweis: Wiegand ist der Bruder des Verfassers dieser Zeilen. 

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Deutsche Schwäche gut für Europa? 

Der ehemalige Präsident des Kieler Instituts für Weltwirt­schaft, Gabriel Felbermayr beurteilt die derzeitige Wirtschafts­schwäche Deutsch­lands als eine Chance für Europa. 

Das “Rebalancing” in Europa mache die Unter­schiede zwischen Nord- und Südeuropa kleiner: “Für die Eurozone insgesamt ist das stabilisierend.”

Quelle

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EU-Milliarden für Russland-Energie: 

Aller politi­schen und militä­ri­schen Gegner­schaft zum Trotz – Regie­rungen der Europäi­schen Union (EU) bedienen sich weiter massiv auf dem Energie­markt in Russland. Nach einer Analyse der inter­na­tio­nalen Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sation Global Witness sind in den ersten sieben Monaten dieses Jahres fast 5,3 Milli­arden Euro für kreml­kon­trol­liertes Flüssig­erdgas (LNG) ausge­geben worden. Spanien und Belgien langten am kräftigsten hin. Damit trage die EU wesentlich zu den Einnahmen der Regierung in Moskau bei, kriti­siert der Menschenrechtsverband.

Microsoft knickt ein:

Der US-Software­riese Microsoft hat auf Vorwürfe aus der Europäi­schen Union reagiert, er missbrauche seine Markt­macht, um die eigene Kommu­ni­ka­ti­ons­plattform Teams gegenüber Konkur­renten durch­zu­drücken. Ab Oktober gewährt der Konzern in Europa einen Preis­nachlass, wenn man seine Programm­pakete ohne Teams abonniert. Zugleich soll das Zusam­men­spiel von Microsoft-Software mit anderen Konfe­renz­diensten wie Zoom oder GoTo Meeting verbessert werden. heise.de

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„Kleidung toter Westler“:

Gebraucht­kla­motten aus Europa sind künftig im afrika­ni­schen Land Uganda verboten. Präsident Yoweri Museveni wolle mit dem Secondhand-Handels­stopp die eigene Textil­in­dustrie fördern, melden nieder­län­dische Medien. Er bezeichne ausran­gierte Kleidung als “die Kleidung der toten Westler”, weil sie oft von Verstor­benen stamme. Hinter­grund: Außer in Uganda kursieren auch anderswo in Afrika so viele impor­tierte Billig­tex­tilien, dass Geschnei­dertes aus einhei­mi­scher Baumwolle kaum Markt­chancen hat. 

fashionunited.de

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