Europa im Blick­punkt – Wiegand wills wissen” – Kolumne für FORUM – Das Wochen­ma­gazin. Heutiges Stichwort: Massen­tou­rismus. Immer mehr Städte und Regionen begehren gegen die Überflutung durch Urlauber auf. 

Titelbild KI-generiert

Europa Flagge Kommentar EU-Kommission Massentourismus

Europa im Blickpunkt
Wiegand wills wissen

Vielleicht haben Sie es im Urlaub mitbe­kommen. Immer mehr Einhei­mische europäi­scher Ferienorte mucken gegen Tourismus auf. Nicht, weil sie Fremde nicht mögen, sondern weil sie ins Abseits gedrückt sind. Mancherorts sperren Ansässige sogar Strände ab.

Ob Florenz, Teneriffa oder selbst im abgele­genen Island: Immer mehr Menschen drängen sich dort. Die Folgen für Bewohner sind fies. Keine Rückzugsorte mehr für Locals, Schmutz und Trubel, unbezahlbare Wohnungen oder Infra­struktur, die nur Gäste­wünsche bedient.

Das kann nicht gutgehen. Es braucht ein Umdenken. In betrof­fenen Orten ebenso, wie bei Reise­ver­an­staltern. Es gilt Ferien­freude und Ansäs­si­gen­rechte zu verbinden. Heimat darf kein Horror sein.

Als deutscher Tourist im Ausland steht man vor der Frage, ob man sich anständig benehmen muss oder ob schon deutsche Touristen dagewesen sind – Kurt Tucholsky

Massentourismus ärgert Einheimische

Barcelona, Stadt des Massentourismus
Quelle: spain.info

So, wie in Barcelona. Ganze Quartiere bestehen fast nur aus Tages­miet­woh­nungen. Die mit Stolz für Olympia 1992 geschaffene künst­liche Strand­front wurde zum überla­denen Hotspot. So, wie die Wunder­ba­silika Sagrada Família. Gedränge mit Ramsch- und Imbiss­shops sind für die abgedrängten Katalanen kein Mehrwert. Protest regt sich laut und seit Langem.

Lösungs­an­sätze gibt es: 

  • Kopen­hagen prämiert Rad fahrende Touristen mit kosten­losen Mittag­essen, Kaffee oder einer Kajaktour. 
  • Kroatien will Besucher aus Dubrovnik weg- und zu neuen Wellness- und Gesund­heits­an­ge­boten im Landes­in­neren umleiten. 
  • In Berch­tes­gaden soll die „Maxl“-App den Königssee und das Salzbergwerk entlasten und statt­dessen reizvolle Klammen promoten. 

Devise: Lieber weniger hochwer­tigen als noch mehr kurz durch­zie­henden Fremden­verkehr anlocken.

Das Problem Massen­tou­rismus ist komplex. Es braucht mittel- bis langfristige Konzepte. Ziel: Typische Identität und Authen­ti­zität erhalten ohne Touristen zu vergraulen. Das hinzu­kriegen ist die große Aufgabe für betroffene Kommunen.

Eine Kolumne von Wolf Achim Wiegand, freier Journalist mit EU-Spezialisierung


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