Trump Grönland Deal: Trump verkündet einen histo­ri­schen Grönland-Deal mit Kopen­hagen und Nuuk. Die USA erhalten weitrei­chende und dauer­hafte Sicher­heits­rechte, während Dänemark und die Arktis-Insel auf Souve­rä­nität und Selbst­be­stimmung pochen. Was nun? – Essay.

Europa im Blickpunkt
Wiegand wills wissen

🇪🇺🇬🇱🇩🇰🇺🇸 Ein „Ewigkeits-Deal“ mit Dänemark soll die US-Sicherheitskontrolle über die Arktisinsel für immer festschreiben – ohne dass Grönland amerikanisch wird.

Von Wolf Achim Wiegand (Bilder: KI)

Trump Grönland Deal

Hamburg/Nuuk (waw) – Am Freitag, dem 18. September 2026, verkündete US-Präsident Donald Trump auf Truth Social einen „histo­ri­schen“ und „unend­lichen“ Deal: Die Verei­nigten Staaten hätten mit dem König­reich Dänemark und Grönland eine Verein­barung über die größte Insel der Welt geschlossen. Sie bedeute:

dauer­hafte Kontrolle über die Sicherheit und alle anderen Belange in Grönland ...

– und das „ohne Kosten für die Verei­nigten Staaten“, fügte Trump hinzu. Gegner der USA dürften künftig weder Stütz­punkte noch militä­rische Präsenz noch „sensible Inves­ti­tionen“ ohne ausdrück­liche schrift­liche Geneh­migung Washingtons unter­halten. Sofort beginne der Aufbau einer großen militä­ri­schen Präsenz.

Die dänische Minis­ter­prä­si­dentin Mette Frede­riksen und der grönlän­dische Regie­rungschef Jens-Frederik Nielsen bestä­tigten, dass ein Abkommen zur verstärkten Sicherheit in der Arktis und im Nordat­lantik in der kommenden Woche am Rande der UN-General­ver­sammlung in New York unter­zeichnet werden solle. Es erfordere aber noch die parla­men­ta­rische Ratifi­zierung in den Parla­menten der Haupt­städte Kopen­hagen und Nuuk.

Die Mittei­lungen haben inter­na­tional und regional zu offiziell stark erleich­terten, aber auch inoffi­ziell diffe­ren­zierten Reaktionen geführt. Vor Ort in Grönland soll es jetzt nach Trumps monate­langem, aggres­sivem Drängen verbunden mit Annexi­ons­ab­sichten zu “erheb­licher Beruhigung” gekommen sein. Auch wenn die genaue Umsetzung in Nuuk und den kleinen Siedlungen aufmerksam beobachtet wird. 

Auch innerhalb der NATO und der Europäi­schen Union herrscht nach außen große Erleich­terung, hatte Trump doch zeitweise mit Straf­zöllen gegen die EU gedroht und sogar militä­ri­sches Eingreifen an die Wand gemalt. Dass der Konflikt nun vertraglich beigelegt wird, gilt in Brüssel als großer diplo­ma­ti­scher Erfolg gewertet, der eine drohende Spaltung der NATO abwendet. Die EU hatte kürzlich millio­nen­schwere Inves­ti­ti­ons­pakete für Grönland auf den Weg gebracht, um die wirtschaft­liche Bindung zu Europa zu stärken.

Aufatmen! (nach außen hin)

In Kopen­hagen nannte Frede­riksen die Verein­barung „gut für die Nato und Europa“. Sie betonte, der Pakt erkenne die Souve­rä­nität und terri­to­riale Integrität des König­reichs Dänemark sowie das Selbst­be­stim­mungs­recht der autonomen Grönländer an. Auch Nielsen sprach als Regie­render der Arktis­insel von einem Gewinn für die Sicherheit aller Beteiligten.

Dies ist ein wahr gewor­dener Traum für die Verei­nigten Staaten von Amerika – ein Traum, der sehr wichtig, histo­risch und etwas ganz Beson­deres ist. – US-Präsident Donald Trump auf seiner Plattform Truth Social

Der Kontrast der Rhetorik ist das eigent­liche Signal. Trump feiert einen Triumph. Dänemark und Grönland bestehen indessen auf der Form: Keine Annexion, kein Verkauf, keine Übertragung von Terri­torium. Damit weicht die dänische Lesart des Deals in zentralen Punkten deutlich von den eupho­ri­schen Behaup­tungen aus dem Weißen Haus ab. 

Tief durchatmen! (hinter vorgehaltener Hand)

Hinter den Kulissen in Kopen­hagen herrscht laut Insidern nicht nur Freude, sondern auch Nervo­sität. Kommen­ta­toren dänischer Medien (wie Politiken und TV 2) sprachen schon am Morgen nach der Verkündung eher von “Schadens­be­grenzung”, als von Erfolg. In der Opposition ist gar von einem „Diktat unter Androhung von Gewalt“ die Rede. Außerdem gibt es verfas­sungs­recht­liche Bedenken darüber, ob das dänische Parlament (Folketing) „exklu­siven Vetorechte der USA“ bei Inves­ti­tionen in Grönland durch­winken darf, da es faktisch die Souve­rä­ni­täts­rechte beschneide.

Eigentlich hat Trump alles bekommen, was er bekommen wollte. – US-Journalist Erik Kirschbaum

Gemischte Gefühle trotz tapferer State­ments werden auch aus Brüssel berichtet. Dass die USA nun ein Vetorecht gegen „sensible Inves­ti­tionen“ dritter Staaten erhalten sollen, wiewohl die EU Milli­ar­den­un­ter­stützung einge­tütet hat, wird als Affront gewertet. Könnten europäische Firmen künftig beim Abbau seltener Erden in Grönland von Washington blockiert werden? 

Aus der NATO ist zu hören, Trump nutze das Bündnis als Schutz­schirm, um sich in der Arktis wie ein imperialer Akteur verhalten zu können, der europäische Partner de facto ausschließt.

Von der Annexionsdrohung zum „Infinite Life Agreement“

Fractured white polar ice crossed by dark winding fissures

Der Weg zu diesem Deal war eine der ernstesten trans­at­lan­ti­schen Krisen seit Jahrzehnten. Trump hatte Grönland schon in seiner ersten Amtszeit kaufen wollen. 2026 eskalierte er: Die Insel sei für die nationale Sicherheit der USA unver­zichtbar, Dänemark könne sie nicht schützen, Russland und China lauerten. Grönland wehrte sich wacker.

Zeitweise sprach der US-Präsident offen von einer Übernahme, auch mit Gewalt. Straf­zölle gegen europäische Verbündete, die sich solida­risch mit Dänemark zeigten, standen im Raum. Europäische Staaten entsandten symbo­lisch Truppen zu Übungen nach Grönland. Märkte reagierten nervös.

Auf dem Weltwirt­schafts­forum in Davos im Januar 2026 vermit­telte Nato-General­se­kretär Mark Rutte einen Rahmen. Daraufhin nahm Trump die härtesten Drohungen zurück. Es folgten monate­lange, oft vertrau­liche Verhand­lungen. Das Ergebnis liegt nun vor – oder zumindest Trumps Version davon. Der volle Vertragstext ist zum Verfassen dieses Berichtes noch nicht öffentlich.

Noch liegen die genauen Details im Dunkel

Was nach Angaben US-ameri­ka­ni­scher Beamter und überein­stim­mender Medien­be­richte vereinbart wurde, geht über das Vertei­di­gungs­ab­kommen von 1951 hinaus, unter dem die USA bereits seit dem Kalten Krieg Stütz­punkte betreiben dürfen, namentlich die heutige Pituffik Space Base (früher Thule) im Nordwesten. 

Das wird jetzt neu oder zumindest explizit festge­schrieben (laut den durch­ge­si­ckerten und bis zum Redak­ti­ons­schluss nicht bestä­tigten Meldungen):

  • perma­nente Zugangs‑, Statio­nie­rungs- und Überflugrechte;
  • das Recht, weitere Basen nach eigenem Ermessen auszubauen;
  • ein Verbot nicht-NATO-angehö­riger Staaten, Militär­basen zu errichten;
  • ein Screening-Mecha­nismus für „sensible Inves­ti­tionen“, der Gegner wie China und Russland faktisch ausschließt; und
  • die Klausel, dass diese Rechte auch dann gelten, wenn Grönland eines Tages unabhängig wird.

Das ist also offenbar der Kern des “Ewigkeits-Paktes”. Die Insel bleibt völker­rechtlich dänisch bzw. selbst­be­stimmt – aber sicher­heits­po­li­tisch und bei strate­gi­schen Inves­ti­tionen unter ameri­ka­ni­schem Vorbehalt. Ob das auch im Konfliktfall wirklich so gilt?

Souveränität ohne Souveränität?

Hat Trump Europa ausge­trickst? Die Antwort hängt davon ab, was man als den eigent­lichen Preis betrachtet.

Europa und Dänemark haben die rote Linie gehalten: Grönland wird nicht ameri­ka­ni­sches Terri­torium. Es gibt keinen Kauf, keine Annexion, keine formelle Abtretung. Das Selbst­be­stim­mungs­recht der rund 57.000 Grönländer bleibt anerkannt. Angesichts der Rhetorik vom Jahres­anfang ist das kein kleines Ergebnis. Frede­riksen kann zu Recht sagen, dass die Nato und Europa profi­tieren, weil eine offene Bruch­linie im Bündnis vermieden wurde.

Gleich­zeitig hat Washington genau das bekommen, was es strate­gisch wollte – und mehr, als das Abkommen von 1951 explizit festhielt. Die Formel „Sicherheit und alle anderen Belange“ ist bewusst weit. Es ist ein Vetorecht über Inves­ti­tionen in einer Region, die über seltene Erden, poten­zielle Schiff­fahrts­routen und die nördliche Flanke der USA verfügt. Der US-Einfluss geht weit über Radar­sta­tionen hinaus.

German political cartoon showing Trump with a globe, European flags, and speech bubbles

Sogar die Unabhän­gig­keits­option Grönlands, die in Nuuk ja seit Jahren disku­tiert wird, könnte nun durch die „Ewigkeits“-Klausel einge­schränkt sein. Denn ein souve­ränes Grönland wäre sicher­heits­po­li­tisch für immer an Washington gebunden – selbst, wenn es das mal nicht mehr wollte.

Die USA zahlen für derlei Zugriff nach Trumps Worten nichts. Keine Entschä­digung, keine jährlichen Transfers in der Größen­ordnung, die man bei assozi­ierten Pazifik­staaten kennt. Der Preis, den Europa bereits zahlte, lag in der politi­schen Demütigung. Und in der Demons­tration, wie abhängig das Bündnis von US-Macht bleibt – und wie weit Washington bereit ist, Verbündete unter Druck zu setzen.

Trump hat nicht das Land genommen. Er hat sich die Verfügung über das Land gesichert, ohne die Verant­wortung für seine Verwaltung, seine sozialen Kosten oder seine interne Politik zu übernehmen. Das ist kein klassi­scher Kolonia­lismus, aber es ist eine sehr zeitgemäße Form strate­gi­scher Kontrolle.

Was der Deal für Europa bedeutet

Für Europa stellt sich eine unbequeme Frage: Wenn selbst ein Nato-Mitglied wie Dänemark unter massivem Druck ein solches Arran­gement akzep­tiert, wie glaub­würdig ist dann die europäische Forderung nach strate­gi­scher Autonomie? Die Insel bleibt europäisch im recht­lichen Sinne. Aber die Sicher­heits­ar­chi­tektur der Hohen Arktis wird amerikanischer.

Ob das Abkommen hält, hängt von der Ratifi­zierung und vom Feindruck des Vertrags­textes ab. Unklar bleibt, wie weit „alle anderen Belange“ und „sensible Inves­ti­tionen“ wirklich reichen und wer im Streitfall entscheidet. Trump hat sich den politi­schen Sieg gesichert, bevor die Juristen fertig waren. Er hat das Maximum dessen bekommen, was ohne offenen Bruch der Nato möglich war – und verkauft das als persön­lichen Triumph. Das ist weniger ein Trick als eine Lektion in asymme­tri­scher Verhandlungsmacht.

Ob Dänemark und Grönland das Abkommen mit den USA später bereuen, wird sich zeigen, wenn die ersten neuen Basen geplant, die ersten Inves­ti­ti­ons­vor­haben aus Peking oder Moskau blockiert und die ersten Fragen nach grönlän­di­scher Unabhän­gigkeit unter dem neuen Régime gestellt werden. Die Flagge bleibt dänisch. Die strate­gische Verfügung liegt aber zunächst offenbar in Washington.


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