EUROPA: Die Top-Ten-Themen der Woche

Von WOLF ACHIM WIEGAND 🇪🇺

Was hat Europa vergangene Woche an- und umgetrieben? 

Politi­scher Talk der Woche war Frank­reichs Präsident Emmanuel Macron. Der hatte auf dem Rückflug von Peking nach Paris in einem Interview etwas zu laut davon gesprochen, dass die Europäer mit dem chine­sisch bedrohten Taiwan eher nicht so viel zu tun hätten. 

Die impli­zierte Schluss­fol­gerung, sich als EU heraus­zu­halten und solche Konflikte den USA zu überlassen, löste Irrita­tionen, Verär­gerung und Ablehnung aus. Die Debatte aber ist eröffnet: Wie halten wir es mit der Idee einer “strate­gi­schen Autonomie” Europas? 

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Politik Foto Europa Ursula von der Leyen

Fußfessel für EU-Spitzenpolitikerin: 

Die wegen Korrup­ti­ons­ver­dachtes inhaf­tierte Ex-Europa­ab­ge­ordnete Evdoxia „Eva“ Kaili wird in den Hausarrest entlassen. Das teilte die belgische Staats­an­walt­schaft mit. Die Griechin, die Mutter eines zweijäh­rigen Kindes ist, dürfe bis zum Prozess­beginn mit einer E‑Fußfessel in ihre Brüsseler Wohnung zurück­kehren. Die 44jährige war im Dezember wegen illegaler Geldflüsse aus dem Scheichtum Katar verhaftet worden und als Vizeprä­si­dentin des Europa­par­la­mentes abgesetzt worden. Auch ihr zunächst festge­nom­mener Partner und mehrere andere Europa­po­li­tiker sind nicht mehr in Haft, aber mit Überwa­chungs­marke ausge­stattet. politico.eu

Macron lässt nicht locker: 

Auf Staats­besuch in den Nieder­landen hat Frank­reichs Präsident Emmanuel Macron trotz inter­na­tio­naler Kritik seine umstrittene Position für mehr europäische Autonomie präzi­siert. In einer Grund­satzrede zur Souve­rä­nität Europas sprach er sich für eine starke europäische Indus­trie­po­litik aus, um Abhän­gig­keiten abzubauen und die eigene Produktion gezielt zu stärken. Mit seinen nach Distanz von den USA klingenden Positionen hatte sich Macron über Ostern auf der Rückreise von einem China-Besuch harsche Kritik einge­fangen. Vor allem in Osteuropa kamen Gedanken über ein Abkoppeln vom Schutz­schirm der USA nicht gut an. Eine Rede Macrons in Den Haag wurde von Protestlern übertönt, die “Präsident der Gewalt und der Heuchelei” riefen. nzz.ch twitter.com (Video) tagesspiegel.de

“Wir müssen heraus­finden: Spricht Macron für Macron oder spricht Macron für Europa?”

Marco Rubio, US-Senator, republi­ka­ni­scher Außenpolitiker

“Macron hat es geschafft, aus seiner China-Reise einen PR-Coup für Xi und ein außen­po­li­ti­sches Desaster für Europa zu machen.”

Norbert Röttgen, CDU-Außenpolitiker

Razzia schadet EU-Christdemokraten: 

Die polizei­liche Durch­su­chung in ihrem Brüsseler Haupt­quartier vorige Woche hat die europäi­schen Christ­de­mo­kraten (EVP) und ihren Vorsit­zenden Manfred Weber (MdEP, CSU) in eine Krise gestürzt. Die polni­schen Christ­de­mo­kraten unter dem ehema­ligen EU-Ratsprä­si­denten Donald Tusk haben ein für diese Woche geplantes EVP-Treffen in Warschau abgesagt. Man wolle nicht, dass die Korrup­ti­ons­un­ter­su­chungen auf den polni­schen Wahlkampf abfärbten, hieß es. Der Thüringer CDU-Chef Mario Voigt soll als damals enger Mitar­beiter Webers illegale Gelder im Europa­wahl­kampf 2019 einbe­halten haben.

Georgien will nach Europa: 

Unter dem Motto “Für eine europäische Zukunft” haben erneut Tausende Menschen in Tiflis für die Anbindung des Schwarzmeer-Landes in die EU demons­triert. Bei dem Oster­sonn­tags­protest am Parlament waren neben der georgi­schen viele ukrai­nische und Europa-Flaggen zu sehen. Die Opposition wirft der Regierung einen heimlichen prorus­si­schen Kurs vor. Das steht gegen die Verfassung Georgiens, denn darin ist der EU-Beitritt als Staatsziel festge­schrieben. de.euronews.com

Wirtschaft Foto Europa Ursula von der Leyen

CO2-Preisschock erwartet: 

Wenige Tage vor der finalen Abstimmung des Europa­par­la­mentes über die Reform des EU-Emissi­ons­handels als Herzstück der europäi­schen Klima­po­litik machen bedenk­liche Neube­rech­nungen über die preis­lichen Folgen die Runde. Während bislang ein Höchst­preis von 45 Euro pro Tonne CO2 genannt wurde, sprechen Experten nun von „100 bis 300 Euro“. Das entspräche einem Preis­auf­schlag von durch­schnittlich 53 Cent pro Liter Diesel und 47 Cent pro Liter Benzin. Auch beim Heizen käme es den Kalku­la­tionen zufolge zu extremen Verteuerungen.

Drogengeldwaschmaschine außer Betrieb:

Die europäische Justiz hat ein krimi­nelles Netzwerk zerschlagen, dass illegale Rausch­gif­t­erlöse in Umlauf gebracht hat. Nach Angaben der EU-Polizei­be­hörde Europol sind über das Unter­grund­system mindestens 180 Mio. EUR aus Kokain­handel über luxuriöse Immobi­li­en­pro­jekte gewaschen worden. Die Verbrecher waren in Belgien aktiv mit Filialen in den Nieder­landen, Spanien, Südamerika und Dubai. Sechs Verdächtige wurden festge­nommen und Vermö­gens­werte beschlag­nahmt. europol.europa.eu

ChatGPT im EU-Fadenkreuz: 

Die derzeit spekta­ku­lärste und umstrit­tenste App ChatGPT kommt auf den europäi­schen Prüfstand. Die EU-Daten­schutz­be­hörden wollen Bedenken über den Chatbot unter­suchen und europaweit abgestimmt handeln. Italien hat bereits einseitig die Aussetzung der Verar­beitung perso­nen­be­zo­gener Daten über OpenAI beschlossen. Der ChatGPT-Anbieter wird verdächtigt, Daten­schutz­ver­stöße zu begehen, und muss sich nun erklären.

Cannabis-Lieferant Deutschland? 

Kritiker der in Deutschland geplanten Regelung für den Umgang mit Cannabis warnen vor einem möglichen Drogen­tou­rismus in die Bundes­re­publik. Denn die Bundes­re­gierung will freien Verkauf zwar kontrol­lieren, aber Eigen­anbau ermög­lichen. Die Regelungen in Nachbar­ländern bleiben strenger. Die Nieder­lande – bisweilen als „Hasch-Eldorado“ missver­standen – dulden Verkauf und Konsum, verbieten aber (noch) Anbau und Großhandel. Die Schweiz erlaubt ausschließlich medizi­ni­schen Cannabis. Öster­reich schließt eine Legali­sierung gänzlich aus. mdr.de 

Inflation – wie machen’s die Nachbarn?

Während die Bundes­re­gierung im Kampf gegen die Geldent­wertung (derzeit 7,4 Prozent) Heizkos­ten­zu­schüsse oder Energie­preis­pau­schalen ins Feld führt, reagieren Nachbar­länder ganz anders. In Frank­reich (14,5%) beispiels­weise haben Politik und Nahrungs­in­dustrie die Verbil­ligung von Grund­le­bens­mitteln vereinbart. In der „seligen“ Schweiz (2,9%) setzt man hingegen auf protek­tio­nis­tische Maßnahmen insbe­sondere gegen auslän­dische Agrar­pro­dukte. Im Niedrig­lohnland Portugal (8,2%) soll der Verzicht auf die Mehrwert­steuer auf 44 Grund­nah­rungs­mittel helfen. web.de

Zitat Foto Europa Ursula von der Leyen

China-Reise von Annalena Baerbock

„Ich rate Baerbock, (in China) mit allem gebotenen Selbst­be­wusstsein aufzutreten.“

Michael Roth (SPD MdB), Vorsit­zender des Auswär­tigen Bundestagsausschusses
Gesellschaft Foto Europa Ursula von der Leyen

Die neue Challenge: Awareness für Sprache: 

Italiens rechts­na­tionale Regierung will englisch­spra­chige Fremd­wörter aus dem offizi­ellen Sprach­ge­brauch verbannen. Der Kreuzzug gegen Angli­zismen ist im vielspra­chigen Europa keineswegs einzig­artig. Am eifrigsten ist Frank­reich. Dort sorgt ein Sprach­schutz­gesetz seit 1994 für das Konser­vieren einhei­mi­scher Wörter. Deshalb heißen Rechner nicht wie anderswo Computer, sondern „ordinateur“. Radio­sta­tionen müssen mindestens zu 40 Prozent franzö­sisch­spra­chige Musik senden, was die Betreiber erheblich ärgert, weil inter­na­tionale Hits selten franzö­sisch sind. rnd.de


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