Europa Verkehr Bahnen: “Im Blickpunkt – Wiegand wills wissen” – Bericht für FORUM – Das Wochenmagazin. Heute: Europa plant ein 50.000 km Hochgeschwindigkeitsnetz. Das ist eine Chance für Klimaschutz & Vernetzung – doch Bürokratie und Blockaden bremsen die Vision. Ich schildere die Einzelheiten.
Europa Verkehr Bahnen
Europa im Blickpunkt
Wiegand wills wissen

Europa Verkehr Bahnen – Der Artikel ist so ähnlich in FORxxxUM – Das Wxxx erschienen
Hamburg/Brüssel (waw) – „In zehn Stunden über Land von Portugal nach Polen – ohne Umsteigen, ohne Warten.“ So klingen die Visionen, die derzeit in Planungsbüros der EU und der Bahnindustrie kursieren. Sie sind kühn, aber nicht unrealistisch.
„Wir wollen bis 2050 ein durchgehendes Hochgeschwindigkeitsnetz schaffen, das alle großen europäischen Städte verbindet“, versprach die damalige EU-Verkehrskommissarin Adina Vălean schon vor zwei Jahren. Die Zahl dahinter ist gewaltig: 49.400 – 50.400 Kilometer neue Schnellfahrstrecken sollen entstehen, ergänzt durch den Ausbau bestehender Linien – eine Infrastrukturrevolution, die den Kontinent verändern würde.
Mit solchen Zielvorstellungen will die Europäische Union den Hochgeschwindigkeitsverkehr (HGV) bis 2030 verdoppeln, bis 2050 verdreifachen. Kostenpunkt pro Kilometer: Etwa 25 Millionen Euro. Die vielgescholtene Deutsche Bahn denkt mit: Ihr Konzept „Metropolitan Network“ sieht 21.000 Kilometer neuer HGV-Trassen vor. Es verknüpft 230 Metropolregionen und große Städte Europas im Stundentakt – zwei Drittel der Europäer wären so über Schiene verbunden.

Prellböcke auf der Strecke
Auch das Reisetempo klingt zügig: Geschwindigkeiten von bis zu 300 km/h sollen künftig nicht nur zwischen Prestigezielen wie Paris und Frankfurt möglich sein. Sie sollen auch auf bislang vernachlässigten Achsen wie Warschau–Riga oder Bukarest–Budapest gelten. Länder wie Polen könnten ihre vorhandenen „Rennstrecken“ von derzeit 224 auf fast 3000 Kilometer ausweiten. Deutschland könnte seine von 1200 auf über 6000 Kilometer erweitern.

Der Nutzen ist offensichtlich. Bahnreisen verursachen nur einen Bruchteil der CO₂-Emissionen des Flugverkehrs und verbinden Stadtzentren direkt miteinander. Wäre so ein Netz zuverlässig, könnten viele innereuropäische Flüge überflüssig werden. Für Fernziele käme die Bahn zum Flieger:
„Die EU setzt sich dafür ein, dass bis 2050 alle Flughäfen des Kernnetzes über Hochgeschwindigkeitsdienste an das Schienennetz angebunden sind.” – So heißt es seitens der Kommission.
Die Deutsche Bahn denkt laut einer 2023 publizierten Studie sogar an einen Europatakt. (Wobei sie erstmal den Deutschland-Takt hinkriegen müsste)
Aber nun das Aber.
Die planerischen Gleise in die Bahnzukunft sind gesäumt von Prellböcken: unterschiedliche Spurweiten, Stromsysteme, Signalanlagen. Was für Autofahrer auf nahezu baugleichen EU-Autobahnen selbstverständlich ist, bedarf bei Zügen zeitaufwendiger Anpassungen. In einigen Teilen Europas fehlen echte HGV-Strecken noch komplett. Besonders im Norden und Osten sind Bummelzüge die Regel. Auch der Balkan und in Griechenland sind Bahnen nicht die hurtigsten.
Hinzu kommt ein Dickicht aus Bürokratie: nationale Genehmigungen, Umweltprüfungen, Bürgerproteste, wechselnde Prioritäten. Die Europäische Eisenbahnagentur (ERA) versucht zu harmonisieren – eine Sisyphusarbeit. Fortschritte gibt es, doch das Tempo ist zäh.
Spanien und Frankreich betreiben bereits ein dichtes HGV-Netz, andere Länder hinken hinterher. Beispiel Deutschland: Längstes Schienennetz Europas, aber nur vier Prozent für über 200 km/h geeignet. Tschechien weist die höchste Eisenbahndichte in Europa auf – mit ca. 123,2 Metern Schiene pro Quadratkilometer Fläche.

Öffentliche Stimmung: Euphorie und Skepsis
Der Europäische Rechnungshof hat schon vor Jahren „einen unwirksamen Flickenteppich aus Strecken“ der einzelnen Mitgliedstaaten kritisiert. Diese seien „nicht gut miteinander verknüpft, weil die Europäische Kommission nicht über die rechtlichen Instrumente oder Befugnisse verfügt, um die Mitgliedstaaten dazu zu zwingen, die vereinbarten Strecken zu bauen,“ schimpften die Effizienzüberprüfer in einem Sonderbericht. Darin zählten sie 11 000 nationale Vorschriften auf, die technische und administrative Hindernisse bildeten.
Trotz aller Probleme – es gibt Projekte, die immerhin schon planerisch auf die Gleise gesetzt worden sind:
- Etwa Rail Baltica. Die HGV-Verbindung soll ab 2030 die EU-Länder Polen, Litauen, Lettland und Estland mit Normalspur befahren. Sie wird mit elektrischen 249 km/h fahren. Finnland wird per Fähre angeschlossen.
- In der Mache ist auch EuroCap-Rail, eine 397 km lange Magistrale zwischen den EU-Hauptstädten Brüssel, Luxemburg und Straßburg.
- Die Magistrale für Europa von Paris über Bratislava nach Budapest ist teils schon umgesetzt. Sie ist aber vom eigentlichen Ziel noch einiges an Strecke entfernt. 35 Millionen EU-Bürger warten an der 1500 km langen Achse auf den ersten Zug.
Letztlich geht es bei den Sauseplänen nicht nur um Gleise, sondern um ein anderes Denken. Ein gesamteuropäisches HGV-Netz wäre ein Symbol für Binnenmarkt, offene Grenzen und ein Europa, das zusammenwächst. Europa kann Großes – Euro, Schengen, Forschungsprogramme, Airbus. Warum nicht auch bei Bahntechnik, Ticket- und Fahrplansystemen? Ein Reisender könnte dann ohne Reibungsverluste von Lissabon nach Helsinki rollen. Möglichst mit Komfort: Abteile für Familien, gemütliche Schlummersessel, bezahlbare Verpflegung.
Bitte einsteigen, der Zukunftszug will abfahren!
Das Zeitfenster ist da. Der Green Deal zwingt zum Umsteuern, seine Klimaziele machen Investitionen dringlich. Technik und Know-how existieren. Was fehlt, ist die Traute.
Die Vision: Geschäftsleute, die ohne Flugstress pendeln. Familien, die spontan ans andere Ende des Kontinents reisen. Studenten, die ihr Auslandssemester mit einem Ticket beginnen. Urlauber, die von Griechenlands Stränden in die Boulevards von Paris wechseln.
“Das europäische Hochgeschwindigkeitsbahnnetz soll Länder so nahtlos verbinden wie Stadtbahnlinien.”
So sieht es 21st Europe kommen. Das ist eine in Kopenhagen ansässige Denkfabrik. Sie ertüftelt Blaupausen für ein neues Europa.

Die öffentliche Stimmung für solche Projekte schwankt. In Foren schwärmen manche vom „Ticket von Dublin bis Wien“. Andere winken ab: „2040? Wunschdenken.“ Wieder andere verweisen auf Spanien und Italien. Sie haben ihre HGV-Netze in wenigen Jahren aufgebaut. Dies ist ein Beweis, dass Tempo möglich ist, wenn der politische Wille da ist.
Morgens am Mittelmeer Kaffee trinken. Abends an der Ostsee spazieren. Mit einem einzigen Zug wird der Kontinent in einer Bewegung durchquert. Das wäre ein neues Europa – leise, schnell, klimafreundlich. Und hoffentlich auch bezahlbar. Noch ist Zugfahren in Europa nämlich teurer als Fliegen. Das gilt vor allem auf grenzüberschreitenden Routen, hat Greenpeace gerade errechnet.
Tempo kommt in die ehrgeizigen Bahnvisionen aber nur, wenn Regierungen und EU-Institutionen jetzt die Weichen stellen. Die Eisenbahn für die künftige Generation wartet nicht ewig am Bahnsteig auf Passagiere. Der Zug will bald abfahren – die Passagiere erwarten, dass das Abfahrtssignal zügig kommt.
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🫵 Und nun DU: Angenommen, das europaweite Hochgeschwindigkeits-Bahnnetz gäbe es schon – auf welche Strecke hättest Du Lust, von wo nach wo würdest Du fahren wollen? – Feuer frei für Deine Meinung: Schreibe unten in die Kommentare: ⤵️
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