⇒ Topic dieses Blogs: Hamburg ist in den vergan­genen Tagen arg gebeutelt worden. Doch trotz anfäng­licher Schock­starre ist die Stadt dabei, die mörde­ri­schen Krawalle am Rande des G20-Gipfels zu bewäl­tigen. Dazu beitragen tut der starke Bürgersinn: in schwie­rigen Zeiten hält die weltoffene Hafen­stadt zusammen.

Von Wolf Achim Wiegand

Hamburg (waw) – Der Schock für uns Hamburger saß tief. Selten hat uns wetter­feste Hanseaten etwas so sehr geschockt, wie der mörde­rische Brand­schat­zungs- und Zerstö­rungszug überwiegend zugereister Polit­kri­mi­neller durch unsere belieb­testen Viertel. Angesichts unfass­barer Bruta­lität hatte sich zunächst so etwas wie eine gedrückte Lähmung über unsere Stadt gelegt, zunächst.

Noch am Sonnabend, dem letzten Gipfeltag, waren auffällig wenige Menschen in der Stadt unterwegs. Ob in der S‑Bahn oder im Bus – überall hörte man gedämpfte Gespräche über Brand­schat­zungen, Gewalt gegen Polizisten und sinnlose Plünde­rungen. Wer ein Handy hatte, der scrollte den ganzen Tag über in den neusten Meldungen umher. Niemand wollte das Abstruse und Unbegreif­liche verpassen.

Klar, es gab auch Angst. Etwa in den Elbvor­orten, wie in meinem idylli­schen Blankenese. Dessen medial immer wieder verwendete Zusatz­be­zeichnung „Nobel­viertel“ erweckt ja den Anschein, als lebten in dem einstigen Fischerdorf nur reiche Menschen. Und so g20-Schildfürch­teten viele einen Raubzug. Händler des farben­frohen Blanke­neser Wochen­marktes schlossen vorzeitig ihre Buden. Apotheken und Cafés machten dicht. Jeder glaubte, gleich würde die Anarcho­walze auch nach Blankenese kommen.

Das war keine unbegründete Furcht. Hatten die schwarz Unifor­mierten doch bereits in vorge­le­genen Stadt­teilen zugeschlagen. Erst stürmte der Mob durch Altona, zertrüm­merte Außen­möbel kleiner Cafés, schlug nicht nur im IKEA-Kaufhaus die Scheiben ein, zündete wahllos parkende Autos an – selbst das Mobil eines Pflege­dienstes ging in Flammen auf. Später zogen die Krimi­nellen durch das gutbür­ger­liche Viertel Othmar­schen, zertrüm­merten in der Einkaufszone Waitz­straße die Fenster aller vier Banken.

Angriffsziele waren vorher markiert

Auf der vielbe­fah­renen Elbchaussee mussten Fahrer eines gestoppten Linien­busses bang erleben, wie ein Trupp hasserfüllter Schwarz­ge­klei­deter vorbeizog, wenige Meter weiter Pkw auflodern ließ und Baustel­len­gitter zu Barri­kaden türmte. Das war von langer Hand geplant, hatte doch die Polizei hamburg­weite Landkarten aufge­griffen, auf denen vermeintlich wohlha­bende Gegenden mit Geldsäcken markiert waren – so auch Blankenese, das schließlich doch verschont blieb.

G20-Abendblatt-DANKEDie gute Nachricht ist: letztlich lassen wir Freie Hanseaten uns nicht kirre­machen! Im kollek­tiven Gedächtnis meiner Stadt ist schließlich die DNA von der Sturmflut 1962 ebenso einge­pflanzt wie die Erinnerung an die Hafen­stra­ßen­kra­walle der 80er Jahre. Immer siegten am Ende Überle­bens­wille, Freiheit – und: solida­ri­scher Bürgersinn.

Und so ist es für uns Hamburger extrem versöhnlich, dass eine einzelne junge Frau mit der Facebook-InitiativeHamburg räumt auf! binnen Stunden weit über 1.000 Hansea­tinnen und Hanseaten mobili­sieren konnten. Nach dem Hans-Albers-Motto „Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern“, dem Volks­spruch „Nu Butter bei die Fische“ und dem Slogan „Nich lang schnacken, Kopp in Nacken!“ rückte die freiwillige Tausend­schaft fast volks­fest­artig gestimmt mit Besen, Eimern und Schaufeln in den betrof­fenen Vierteln ein – so sauber hat es danach dort noch nie ausge­sehen… (Video)

… und so werden die schlimmen Verbrechen am Rande des deutschen G20-Gipfels zwar noch lange in uns Hamburgern haften bleiben. Aber in Hamburg sagt man bekanntlich Tschüss – und besonders laut sagen wir Tschüss zu den unerwünschten „Gästen“ – lasst euch nie mehr blicken!

Und zugleich sagen wir: „Sommer in Hamburch ist, wenn wir trotz Regen lächelnd durch die Stadt laufen.“ In diesem Sinne: „Moin!“ zu allen, die Lust auf die schönste Stadt der Welt haben. Kommt her, denn wir Hamburger sind alle total friedlich!


Entdecke mehr von http://www.european.expert

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E‑Mail zu erhalten.