Europa: Themen der Woche

(Europäische Union) – Was hat die Macher in der EU und Beobachter von Europa vergangene Woche an- und umgetrieben?

  • Deutschland wird in der EU neuer­dings als häufiger Blockierer empfunden – wie kommt’s? Mehr siehe unten.
  • Bauern­pro­teste in ganz Europa wirken: EU-Kommission ist einge­knickt. Scrolle runter.
  • Zahl der Woche: 85.000.000.000. Details siehe unten.

Das alles und noch viel mehr: von WOLF ACHIM WIEGAND

Deutsche Marine nach Arabien unterwegs:

Die deutsche Fregatte “Hessen” ist im EU-Auftrag zur Küste des Jemen gestartet. Gestern (08.02.2024) legte das gerade general­über­holte Kampf­schiff vom Stütz­punkt Wilhelms­haven ab. Auftrag für die Besatzung: Vor der Küste des bürger­kriegs­zer­rüt­teten arabi­schen Landes die inter­na­tio­nalen Handels­schiffe im Roten Meer vor Angriffen der islamis­ti­schen Huthi-Miliz zu schützen. Die Route zwischen Europa und Asien via Suezkanal ist für den Welthandel von größter Bedeutung. 

Das Schiff kann anflie­gende Raketen, Drohnen und Spreng­stoff­boote mit einem Spezi­al­radar in hunderten Kilometern Entfernung orten und sofort abschießen. Auch Frank­reich, Italien und Griechenland sind mit Fregatten für die Europäische Union dabei. 

Die EU-Staaten fassten den Beschluss für Militär­einsatz erst, als die “Hessen” schon abgelegt hatte. Die Operation trägt den Titel “Eunavfor Aspides” (Beschützer). Das operative Haupt­quartier liegt in der griechi­schen Stadt Larissa. Die Führung übernimmt ein griechi­scher Admiral. Der formale Beschluss zum Start soll beim EU-Außen­mi­nis­ter­treffen am 19. Februar in Brüssel gefasst werden. 

Getrennt von der EU-Mission operieren die USA und Großbri­tannien mit Flugzeug­träger-Unter­stützung unter eigenem Kommando. Sie nehmen Ziele auf dem Festland aktiv unter Beschuss, darunter Raketen­ab­schuss­basen und für Schiffe gefähr­liche Stütz­punkte. Eine Kriegs­er­klärung sei das aber nicht, betont US-Präsident Joe Biden. ndr.de/nachrichten

“Das ist der ernst­haf­teste Einsatz einer deutschen Marine­einheit seit vielen Jahrzehnten”

Marine­inspekteur Jan Christian Kaack sieht trotz des defen­siven Auftrages auch deutliche Gefahren
Europas Politik

Ostsee: Flugzeuge in Gefahr! 

Seit mehr als einem Monat erleben Flugzeuge zwischen Dänemark und Finnland üble Störungen ihrer Naviga­ti­ons­si­gnale. Laut Experten werden die GPS-Satel­li­ten­daten wohl elektro­nisch gekapert oder “gefälscht”. Es sei vorge­kommen, dass ein Flugzeug meilenweit von seiner eigent­lichen Route abgewichen sei. 

Hinter der gefähr­lichen Beein­flussung tausender Flugzeuge stecke Russland, heißt es. Berater­kreisen des US-Präsi­denten fordern bereits harte Konse­quenzen. Da Proteste gegen elektro­nische Krieg­führung bislang nichts gebracht habe, müsse jetzt die NATO reagieren, bevor Menschen zu Schaden kommen oder ein Waffengang ausgelöst wird. breakingdefense.com gpsjam.org/

Störungen der Satel­li­ten­na­vi­gation melden auch Schiffs­führer. ndr.de/mecklenburg-vorpommern

Atombombenfrage spaltet Europa: 

Der Vorschlag Emmanuel Macrons, einen Atomschirm über Europa aufzu­spannen, hat lebhafte Diskus­sionen ausgelöst. Der franzö­sische Präsident bietet mit Blick auf die Bedrohung aus Russland und nachlas­sendes US-Engagement erneut an, das franzö­sische Nukle­ar­po­tenzial über die natio­nalen Grenzen hinaus auszudehnen. 

Dazu Bundes­kanzler Olaf Scholz: Er wisse nicht, “was diese Diskussion heute soll”. Auch andere EU-Haupt­städte reagieren verhalten. Macrons rechts­extreme Rivalin Marine Le Pen hält die Inter­na­tio­na­li­sierung franzö­si­scher Atomwaffen für Vater­lands­verrat. derstandard.de

Deutschland am Europa-Pranger:

Der jahrzehn­te­lange EU-Muster­knabe Deutschland steht in Brüssel unter Beobachtung. Ob Liefer­ket­ten­gesetz, Verbrenner-Pkw oder Künst­liche Intel­ligenz – überall nimmt Berlin nach der Wahrnehmung kriti­scher Partner eine Blocka­de­haltung ein, oft in letzter Minute. 

Besonders viel Fett bekommt die FDP weg, weil der Wider­stand der Ampel­re­gierung meistens aus ihren Reihen kommt. Die Liberalen erklären das mit inhalt­lichen Gründen wie bürokra­ti­schen Mehrbe­las­tungen. Im politi­schen Gerangel knuffen jedoch eher die Seiten­hiebe gegen Deutschland. tagesschau.de

„Bis 27 Länder zu einer Linie gefunden haben, kann es dauern, stocken und ruckeln… Das wird nicht nur von Deutschland praktiziert.“

Christian Feld von der ARD Brüssel ist Zöger­lich­keiten gewohnt

„Es kann nicht sein, dass sich Deutschland wiederholt bei wichtigen europäi­schen Entschei­dungen in letzter Minute enthält“

Anton Hofreiter (Grüne), Vorsit­zender des Europa­aus­schusses im Bundestag

85.000.000.000 

Die EU und ihre Mitglied­staaten haben der Ukraine seit dem Überfall Russlands rund 85 Mrd. Euro an Unter­stützung gezahlt. Das geht aus einer aktuellen Aufstellung der Europäi­schen Kommission hervor.

Militä­rische Hilfe ist mit 27 Mrd. Euro nur der zweit­größte Betrag, den die 27 Mitglieds­staaten trans­fe­riert haben. Den größten Batzen umfassen Finanz­hilfen, Budget­hilfen und humanitäre Hilfe (über 31 Mrd.). Die anderen Summen sind Unter­stützung für Flücht­linge in der EU (17 Mrd.) sowie Zuschüsse, Darlehen und Garantien (9,45 Mrd.). consilium.europa.eu

Europas Wirtschaft

In ganz Europa: Geld kommt in zehn Sekunden…

Per Klick eine Banküber­weisung tätigen – längst eine Selbst­ver­ständ­lichkeit. Doch manchmal dauert es nach dem elektro­ni­schen Befehl mehrere Stunden, wenn nicht Tage, bis ein Betrag beim Empfänger aufläuft. 

Das muss anders werden, dachten sich die Abgeord­neten des Europäi­schen Parla­ments. Eine neue Verordnung soll nun sicher­stellen, dass Überwei­sungen günstig und unver­züglich bearbeitet werden – und zwar innerhalb von zehn Sekunden. Der Text aktua­li­siert die Regeln des einheit­lichen Euro-Zahlungs­ver­kehrs­raums (SEPA). europarl.europa.eu

Containerkrise noch glimpflich: 

Die wichtigste Seeroute zwischen Europa und Asien via Suezkanal und Rotes Meer ist ein Rinnsal geworden. Wegen der Angriffe der Huthi-Terro­risten auf Fracht­schiffe meiden so viele Reede­reien die Strecke, dass derzeit über 80 Prozent weniger Container durch­laufen als sonst, meldet das Institut für Weltwirt­schaft Kiel (IfW).

Die Folgen für deutsche Häfen wie Hamburg und Bremer­haven: Die Menge ankom­mender Schiffe ist um 25 Prozent geschrumpft. Ihr Umweg um Afrika und das Kap der Guten Hoffnung heißt rund zwei Wochen mehr Fahrt. Dennoch seien die gesamt­wirt­schaft­lichen Auswir­kungen „überschaubar“, berichtet das IfW. verkehrsrundschau.de

Europa bringt Bauern Opfer: 

Unter dem Eindruck massiver Proteste von Landwirten in ganz Europa hat die Europäische Kommission ihr Vorhaben gegen den Einsatz von Pesti­ziden im Agrar­be­reich zurück­ge­zogen. Der Gesetz­entwurf sei zu einem “Symbol der Polari­sierung” geworden, sagte EU-Kommis­si­ons­prä­si­dentin Ursula von der Leyen. Die Halbierung verwen­deter Unkraut­ver­nich­tungs­mittel bis 2030 kommt somit erstmal nicht. faz.net

Unter­dessen will die sozial­de­mo­kra­tisch geführte Regierung in Spanien ähnlich wie die Bundes­re­gierung protes­tie­rende Bauern mit Zusagen beschwich­tigen. euractiv.de

Deutschland droht Rezession: 

Die Wahrschein­lichkeit eines Abflauens der Wirtschafts­leistung ist auf dem europäi­schen Kontinent außer in der kriegs­ge­beu­telten Ukraine (41%) am größten in Deutschland, dem Verei­nigten König­reich und den Nieder­landen (alle 38%). Das teilt das ifo Institut (München) mit, das regel­mäßig den Geschäfts­kli­ma­index ermittelt. Haupt­ur­sachen für die Rezes­si­ons­gefahr seien geopo­li­tische Ereig­nisse wie kriege­rische Konflikte und das Ansteigen der Energie­preise. ifo.de

Europa – Letzte Generation klebt an Wahlphantasien: 

Nachdem sie mit Hände­fest­kleben auf Straßen, Bürger­blo­ckaden und Farbat­tacken gescheitert ist, will die extreme Klima­gruppe „Letzte Generation“ zur Europawahl antreten. 

Die Erfolgs­chancen auf Erreichen der neuen Geldquelle sind gering. Es braucht binnen weniger Wochen bundesweit geset­zes­kon­forme Struk­turen, Kampa­gnengeld und tausende Unterschriften. 

Eine Sperr­klausel des Europäi­schen Parla­ments gegen Spaßpar­teien, Ein-Thema-Einzel­gänger und krude Weltan­schau­ungs­ak­ti­visten gibt es nicht. Sie wird aber für 2029 einge­führt. fr.de twitter.com/carla_hinrichs 


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