Israel Rüstung Boykott: Die Bundesregierung hat mit dem begrenzten Lieferstopp für Waffen an Israel zwar nicht den großen Hammer gezogen. Aber sie nährt die gefährliche Illusion, als sei die Anti-Rüstungskeule ein Mittel zur Konfliktlösung. Die Wahrheit ist: Den jüdischen Staat an seiner Verteidigung zu hindern, das würde nicht nur die Menschen in Israel gefährden, sondern auch uns Europäer… Ich analysiere das und habe eine Meinung.
Europa im Blickpunkt
Wiegand wills wissen

Hamburg / Jerusalem (waw) – Raketen, Gewehrkugeln, Bomben – kein anderer Staat steht so unter Attacke, wie Israel. Seit Jahrzehnten leben sie mit Selbstmordattentätern, messerstechenden Frauen und Kinder mit Bombenwesten. Dazu regnen Raketen aus allen Himmelsrichtungen auf die Israelis herab – zehn Millionen jüdische, muslimische, christliche oder drusische Menschen in einem kleinen demokratischen Staat.
Und dennoch stehen die Opfer zwischen See Genezareth und Rotem Meer immer wieder unter weltweiter Kritik, wenn sie sich wehren. Besonders scharf ist die Reaktion im “Westen”. Sie spitzt sich zu, seit die israelische Armee nach dem denkwürdigen 7. Oktober 2023 hart gegen das Gebiet zurückschlug, aus dem die blutrünstigen Attentäter gekommen waren: der Gazastreifen.
Die Oktober-Blutspur hinterließ über 1.200 zum Teil perfide ermordete Menschen, rund 5.000 zum Teil schwer Verletzte und mehr als 240 in den Gazastreifen verschleppte Geiseln. Die Täter: Zum Abschlachten ausgebildete Terroristen, unterstützt von Hunderten, wenn nicht Tausenden wahllos plündernden und mordenden Zivilisten. Vor der Tat im Morgengrauen feuerten die Fanatiker noch etwa 3.000 Raketen aufs nächtliche Israel ab.
Angriffe auf den Angegriffenen
Das Massaker ist der Initialfunke, den man in den Blick nehmen muss, wenn die deutsche Bundesregierung wie verkündet die Waffenlieferungen an Israel einschränkt. Es ist zwar kein vollständiger Lieferstopp, da er nur Ausfuhren betrifft, “die im Gazastreifen zum Einsatz kommen können”. Aber womöglich ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis Berlin dem Druck aus Koalitionskreisen und aus dem Ausland nachkommt.
Israel ist aber nicht nur auf sicherheitspolitischer, sondern auch auf kultureller und moralischer Ebene in den Fokus geraten. So fordern 620 sich für prominent haltende „Kulturschaffende“ mit starkem medialem Echo einen kompletten militärischen Exportstopp gegen Israel – bar jeder Fachkenntnis über Konflikt und militärische Implikationen. Was wie ein hehres moralisches Signal erscheint, birgt in Wahrheit gefährliche geopolitische Konsequenzen – für Israel, für Europa und für Deutschland selbst. Mehr dazu unten.
Waffen als Garant für Überleben
Israel ist nicht irgendein Staat. Es ist ein demokratischer Rechtsstaat inmitten einer Region, in der autoritäre Régime, religiös motivierte Milizen und theokratische Großmächte wie der Iran mit offenen Vernichtungskonzepten operieren. Die Hamas, die den schlimmsten Massenmord an Juden seit der Shoah verübt hat, steht an vorderster Front dieser Rundum-Bedrohung. Wer Israel, das ausschließlich Todfeinde als Nachbarn hat, die militärische Fähigkeit zur Selbstverteidigung nehmen will, nimmt in Kauf, dass Jüdinnen und Juden wehrlos einem drohenden Völkermord ausgesetzt werden.

Ein unbewaffnetes Israel wäre ein Freibrief für Terrororganisationen. Er würde keinen Frieden bringen, wie manche im schick nach Vorschriften geregelten Europa glauben. Stattdessen würde es ein Machtvakuum schaffen – in einer Region, in der Politik noch nie brave Konsensrunden bedeutet hat, sondern Machtkampf. Bis aufs Messer, aufs blutige. Käme Israel ins Straucheln, würden radikale Kräfte die Wehrlosigkeit nutzen. Ihr Ziel: Auslöschung jenes Staates, der auf den Ruinen der Shoah gegründet worden ist.
Es ist politisch naiv zu denken, dass Deutschland in dieser historischen Konstellation die Waffenlieferungen an Israel komplett einstellen könnte, wie es hier und da allen Ernstes gefordert wird – es ist historisch nicht denkbar. Andererseits: Was ist schon nicht denkbar?
Europäische Interessen auf dem Spiel
Doch es geht nicht nur ums israelische Überleben. Ein geschwächtes Israel wäre ein enormer geopolitischer Verlust für Europa. Israel ist ein strategischer Partner im Nahen Osten. Es ist an der Terrorabwehr beteiligt, in der Geheimdienstarbeit aktiv und es engagiert sich in der Cybersicherheit. Nicht zuletzt ist Israel führend im Bereich Hochtechnologie. Alles Bereiche, in denen wir Nachhilfe benötigen.
Wer Israel schwächt, stärkt das fortschrittsfeindliche Mullah-Iran und dessen bissige Hassmaschinen Hisbollah, Hamas und Huthi. Diese Verbrechersyndikate hassen nicht nur Israel. Sie bekämpfen auch westliche Gesellschaften als dekadent und gottlos. Anschläge, Hassreden und Störungen öffentlicher Ordnung durch penetrante Fanatiker in Europa zeigen, was zu erwarten ist.
Die Vorstellung, Europa könne in sicherer geografischer Distanz auf eine neutrale Vermittlerrolle setzen, ist Augenwischerei. Europa kriegt nicht einmal den Ukrainekrieg politisch in den Griff (militärisch sowieso nicht) – wie soll das im Nahost-Geäst gelingen?
Eine Schwächung Israels durch komplette deutsche oder europäische Waffenembargos würde uns international isolieren. Wir würden zum unzuverlässiger Partner gegenüber den USA werden (ja, heute sind auch die USA unzuverlässig). Und gegenüber Israel wirkten wir wie ein zynischer Akteur, der die Staatsraison über Bord wirft. So ein Schritt wäre der Bruch jahrzehntelanger Solidarität in Solidität.
Wer ist wirklich am längeren Hebel?

In der Debatte wird oft übersehen, dass Israel selbst Hightech-Waffen produziert – und exportiert. Israel ist der neuntgrößte Waffenexporteur weltweit – nur knapp hinter dem Vereinigten Königreich. Es liefert Hightech vom Feinsten – von Drohnentechnologie über Raketenabwehr bis hin zu Überwachungssystemen. Der Merkava MK IV gehört zu den zehn besten schweren Kampfpanzern (MBT) weltweit. Israelisches Know-how ist fest und unverzichtbar in europäische Sicherheitsstrukturen integriert und soll es künftig noch weit stärker sein.
Beispiel Bundeswehr: Unter Hochdruck erwartet die Bundeswehr derzeit die in Israel bestellte Langstrecken-Raketenabwehr Arrow 3 (den Iron Dome hätten wir auch gerne lieber bald als spät). Dieser Milliardendeal ist ein zentraler Teil des Aufbaus europäischer Streitkräfte gegen die Bedrohungen aus Russland. Arrow 3 dient zur Abwehr ballistischer Raketen bis außerhalb der Erdatmosphäre. Das ist ein absolutes Muss zur Abwehr russischer Bedrohungen.
In Deutschland beziehen Entscheidungsträger zudem Heron Drohnen, Sensor-Pakete und Kommandozentralen mit israelischer Beratung und Technologie – um nur Einiges aus dem Arsenal zu erwähnen. In vielen Joint Ventures (z. B. Rafael Zeiss, Rheinmetall Israel Military Industries) stecken israelische High Tech-Komponenten (Avionik, Kommunikation, optische Systeme), ebenso in deutschen Waffen und Fahrzeugen. Funkgeräte vom Typ E LynX SDR sind elementar für taktische Vernetzung von NATO-Truppen.
| Kategorie | System / Produkt | Einsatzland | Status / Abhängigkeit |
|---|---|---|---|
| Luftabwehr | Arrow 3 / Arrow 4 | Deutschland | Lieferung ab 2025; aktive Integration |
| Panzerabwehr | Trophy APS (Leopard 2) | Deutschland | Erstausrüstung ab Ende 2024 |
| Raketenartillerie | PULS Multiplikator (Elbit) | Deutschland, Niederlande, Dänemark | Beschafft ab 2025, eng gekoppelt |
| Kommunikation / Netz | E‑LynX SDR | Deutschland | Eingebettet in Bundeswehr-Kommunikation |
| Kleinwaffenvisier | Smart‑Shooter SMASH | Deutschland | Hunderte Visiere im Einsatz |
| UAV‑Technologie | Heron, Heron TP | Deutschland, EU | Komponenten für Aufklärung & ISR |
Israel gegen Rüstungsboykotts nicht wehrlos
Ein abrupter Bruch der Waffenkooperation würde Deutschland und Europa von sicherheitsrelevanten Technologien abschneiden – nicht umgekehrt. Denn Israel könnte sich wehren. Es ist autark genug, einen militärischen Boykott mit Gegenmaßnahmen zu beantworten. Gegenüber Großbritannien hat die Regierung Netanjahu gerade genau das angedroht. Der symbolische Schaden eines deutschen Ausstiegs aus der Rüstungskooperation wäre enorm, aber der strategische Verlust für Europa noch größer.

Israel ist autark genug, einen militärischen Boykott mit Gegenmaßnahmen zu beantworten. Der symbolische Schaden eines deutschen Ausstiegs aus der Rüstungskooperation wäre enorm, der strategische Verlust für Europa aber noch größer.
Letztlich könnte Israel sich militärisch mit anderen Partnern wappnen, etwa mit asiatischen Mächten. Indien ist sein größter Rüstungsabnehmer – mit der aufstrebenden Atommacht geht bestimmt noch mehr. Außerdem könnte sich Israel vollständig an die USA ankoppeln, die sowieso schon 69% der israelischen Rüstungsimporte bestreiten.

Der moralische Absolutismus der Kulturszene
Wer jedenfalls glaubt, Israel sei vom guten Willen deutscher „Kulturschaffender“ abhängig, verkennt die Realität globaler Rüstungs- und Sicherheitsbeziehungen. Besonders irritierend ist der moralische Tonfall, mit dem manche deutschen Intellektuelle und Künstler den Waffenstopp fordern – als wäre Israel ein Angriffsakteur und nicht ein angegriffener Staat.
Die Forderung aus Deutschland wirkt wie ein makabrer Etikettenschwindel – sie kommt aus einem Land, wo jüdisches Leben bis heute Polizeischutz braucht und in dem Antisemitismus in Kultur und im Straßenbild wieder salonfähig ist. Es geht diesen “Kulturschaffenden” – in unterstelle mal: gedankenlos – um eine wohlfeile Selbstinszenierung auf Kosten jüdischer Sicherheit.
Auf Israel draufzuschlagen ist bei der Caffè-Latte-Schickeria schick geworden. Nur wenige verweigern sich dem Trend. Dazu gehört der Sänger und Komponist Heinz-Rudolf Kunze:
Es ist für mich selbstverständlich, dass der jüdische Staat, der um seine bloße Existenz kämpft, auch Waffen erhält. – Heinz-Rudolf Kunze in der Berliner Zeitung
Widerspruch auch von der ehemaligen Berliner Volksbühnen-Schauspielerin Sarah Maria Sander, einer 30-jährigen deutschen Jüdin mit russischen, ukrainischen und aserbaidschanischen Wurzeln. Sie gilt als die frische junge Stimme deutscher Zionisten:
„Eure politische Haltung, euer Aktivismus ist nichts, es ist eine Show. Es ist Gratismut ohne Risiko, ohne Haltung“ - So sagt es Sarah Maria Sander, die auf eigene Faust als freie Journalistin aus Israel berichtet.
Die moralische Selbstüberhöhung in Künstlerklubs und auch in der Politik blendet das asymmetrische Kräfteverhältnis zwischen Israel und seinen Feinden aus. Die Hamas betreibt gezielte Zivilopferpolitik: Sie versteckt Waffen in Krankenhäusern und Schulen – um genau die Empörung zu erzeugen, die nun aus deutschen Theatern, Galerien und Talkshows hallt. Das Drehbuch der Todfeinde Israels geht voll auf. Und nicht vergessen: Immer noch schießen die Huthi aus dem Jemen tödliche Raketen ab – fast jeden Tag ist Luftalarm in Israel.

In den Medien “vergessen”: Immer noch schießen die Huthi tödliche Raketen aus dem Jemen ab. Nach wie vor ist fast jeden Tag Luftalarm in Israel. Dabei handelt es sich nicht um Feuerwerkskörperchen… (Grafik: @ungemeve)
Fazit: Realpolitik ist keine Herzlosigkeit
Deutsche Waffenlieferungen an Israel sind kein Ausdruck von Militarismus. Israel lebensfähig halten ist die ethisch gebotene Übernahme von Verantwortung – historisch, politisch, strategisch. Wer sie stoppen will, sollte wissen, was er riskiert: die Sicherheit eines demokratischen Staates, die Stabilität einer ganzen Region, das Vertrauen in Deutschlands Bündnistreue – und das Leben von Menschen, die, seit vielen Generationen, immer wieder die Zielscheibe eines eliminatorischen Antisemitismus sind.
Ein moralisch motivierter totaler Waffenstopp gegen Israel wäre in Wirklichkeit ein Akt der deutschen historischen Ignoranz und der europäischen geopolitischen Selbstschwächung.

Israel Rüstung Boykott
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