Israel Spanien Sanktionen Anschlag: Spanien hat Boykott.Maßnahmen gegen Israel verhängt. Die härtesten von ganz Europa. Die Historie zeigt: Antise­mi­tismus ist in Madrid Tradition… Meine Analyse.

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Von Wolf Achim Wiegand

Israel Spanien Sanktionen Anschlag

Hamburg / Madrid (waw) – Yaakov Pinto wurde nur 25 Jahre alt. Kaltblütige paläs­ti­nen­sische Terro­risten erschossen den frisch verhei­ra­teten Jungein­wan­derer Montag morgens mit fünf weiteren Menschen in einem Jerusa­lemer Pendlerbus. Das älteste Opfer wäre demnächst 80 Jahre alt geworden. Die Angehö­rigen der Täter – herbei­ge­eilte Bewaffnete streckten sie nieder – bekommen jetzt von der EU-mitfi­nan­zierten Paläs­ti­nen­si­schen Autono­mie­be­hörde (PA) eine Monats-“Rente” von mehreren hundert Dollar plus Zulagen.

Begründung u.a.: Das Vorgehen Israels gegen Gaza, von wo aus am 7. Oktober 2023 nach jahre­langem Raketen­be­schuss das schlimmste Massaker an Juden seit dem Holocaust ausge­gangen war. 

Fast zeitgleich, als sein Landsmann Yaakov Pinto von Kugeln eines Hamas-Kommandos durch­siebt verblutete, verkündete der spanische Minis­ter­prä­sident Pedro Sánchez im fernen Madrid die schärfsten Sanktionen gegen Israel, die je ein EU-Land ausge­sprochen hat. Hafen- und Luftraum­sperren, Waffen­boykott, Reise­be­schrän­kungen und – kaum zu glauben – mehr Unter­stützung für die Araber in Gaza und auf der Westbank (Reuters, AP), woher die Busmörder kamen. 

Warum ist gerade Spanien so rabiat? Auf den ersten Blick mag diese Entscheidung überra­schen. Bislang trat das iberische Land auf inter­na­tio­naler Bühne zwar als lautstark antiis­rae­lische Stimme auf. Es war aber keine treibende Kraft bei Sanktionen. 

Bei näherem Hinsehen wird klar: Sánchez hat weder zufällig noch spontan gehandelt. Die Entscheidung des Sozial­de­mo­kraten, der in einer denkbar knappen Koalition mit stramm linken Koali­ti­ons­partnern regiert, ist das Ergebnis einer langen histo­ri­schen, politi­schen und gesell­schaft­lichen Entwicklung. Sie war schon immer von antise­mi­ti­schen Unter­strö­mungen geprägt. 

Historische Last: Spanien und das Judentum 📜

Spaniens Verhältnis zum Judentum ist seit Jahrhun­derten belastet. Die Vertreibung der Juden im Jahr 1492 markierte den Beginn einer Tradition. Sie umfasste jahrhun­der­te­lange Verfol­gungen durch die Inqui­sition. In dieser Zeit wurde das Judentum im gesell­schaft­lichen Leben ausgelöscht. 

Erst 1992, also ein halbes Jahrtausend später, kam es zu einer symbo­li­schen Wieder­an­nä­herung. König Juan Carlos widerrief das “Alhambra-Edikt”, das die Vertreibung der Juden angeordnet hatte. Er nannte die Grausamkeit einen “Akt der Barbarei”. 

Dieser späte symbo­lische Akt und ein Abkommen mit den jüdischen Gemeinden war das offizielle Bedauern Spaniens für die Vertreibung der “Sepharden” ins Osmanische Reich und nach Nordafrika. Aber erst 2015 beschloss das spanische Parlament, dass sephar­dische Juden als Nachkommen der Vertrie­benen wieder die spanische Staats­bür­ger­schaft annehmen konnten.

Die Jahrhun­derte der jüdischen Abwesenheit haben tiefe Spuren hinter­lassen. Studien im frühen 21. Jahrhundert zeigten, dass antise­mi­tische Einstel­lungen weit verbreitet waren: Noch 2010 glaubten über die Hälfte der Spanier, Juden kontrol­lierten Wirtschaft und Medien (Wikipedia). Das sind altbe­kannte Verschwö­rungs­theorien. Ein Drittel äußerte offen feind­selige Haltungen jeden Juden. Wohl auch eine Spätfolge der jahrzehn­te­langen faschis­ti­schen Franco-Diktatur und der erzkon­ser­va­tiven katho­li­schen Kirchenführungen. 

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Anders als in vielen anderen europäi­schen Ländern war Antise­mi­tismus in Spanien nicht allein ein Phänomen der extremen Rechten. Sie fand auch in linken Milieus Resonanz, oft über die verquere Gleich­setzung Israels mit kolonia­lis­ti­schen Mächten. Diese Verqui­ckung aus histo­ri­schem Erbe, unter­schwel­ligen Ressen­ti­ments und politi­scher Ideologie schuf ein bestimmtes gesell­schaft­liches Klima. Vor diesem Hinter­grund erscheinen heutige Entschei­dungen wie die von Sánchez nur konsequent.

Aktuelle antisemitische Vorfälle in Spanien 🔥

In den vergan­genen Jahren hat sich dieses Klima noch einmal verschärft. Das „Spanish Obser­vatory Against Antise­mitism“ regis­trierte im Jahr 2024 fast 200 antise­mi­tische Vorfälle. Das ist ein sprung­hafter Anstieg um mehr als 300 Prozent gegenüber dem Vorjahr (Wikipedia). Dazu gehörten Schmie­re­reien, Angriffe auf jüdische Einrich­tungen und tätliche Übergriffe auf Personen, die als jüdisch identi­fi­ziert wurden.

Besonders Aufsehen erregte kürzlich ein Vorfall vom Juli 2025. Damals wurden in Valencia über fünfzig franzö­sische jüdische Jugend­liche aus einem Flugzeug entfernt – angeblich, weil sie hebräische Lieder gesungen hatten (AP). Inter­na­tionale Medien sprachen von einem Skandal, in dem Antise­mi­tismus den Ausschlag gegeben habe. 

Auch linke Gruppie­rungen leisteten in Spanien ihren Beitrag: Immer wieder wurden Karika­turen und Kampagnen verbreitet, die antise­mi­tische Stereotype bedienten. So kursierte 2016 ein Bild der Madrider Ortsgruppe von Izquierda Unida, das Obama mit einem ortho­doxen Juden zeigte. Es griff damit eine klassische Klischee­sprache der Juden­feind­schaft auf (bpb.de). Diese Beispiele verdeut­lichen: Der Schritt von der Gesell­schaft in die Politik war in Spanien nie weit.

Der politische Kurs gegen Israel ⚖️

Die spanische Politik hat in den vergan­genen Jahren konse­quent an einer Verschärfung des Kurses gegenüber Israel gearbeitet. Bereits 2023 stellte Spanien Waffen­ex­porte an Israel ein, im Mai 2024 erfolgte die offizielle Anerkennung Paläs­tinas als Staat (Wikipedia). Minis­ter­prä­sident Sánchez bezeichnete Israel im Frühjahr 2025 im Parlament erstmals als „genozi­dalen Staat“. Er stellte klar, dass sein Land keine Geschäfte mit einem solchen Staat machen werde (Jüdische Allge­meine).

Zugleich bereitete die Regierung in Madrid eine Embar­go­ge­setz­gebung vor (El País). Dabei spielte auch die Koalition eine zentrale Rolle. 

  • Während Sánchez als Sozial­de­mokrat auf EU-Ebene moderat auftritt, drängen seine scharf links­ge­rich­teten Partner von Sumar und Podemos auf radikale Maßnahmen. 
  • Yolanda Díaz, stell­ver­tre­tende Premier­mi­nis­terin von der Links­partei Sumar, bediente sich offener Parolen aus dem antiis­rae­li­schen Milieu. Ihre Verwendung des Slogans „From the river to the sea, Palestine will be free“ löste Empörung aus (Wikipedia). Die Parole fordert implizit die Auflösung Israels. 
  • Jugend­mi­nis­terin Sara Rego (ebenfalls Sumar) begrüßte gewalt­tätige Blockaden gegen israe­lische Radsportler bei der Spanien-Rundfahrt Vuelta. Paläs­ti­na­flag­gen­schwen­kende Aktivisten warfen sich täglich auf die Strecken. Am Zielort Bilbao gab es bei den Range­leien vier verletzte Polizisten.

Solche Töne, die vor Jahren noch am Rand der Gesell­schaft verhallten, finden heute direkten Eingang in die Regie­rungs­rhe­torik. Israel hat den beiden führenden Sumar-Köpfen sofort nach Sánchez’ Worten die Einreise verboten. Offizielle Kontakte mit ihnen sind vollständig eingestellt.

Gewollte Zuspitzung 🚨

Die Eskalation war also erwartbar. Sie folgt einer Logik, die in Spanien über Jahre hinweg aufgebaut wurde. Die Zunahme antise­mi­ti­scher Vorfälle im öffent­lichen Raum schuf ein gesell­schaft­liches Klima, das der Regierung Rücken­de­ckung für einen scharfen Kurs verschaffte. Gleich­zeitig war die ideolo­gische Prägung der Koalition ausschlag­gebend: Für die radikale Linke ist Israel das Symbol westlicher Unter­drü­ckung, und diese Weltsicht hat die Regierung in Madrid längst durchdrungen. 

Schließlich bot die histo­rische Dimension eine Bühne. Indem Sánchez Israel mit dem Vokabular des Genozids belegt, stellt er sein Land als moralische Super­macht dar, die angeblich Lehren aus der eigenen Geschichte zieht. In Wahrheit aber knüpft er an eine lange Tradition antijü­di­scher Ausgrenzung an.

Israels Gegensanktionen und Risiken für Spanien 🔄

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Israel seiner­seits hat bereits fast Minuten nach der Verkündung auf die Sanktionen reagiert, war also vorbe­reitet (Reuters). Das war aber nur der erste Schritt. Spanien muss nun mit weiteren Maßnahmen rechnen, die das Land des Flamenco und der Urlaubs­freuden empfindlich treffen könnten. Dazu gehören die Einschränkung der bilate­ralen Forschungs­ko­ope­ration, der Abzug von Inves­ti­tionen spani­scher Unter­nehmen aus dem Hightech-Sektor sowie diplo­ma­tische EU-Blockaden. 

Israels Außen­mi­nister Gideon Sa’ar fand harte Worte. Sánchez führe eine „korrupte, von Hass getriebene Regierung“, die eigene Skandale mit antiis­rae­li­scher Rhetorik überdecke. Er erinnerte auch an die dunklen Kapitel der spani­schen Geschichte – von Inqui­sition über Zwangs­taufen bis hin zur Vertreibung. Wer heute Israel boykot­tiere, bedient sich laut Sa’ar der gleichen Logik: Ausgrenzung, Stigma­ti­sierung und kollektive Bestrafung.

Schon jetzt ist klar: Spaniens Sonder­rolle innerhalb der EU wird es dem Staaten­verbund insgesamt weiter erschweren, gemeinsame außen­po­li­tische Positionen zu Israel zu finden. 

Auch wirtschaftlich drohen durch israe­lische Gegen­re­ak­tionen harte Folgen. Spanien ist auf Hightech-Importe und militä­rische Koope­ration angewiesen, Bereiche, in denen Israel zu den weltweit führenden Nationen gehört. Ein Bruch dieser Bezie­hungen könnte Spanien langfristig schaden. 

Zudem steht Spanien nun im Fokus prois­rae­li­scher Lobby­gruppen in den USA, deren Einfluss auf Handel und Diplo­matie beträchtlich ist. Sollte Washington die Linie Israels stützen, drohen Madrid nicht nur politische, sondern auch ökono­mische Verluste. Was Sánchez heute als moralische Offensive verkauft, könnte sich als strate­gi­scher Bumerang erweisen.

Wer geglaubt hat, die Hardliner in Israel mit Maßnahmen wie den spanische beein­drucken zu können, hat die Stimmung im Land sowieso falsch einge­schätzt. Es gilt die Devise: JETZT ERST RECHT! Reprä­sen­tanten der extremen Rechten, wie Finanz­mi­nister Bezalel Smotrich, fordern eine noch härtere Linie gegenüber Paläs­ti­nensern und kriti­sieren deren Autono­mie­be­hörde (PA). Smotrich hat bereits „sterile Sicher­heits­zonen“ für Paläs­ti­nenser in der Westbank gefordert.

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