Medien Journa­lismus Israel: 📌 Die Berichte von Tages­schau und Tages­themen aus Tel Aviv und Jerusalem folgen seit Jahren einem festen Täter-Narrativ. Die Bericht­erstattung der ARD zeigt vor allem Gaza – aber kaum den jüdischen Staat als vielfältige Gesell­schaft. Warum das kein Zufall ist, sondern ein journa­lis­ti­sches Problem.

Europa im Blickpunkt
Wiegand wills wissen

Geschätzte Lesedauer: 7 Minuten

Medien Journa­lismus Israel

Wenn Haltung Journalismus ersetzt

Warum Sophie von der Tann und das ARD-Team Israel nicht erklären – und trotzdem Preise bekommen

Von Wolf Achim Wiegand (Fotos: KI) 

🌍 Hamburg/Tel Aviv (waw) – Die TV-Bericht­erstattung der ARD aus Israel steht seit Jahren in der Kritik. Wer als deutscher Fernseh­zu­schauer verstehen möchte, wie Israel lebt, denkt, arbeitet und streitet, bleibt nach Beiträgen aus dem ARD-Studio Tel Aviv erstaunlich ratlos. Statt fundierter Israel-Analyse dominiert ein monothe­ma­ti­sches Narrativ: Das Medienbild Israels im öffentlich-recht­lichen Rundfunk beschreibt Gaza als perma­nenten Ort des Leidens, Israel als abstrakten militä­ri­schen Akteur.

Kritik an Gaza-Korrespondentin Sophie von der Tann als Israelhasserin

Diese journa­lis­tische Schieflage ist kein Zufall – sie ist struk­turell bedingt. Und sie wird durch Auszeich­nungen sogar noch belohnt.

Israel-Berichterstattung der ARD: Ein Land ohne Alltag

Sophie von der Tann ist Israel-Korre­spon­dentin der ARD. Die junge Frau sieht sich massiver Kritik ausge­setzt. Der Vorwurf lautet unter anderem: Einseitige Darstel­lungs­weisen im Gaza-Konflikt. Sie kennt den Vowurf, weist ihn aber zurück. Dennoch stimmt: Israel in seiner Vielfäl­tigkeit und mit seinen Höhen und Tiefen kommt in ihrer Bericht­erstattung diffe­ren­ziert kaum vor – es existiert nicht als lebendige Gesellschaft.

Das Land, aus dem von der Tann berichten soll, erscheint nicht als komplexe Demokratie. Wir hören und sehen nichts von Israels inneren Erfolgen und seinem Alltags­leben. Kaum ein Wort über die kultu­relle Vielfalt oder die wirtschaft­liche und wissen­schaft­liche Dynamik. 

Der Fernseh­zu­schauer erlebt Israel fast ausschließlich als Konflikt­partei im Gaza-Krieg – als dominiere das die Wirklichkeit der Israelis. Was fehlt, ist auffällig:

📍Das Alltags­leben in Tel Aviv und anderswo,
📍gesell­schaft­liche Debatten neben der Paläs­ti­na­frage,
📍wirtschaft­liche Entwick­lungen,
📍kultu­relle Vielfalt,
📍die Perspek­tiven normaler Familien, Bauern, Reser­visten, Unter­nehmer oder Künstler.

An die Stelle multi­di­men­sio­naler, facet­ten­reicher News und Kurzfea­tures treten wieder­keh­rende Erzähl­muster, die sich darauf beschränken, Israel als Aggressor darzu­stellen. – Verband Jüdischer Journa­lis­tinnen und Journalisten

Es gibt natürlich auch Kritik an der Kritik. Etwa von der Lobby­gruppe Reporter ohne Grenzen (ROG), die eine “Diffa­mie­rungs­kam­pagne” unter­stellt, um “kriti­schen Journa­lismus zu delegi­ti­mieren”. Pikant: ROG erhielt selbst am gleichen Tage wie von der Tann den begehrten Friedrichs-Preis. 

Aber eine Bericht­erstattung, die das Land nicht erklärt, sondern auf ein Thema reduziert, verfehlt ihren journa­lis­ti­schen Auftrag. Im deutschen Journa­lismus über Israel zeigt sich das deutlich. Ich habe das in anderem Zusam­menhang schon einmal ausführlich beschrieben: Das Propa­ganda-Netzwerk der Terro­risten – Verliert Israel den PR-Krieg? (Analyse).

Gaza-Berichte: Emotionalisierung statt Einordnung

Verzerrtes Bild über Israel und Gaza - Kritik am Journalismus der ARD

Parallel dazu sendet die ARD nahezu täglich emotional aufge­ladene Berichte aus Gaza. Trümmer, Tränen, verletzte Kinder – Bilder, die zweifellos echtes Leid zeigen. Doch Journa­lismus darf nicht beim Mitgefühl stehen bleiben. 

Fragen über Fragen: Warum wird nie erwähnt, was Araber seit Jahrzehnten für Gräuel­taten an Israelis begehen? Warum wird der Terror der Hamas-Diktatur gegen das eigene Volk nicht thema­ti­siert? Warum werden Täter, die jede mensch­liche Ethik und Moral verachten, wie Opfer ins Bild gesetzt? Warum verlässt man sich auf Videos von “Mitar­beitern”, die im unbetret­baren Gazastreifen nur mit Hamas-Duldung Bilder für westliche Medien übermitteln können? 

Auffällig ist die emotionale Asymmetrie:
Paläs­ti­nen­si­sches Leid wird perso­na­li­siert und intensiv bebildert,
israe­li­sches Leid hingegen abstra­hiert oder relativiert.

Terror­an­schläge verschwinden hinter Formu­lie­rungen wie „Eskalation“ oder „Gewalt­spirale“. Die Hamas wird sprachlich entkernt, während Israel moralisch aufge­laden darge­stellt wird. Diese Einsei­tigkeit prägt die Wahrnehmung eines gesamten Konflikts – besonders beim Publikum ohne tiefere Vorkenntnisse.

Die deutsche Israel-Bericht­erstattung war noch nie ein Aushän­ge­schild des deutschen Journa­lismus. Zu wenig Expertise, zu viele vorschnelle Ratschläge, regel­mäßig kontra­fak­tische Vorwürfe, absurde Headlines samt Täter-Opfer-Umkehr. - Philipp Peyman Engel, Chefre­dakteur Jüdische Allgemeine

Warum deutsche Medien Israel anders behandeln

Die Ursachen dieser Schlag­seite liegen weniger im Nahen Osten als in Deutschland selbst. In vielen deutschen Medien wird Israel nicht als reales Land betrachtet, sondern als moralische Projek­ti­ons­fläche. Histo­rische Schuld, politische Haltung und kultu­relle Selbst­ver­ge­wis­serung überlagern die journa­lis­tische Neugier.

Gaza eignet sich für diese Logik ideal: Empathie ohne Wider­spruch, Betrof­fenheit ohne Zumutung. Israel hingegen stört dieses Narrativ – weil es stark, selbst­be­wusst und wider­sprüchlich ist.

Medien und Journalismus über Israel – Kritik an der Berichterstattung

Haltungsjournalismus und der Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis

Besonders irritierend ist, dass Sophie von der Tann für diese Form der Bericht­erstattung mit dem Hanns-Joachim-Fried­richs-Preis ausge­zeichnet und für den Grimme-Preis nominiert wurde.

Dabei steht der Fried­richs-Preis eigentlich für Distanz, Unabhän­gigkeit und journa­lis­tische Zurück­haltung. Der berühmte Leitsatz, man dürfe sich „nicht gemein machen mit einer Sache, auch nicht mit einer guten“, wird hier faktisch ins Gegenteil verkehrt.

Ausge­zeichnet wird nicht analy­tische Tiefe, sondern Haltungs­jour­na­lismus, der sich nahtlos in den morali­schen Mainstream des deutschen Medien­be­triebs einfügt.

Warum diese Preise Teil des Problems sind

Journa­lis­ten­preise spiegeln nicht nur Qualität – sie erzeugen Anreize. Wenn Einsei­tigkeit, Emotio­na­li­sierung und moralische Eindeu­tigkeit prämiert werden, wird genau diese Art von Bericht­erstattung reproduziert.

Die Jurys bestehen oft aus Akteuren desselben medialen Milieus. Wer das dominante Narrativ bestätigt, gilt als „mutig“ und „preis­würdig“. Wer Israel diffe­ren­ziert erklärt, riskiert Irritation – und bleibt unsichtbar.

So ist es auch bei der Fried­richs-Preis-Jury – letztlich belohnt sich eine Bubble jährlich selbst. Vorsit­zende der Jury war Talkshow-Dauer­mo­de­ra­torin Sandra Maisch­berger. Die (selbst mal Preis­trä­gerin) hatte der Kollegin von der Tann einst einen denkwür­digen Auftritt verschafft: 

Auslandsjournalismus braucht Neugier, nicht Haltung

Das zentrale Defizit der ARD-Israel-Bericht­erstattung ist nicht nur politische Partei­nahme, sondern mangelnde Neugier. Keine erkennbare Lust, Israel wirklich zu erklären. Keine Bereit­schaft, dem Publikum Ambiva­lenzen zuzumuten.

Die Medien­be­richt­erstattung über Israel folgt häufig Aktivismus. So wird aus Journa­lismus Emotio­na­li­sierung, aus Korre­spondenz moralische Bebil­derung. Eine eindrucks­volle Recherche zur Macht von (insbe­sondere nicht gezeigten) Fotos und Videos aus Gaza hat der deutsche Militär­blogger Joey Hoffmann publi­ziert: Das Gaza-Bilderbuch – Die andere Ebene der Realität.

Der öffentlich-recht­liche Rundfunk schuldet seinem Publikum mehr: Kontext statt Kitsch, Erklärung statt Empörung, ein Israelbild, das der Realität gerecht wird.

Solange das ARD-Studio Tel Aviv diesen Anspruch nicht erfüllt – und solange Preise dieses Versagen belohnen – bleibt die deutsche Israel-Bericht­erstattung ein journa­lis­ti­sches Armutszeugnis.

Medien Journa­lismus Israel

Was meinst Du? Ist Haltungs­jour­na­lismus hinnehmbar? Wird Sophie von der Tann zu Unrecht kriti­siert? Wie und was sollte die ARD über Israel berichten? Teile Deinen Stand­punkt! – Jede Meinung und jeder Kommentar zählen. – Feuer frei: Schreibe unten in die Kommentare:⤵️

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