Europa: Themen der Woche
(Europäische Union) – Was hat die Macher in der EU und Beobachter von Europa vergangene Woche an- und umgetrieben?
- Die NATO wird niederländisch: Mark Rutte könnte Generalsekretär werden. Was das bedeutet? Siehe unten.
- Die Ukraine verreckt, weil westliche Munition fehlt. Zugleich schwindet Europas Glaube an den Sieg Selenskyjs. Ich finde das zum Kotzen! Scrolle runter.
- Russen-Gas abgedreht, Ami-Gas angedreht: Europa taumelt in eine neue Abhängigkeit… Details siehe unten.
Das alles und noch viel mehr: von WOLF ACHIM WIEGAND

Kommandowechsel bei der NATO:
Der scheidende Premierminister der Niederlande, Mark Rutte, hat beste Chancen, Nachfolger des Norwegers Jens Stoltenberg als NATO-Generalsekretär zu werden. Seine Aufgaben wären enorm: Krise mit Russland, Ukraine-Krieg, schwindende Europalust der USA. Hier mein Hintergrundbericht.

„Rutte kann eine Botschaft überbringen, die knallhart ist, aber mit einem samtenen Lächeln“
Ton Elias, ehemaliger niederländischer Abgeordneter von Ruttes Partei VVD
Deutschland wird Zentrum für EU-Antigeldwäschekampf:

Die neue europäische Anti-Geldwäschebehörde (kurz: Amla) bekommt ihren Sitz in Frankfurt am Main. Das haben die 27 Außenminister des Staatenverbundes und das Europäische Parlament beschlossen.
Aufgabe ist es, Fahndungen nach illegalen Geldströmen zu koordinieren sowie Sanktionen und Geldstrafen gegen Täter zu verhängen. hessenschau.de finanzen.hessen.de (Reaktionen)

Zweites deutsches Kriegsschiff ins Rote Meer:
Die Fregatte “Hamburg” hat den Befehl zur Vorbereitung auf den Anti-Terror-Einsatz im Roten Meer bekommen. Sie soll im April das Schwesterschiff „Hessen“ ablösen, das gerade nach dort unterwegs ist. Mensch und Maschinen seien dann fast acht Monate auf See gewesen und benötigten Regeneration, heißt es. Laut Medienberichten übt die “Hamburg” bereits das Löschen von Bränden und die Bekämpfung von Leckagen. merkur.de

EU-Marinemission zu kurz gedacht?
Der Einsatz von EU-Kriegsschiffen zum Schutz der Schifffahrt vor Terrorangriffen im Roten Meer weist „markante Schwächen“ auf. Darauf weist die einflussreiche Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) hin, die Bundestag, Bundesregierung und andere Entscheidungsträger berät.
Bemängelt wird unter anderem, dass Deutschlands Fregatte „Hessen“ und ihre Partner wegen des reinen Defensivcharakters ungenügend gegen dauerhafte Angriffe geschützt seien. Dadurch sei die EU-Operation abhängig von der Präsenz der offensiv agierenden USA – und müsse bei deren Abzug blankziehen. swp-berlin.org

“Europa besteht aus Staaten, die sich nicht vorschreiben lassen wollen, was sie selbst beschlossen haben.”
Werner Schneyder, östr. Kabarettist

Europa konzeptlos in die Krise?
Wenige Tage nach der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) scheint unter westlichen Militärexperten eine gewisse Katerstimmung zu bestehen. Das ist aus dem Fazit einer österreichischen Politikwissenschaftlerin zu ziehen. Die europäischen Regierungen erwiesen sich „unglücklicherweise“ den enormen Aufgaben wie dem Ukraine-Krieg, dem flächenbrandgefährdeten Nahen Osten und der Instabilitäten durch Russlands hybride Kriegsführung „nicht gewachsen“. Die Situation erfordere aber kurzfristiges Handeln, langfristiges Engagement und einen Mentalitätswandel in Sachen Führung. derstandard.at tagesschau.de
„Wenn sich die EU nicht zusammenreißt, könnte 2024 als das Jahr in Erinnerung bleiben, in dem die Ukraine aufgegeben wurde“
Daniela Schwarzer, Politologin, Vorstandsmitglied der Bertelsmann-Stiftung

Toter Nawalny beschäftigt Politik und Menschen:
Zahlreiche europäische Regierungen haben in Reaktion auf den weiterhin ungeklärten Tod des inhaftierten Oppositionellen Alexej Nawalnys die jeweiligen russischen Botschafter einbestellt. Der 47jährige wichtigste Widersacher von Präsident Wladimir Putin war vor wenigen Tagen in einer Strafkolonie am Polarkreis gestorben. Seine Leiche wird bislang der Mutter vorenthalten, ist nicht für unabhängige Untersuchungen zugänglich und soll auf Behördendrängen anonym beerdigt werden.
Unterdessen hat eine Oppositionspartei in Moskau einen Trauermarsch mit 50.000 Menschen durch Moskau angemeldet. Die Chancen einer Genehmigung stehen schlecht. welt.de/politik
Ukraine-Fieber schwindet:
Während das Leid in der Ukraine immer größer wird, schwindet der Glaube der Menschen im restlichen Europa an die Erfolgschancen der russisch überfallenen Nation. Laut einer Umfrage des Berliner “European Council on Foreign Relations” (ECFR), erwarten nur zehn Prozent der Befragten einen Sieg der Ukraine. Doppelt so viele rechnen mit einem Gewinn von Kreml-Diktator Wladimir Putin, den der Internationale Strafgerichtshof mit Haftbefehl wegen Kriegsverbrechen sucht.
Unterdessen weisen Experten darauf hin, dass das notorisch untermunitionierte Land zeitnah Nachschub für die Artilleriemunition bekommen könnte: Durch Abgabe europäischer Bestandsmunition, durch Munitionskäufe in Drittstaaten und durch ungenutzte Granaten aus den USA. n‑tv.de/ticker (Umfrage) focus.de/politik (Munition)

150.000
Abgasmanipulation bei BMW: 150.000 Autos in Europa betroffen. Klicke für Details.

Industrie will EU-Deal:
Dreieinhalb Monate vor der Europawahl legt die Industrie ihre Zurückhaltung ab und formuliert Forderungen an die EU-Politik. Allen voran geht Martin Brudermüller, Chef der weltweit größten Chemieunternehmens BASF und Präsident des europäischen Chemieverbandes Cefic. Bei einem Treffen der energieintensiven Industrien ließ er 73 Konzernlenker eine zehn Punkte lange Wunschliste unterschreiben:
Europa ohne Gas-Wahl:
Europa begibt sich nach der Abkehr von russischen Lieferungen gerade in neue Abhängigkeiten – zu den USA. Laut eines Berichtes der US-Denkfabrik Institute for Energy Economics and Financial Analysis (IEEFA) stammt das von Europa importierte Flüssiggas (LNG) zu über der Hälfte aus den Vereinigten Staaten. Das Institut mahnt: Europa müsse aus seinen “vergangenen Fehlern lernen” und vermeiden, “zu sehr auf die USA angewiesen zu sein.“ zdf.de/nachrichten
Neue Russland-Sanktionen:
Die Europäische Union hat gegen über 200 russische Personen neue Sanktionen verhängt. Das 13. Bestrafungspaket seit Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine friert die Vermögen der Betreffenden in der EU ein. Wer mit diesen Russinnen und Russen Geschäfte macht, verhält sich strafbar. Ziel ist es, die militärische und technologische Stärkung Russlands sowie dessen Militärsektor zu schädigen. tagesschau.de

Top 10 der luxuriösesten EU-Städte:

Die luxuriöseste Stadt der Europäischen Union ist Paris. Dahinter folgen London und Amsterdam. Das hat das Ferienhausportal Holidu errechnen lassen.
Auch zwei deutsche Städte enthält das Ranking: Berlin auf Platz 6 und Hamburg auf dem achten Rang. Der Index enthält Kriterien wie Anzahl an Sterne-Restaurants, Angebot an Luxusgeschäften oder Auswahl an Schönheitssalons. reisereporter.de
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