Europa: Themen der Woche

(Europäische Union) – Was hat die Macher in der EU und Beobachter von Europa vergangene Woche an- und umgetrieben?

  • Die größte Sorge Europas ist angemessene Vertei­digung: Russland rüstet atomar im All, Trump scheint Europa fallen zu lassen und die Ukraine stöhnt – alles riesige Problem­berge. Mehr siehe unten.
  • Europas Landbe­völ­kerung fühlt sich gegenüber den Städtern abgehängt. Das hat tiefgrei­fende politische Folgen. Scrolle runter.
  • Zahl der Woche: 0,9. Das erscheint klein. Hat aber enorme Folgen… Details siehe unten.

Das alles und noch viel mehr: von WOLF ACHIM WIEGAND

Russland-Gefahr im All:

Die US-Regierung hat ihre Verbün­deten über Kreml-Pläne zur Aufrüstung mit Atomwaffen im Weltall infor­miert. Das berichten mehrere Medien. Es handle sich um ein nukleares Anti-Satel­li­ten­system, das die USA als ernst­hafte Bedrohung einstufen. 

Eine solche Waffe könnte die zivile Kommu­ni­kation, die Überwa­chung aus dem All und militä­rische Opera­tionen blockieren. Insider werfen die Frage auf, ob Russland den Weltraum­vertrag von 1967 aufgibt, der alle orbitalen Atomwaffen verbietet. Aus Moskau kommen zu den Geheim­dienst­in­for­ma­tionen bislang nur Dementis. nytimes.com/intelligence reuters.com/world

Europas Politik

Müssen wir Trump danken? 

Die für weite Teile Europas lebens­be­droh­liche Unflä­tigkeit des wohl unver­meid­lichen US-Präsi­dent­schafts­kan­di­daten Donald Trump könnte Gutes bewirkt haben. Der Erratische habe Europa „mit einem Schlag aus der Enge der ameri­ka­ni­schen Sicher­heits­blase befreit,“ meint das einfluss­reiche Newsportal POLITICO. Der US-Schutz sei längst faktisch weg. politico.eu morgenpost.de

Der republi­ka­nische US-Präsi­dent­schafts­möch­tegern hatte mit der Aussage, er werde Putin „ermutigen“, säumige NATO-Länder anzugreifen, für inter­na­tio­nales Entsetzen gesorgt. theguardian.com Verbündete werten die Rede als Steigerung bishe­riger Äußerungen des 77jährigen Rechtspopulisten. 

„Jede Andeutung, dass Verbündete sich nicht gegen­seitig vertei­digen werden, unter­gräbt unsere gesamte Sicherheit“ 

Eine der schärfsten Reaktionen auf Trump kam von NATO-Chef Jens Stoltenberg persönlich.

Unter­dessen wird bekannt: 18 NATO-Länder erfüllen das Zwei-Prozent-Ziel – auch Deutschland. Nach Beschlusslage des Vertei­di­gungs­bünd­nisses sollen die 31 Mitglied­staaten jeweils zwei Prozent ihrer Wirtschafts­leistung in das Militär inves­tieren. Dabei gibt es Fortschritte. t‑online.de

„Was die Europäer nicht gerne hören, ist, dass Trump Recht hat: Sie sind Tritt­brett­fahrer und es war schon immer unrea­lis­tisch, zu erwarten, dass die USA dauerhaft die Rechnung für ihre Sicherheit übernehmen.“

Das Magazin POLITICO nimmt kein Blatt vor den Mund

AEGEAN SEA. The Military Sealift

Atomwaffen für die EU? 

Nach Äußerungen der SPD-Europa­spit­zen­kan­di­datin Katharina Barley debat­tiert Europa über Nukle­ar­be­waffnung. Die Ex-Justiz­mi­nis­terin hatte befür­wortet, im Rahmen einer EU-Armee über Atomaus­rüstung zu reden. deutschlandfunk.de

Präsident Emmanuel Macron will Frank­reichs Potenzial wegen russi­scher Bedro­hungen und Trump ’scher Absetz­ge­danken in EU-Dienste stellen. Das sei Vater­lands­verrat, wettert seine rechts­extreme Rivalin Marine Le Pen. taz.de

Polens Premier Donald Tusk findet – ähnlich wie FDP-Chef Christian Lindner – eine Europäi­sierung von Atomwaffen sei „wirklich ernst“ zu nehmen. Noch weiter geht der einstige Nationale Sicher­heits­be­rater Polens, Briga­de­ge­neral Jaroslaw Kraszewski: Er will sein Land national nukle­ar­fähig machen – das böte Polen „ein unver­gleich­liches Maß an Sicherheit.“ newsweek.com welt.de

„Das Thema ‚Atomar‘ gehört nicht in der Öffent­lichkeit diskutiert“

Marie-Agnes Strack-Zimmermann MdB will abrüsten. Sie ist FDP-Europa­spit­zen­kan­di­datin und Vorsit­zende des Bundestagsverteidigungsausschusses

Schwarze Liste:

Russland fahndet nach 160 Politikern und Beamten aus Europa. Darunter ist Kaja Kallas, Regie­rungs­chefin von Estland. Ihr “Verbrechen”: Sie hat den Abbau von Denkmälern aus der Sowjetzeit angeordnet. dw.com

“Spanien ist das gastfreund­lichste Urlaubsland Europas”

Das zeigt eine Auswertung des Ferien­haus­an­bieters Holidu

0,9 

Die Wirtschaft in der EU wird in diesem Jahr nach einer Prognose der Europäi­schen Kommission mit 0,9 Prozent langsamer wachsen als zuletzt erwartet. Die Behörde senkt ihre Prognose zum dritten Mal in Folge.

Europas Wirtschaft
aerial photography of buildings
Jakarta, Haupt­stadt Indone­siens / Photo by Tom Fisk on Pexels.com

Wirtschaftsriese schneidet Europa:

Die Präsi­dent­schaftswahl in Indonesien mit Ex-General Prabowo Subianto (72) als Sieger hat enorme Bedeutung für Europa. Die größte Volks­wirt­schaft in Südost­asien (274 Millionen Einwohner) gilt als Alter­native zum handels­po­li­tisch proble­ma­tisch China – jedoch: Die EU ist in Indonesien nicht wohl gelitten. Sie gelte als „moralisch belehrend und überheblich“, so Beobachter des weltweit größten musli­mi­schen Landes. 

Subianto ist ein Schwie­gersohn des früheren Diktators Suharto. Er lehnt Europa als Handels­partner ab und setzt auf Prognosen, wonach Indonesien bis 2045 aus eigener Kraft weltweit zur Top 5 der Wirtschafts­mächte aufsteigen wird. tagesschau.de

„Wir brauchen Europa nicht mehr wirklich, um ganz offen zu sein“

Der künftige Präsident Indone­siens Prabowo Subianto ist offen und unleidlich
farmer standing by tractor with trailer on field
Photo by Bekir Umut Vural on Pexels.com

„Geographie der Unzufriedenheit“:

Weniger als vier Monate vor der Europawahl ist in allen ländlichen Räumen der Europäi­schen Union deutlicher Unmut der Landbe­völ­kerung zu messen. Das ergibt eine aktuelle Studie des EU-Ausschusses der Regionen (AdR), der Versammlung von Gebiets­kör­per­schaften wie der Bundesländer. 

Laut Unter­su­chung fühlen sich Europäer außerhalb der Städte in einer Art Falle aus wirtschaft­lichem Still­stand, geringen Einkom­mens­zu­wächsen und mangelnden Joban­ge­boten. Dazu komme der Abbau öffent­licher und privater Dienst­leis­tungen auf dem Land. Nutznießer seien populis­tische und EU-skeptische oder gar ‑feind­liche Parteien. focus.de/politik

Eiszeit in Europa:

leafless tree under gray sky

Klima­schützer warnen vor schäd­licher Erder­wärmung – doch nun zeigt eine neue komplexe Compu­ter­si­mu­lation in unseren Breiten­graden etwas ganz Anderes. In weiten Teilen Europas könne eine Frost­pe­riode bevor­stehen, sagen Forscher der Univer­sität Utrecht in den Nieder­landen: „Wir bewegen uns auf einen Kipppunkt zu“. 

Ursache für die Kälte sei ein abrupter Zusam­men­bruch der atlan­ti­schen Meeres­strö­mungen. Und das schon bald. Folge: Eine der wichtigsten Klima- und Ozean­kräfte des Planeten kommt zum Erliegen, senkt die Tempe­ra­turen in Nordwest­europa um fünf bis 15 Grad Celsius und verdrängt das arktische Eis nach Süden. businessinsider.de


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