Von Wolf Achim Wiegand

Hamburg (waw) – Kann man der Corona-Pandemie etwas Gutes abgewinnen? Kaum. Auch diese neue Blogausgabe, die erneut über den deutschen Corona-Tunnel­blick hinaus­schaut, enthält wieder viel Trauriges. 

Diese Meldung aber enthält Begrü­ßens­wertes (jeden­falls im Kleinen):

aus “Der Standard”, Wien

Es ist ein ungewohntes Bild: 

Seit zwei Wochen kühlen sich an den Mittel­meer­stränden Israels nicht nur Bewohner des jüdischen Staates, sondern auch Paläs­ti­nenser aus dem Westjordanland. 

Das ist ein durchaus sensa­tio­neller Vorgang.

Dürfen die Menschen aus den besetzten Gebieten doch seit Jahrzehnten nicht so ohne Weiteres das Terri­torium ihrer Besatzer betreten. 

Wie ist das also jetzt möglich?

Die Antwort ist banal: “Im Grenzzaun, der das Westjor­danland von Israel trennt, klaffen große Löcher,berichtet die öster­rei­chische Journa­listin Maria Sterkl. “Jeden Tag marschieren hunderte Paläs­ti­nenser durch, um ans Meer zu fahren.” Die Grenze ist zwar vollge­spickt mit israe­li­schen Video­ka­meras, Bewegungs­meldern und Armee­pa­trouillen. Aber die Soldaten lassen es – derzeit – zu. 

Offenbar will Israel damit “Offenheit” in Corona­zeiten demons­trieren. Denn im Westjor­danland gilt auf Anweisung der arabi­schen Autono­mie­be­hörde der Lockdown. Im liberalen Israel dagegen kann man lustvoll der brütenden Sommer­hitze entgehen – so lautet wohl die Botschaft.

🇪🇺 Europa: Flickenteppich bei Corona-Reaktionen

Der Spiegel listet übersichtlich auf, wie unter­schiedlich die Regie­rungen in Europa die bishe­rigen Corona-Epidemie gemeistert haben. Man mache sich klar, dass auf unserem Kontinent immerhin mehr als 200.000 Menschen an Covid-19 gestorben sind Das entspricht immerhin der Einwoh­nerzahl der Stadt Kassel!

Die natio­nalen Statis­tiken sind zwar wegen nicht einheit­licher Zählme­thoden sorgsam zu betrachten. Aber klar ist: Belgien wurde am härtesten getroffen, das Land kommt auf 87 Covid-19-Toten je 100.000 Einwohner auf Platz 1 der Todes­raten. Auch inter­essant: “Spanien, Italien, Großbri­tannien und die Nieder­lande hingegen haben womöglich nicht alle Corona-Toten als solche erfasst,” das heißt: dort ist die Situation wohl noch schlimmer gewesen, als ohnehin schon offiziell verlautbart. Mehr dazu: klicke auf die oben darge­stellte Twittermeldung.

🇮🇷 Iran: Schönen Mullahs die Zahlen? 

Der Iran gehört gehört zu denje­nigen Ländern, die verdächtig sind, das wahre Ausmaß der Virus­folgen unter der Decke zu halten. Laut der briti­schen Rundfunk­an­stalt BBC zeigen Regie­rungs­do­ku­mente aus Teheran, dass bis Ende Juli rund 42.000 Menschen an Covid-19 starben. Das wären mehr als doppelt so viele wie amtlich angegeben. Auch Amnesty Inter­na­tional und die iranische Exilop­po­sition sind alarmiert. 

Nun meldet eine regie­rungsnahe Publi­kation 341.000 Infizierte. Innerhalb eines Tages seien 2.245 neue Fälle entdeckt worden. Im selben Zeitraum starben 161 Menschen. Nach der Zahl der Toten pro 100.000 Einwohner liegt der Iran hinter Italien und vor Mexiko auf Platz 86 der Weltsta­tistik – offiziell. Die regie­renden Mullahs hatten das Land bereits im April wieder schritt­weise geöffnet, offenbar, weil sie wegen US-Sanktionen stark unter Druck sind. 

🇸🇦 Saudiarabien: Massenbremse in Mekka 

In der Stadt Mekka versammeln sich jährlich um diese Zeit eigentlich Millionen Muslime aus der ganzen Welt zur Pilger­fahrt Haddsch – aber dieses Jahr ist dort alles ganz anders.

Die Wüsten­stadt, die als Geburtsort des Propheten Mohammed und des Glaubens selbst gilt, hat strengste Corona-Regeln erlassen. Nur eine abgezählte Zahl Gläubiger darf die Al-Haram-Moschee aus dem 7. Jahrhundert betreten und die Kaaba umqueren, das Zentral­hei­ligtum des Islams. 

In dem Tweet oben versucht der Absender Mustafa Armağan, ein bekannter türki­scher Publizist, der Situation etwas Positives abzugewinnen: 

“Die Distanz zu Menschen ist nicht so wichtig. Wichtiger ist es, Allah nahe zu sein.” 

Mustafa Armağan

🇵🇭 Philippinen: Corona beflügelt Terrorgruppen

Die Corona­krise hat für die 110 Millionen Einwohner des südost­asia­ti­schen Insel­reiches Philip­pinen gefähr­liche Neben­wir­kungen. Extre­mis­tische Gruppen nutzen die Abstands­regeln propa­gan­dis­tisch aus. So drohen Social­Media-Seiten, die der Terror­gruppe IS zugerechnet werden, mit Gewalt, falls virus­be­dingt geschlossene Moscheen der kleinen Moslem­min­derheit weiterhin unzugänglich bleiben.

Für die USA sind die Propa­gan­da­schlachten peinlich. Sie unter­stützen das philip­pi­nische Militär und müssen nun zusehen, dass die radikalen Gegner nicht verstummen. Dass die Regierung größere Geldmengen vom Sicher­heitsetat abziehen und in den Kampf gegen das Corona-Virus stecken musste, macht die Lage noch verzwickter. 

“Wir sehen in den Philip­pinen wenig Fortschritt bei der Verbes­serung der wirtschaft­lichen, sozialen und politi­schen Situation…”

stöhnt ein US-General.

🌐 Welt: Corona anderswo…

Zum Schluss noch ein augen­zwin­kernder Rundblick in die Welt. Die Grafik oben zeigt Beson­der­heiten und Begeben­heiten der Corona-Pandemie anderswo. 

  • In Peru versuchen drei Zwillinge in den Höhen der Anden ihre Handys auf Empfang für den Online-Unter­richt auszurichten. 
  • In Italien protes­tieren Bräute gegen die coronabe­dingte Verschiebung geplanter Hochzeiten. 
  • In Mexiko: An einem Strand wandert ein junger Mann als Tod verkleidet auf und ab, um Badegäste zu mehr Distanz zu ermahnen… 

Die Welt ist im Banne von Corona. Es ist gut, einmal den deutschen Tunnel­blick zu verlassen und zu schauen, was die Pandemie anderswo anrichtet. Ich meine: 

Der Rundblick ins Ausland zeigt, dass wir in Deutschland keinerlei Grund haben, zu verzagen – das Krisen­ma­nagement von Bund und Ländern hat uns einen bislang beschau­lichen Verlauf der Corona-Pandemie beschert. Lob ist angebracht. Das wird man wohl noch sagen dürfen! 

Photo by cottonbro on Pexels.com

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