EUROPA: Die Top-Ten-Themen der Woche

Von WOLF ACHIM WIEGAND 🇪🇺

Was hat Europa vergangene Woche an- und umgetrieben? 

Die einschnei­dendsten Maßnahmen seit Jahren kommen auf EU-Bürger durch das Klima­paket zu (siehe unten). Wenn die 27 Regie­rungs­s­chefs es billigen – wovon im Wesent­lichen auszu­gehen ist – wird kein Haushalt und kein Unter­nehmen unbehelligt bleiben. Nach und nach werden die strengsten Umwelt­auf­lagen der Welt eingeführt.

Dass NATO-General­se­kretär Jens Stoltenberg erstmals persönlich in die Ukraine gereist ist, wurde in Moskau mit spitzen Ohren beobachtet. Es gibt kaum ein deutli­cheres Signal dafür, dass der Angriffs­krieg des Kreml ins Leere laufen wird. Der Westen ist fest entschlossen, das in Krieg verwi­ckelte Land nach Kampfende in seine Allianz aufzunehmen.

Das Europäische Parlament ist kein Ort für Heilige oder Traurige. Es ist, wie andere Arbeits­plätze auch, eine Ansammlung ganz normaler Menschen. Dort kommt es gelegentlich zu zarten oder harten Anban­de­lungen. Manche gehen glücklich aus, andere enden in bitteren Anwürfen. So, wie im neusten “Sex-Skandal”, den die Justiz aufrollen muss. 

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Politik Foto Europa Ursula von der Leyen

NATO-Chef besucht Ukraine: 

Erstmals seit dem russi­schen Einmarsch in die Ukraine hat NATO-General­se­kretär Jens Stoltenberg überra­schend Kyjiw besucht. Er absol­vierte unter massivem Sicher­heits­schutz mehrere Geheim­treffen, konfe­rierte unter anderem mit Präsident Wolodymyr Selenskyj. 

Stoltenberg hatte kürzlich gefordert, Russland ein für alle Mal seine Grenzen aufzu­zeigen. Die NATO-Staaten haben nach eigenen Angaben seit Kriegs­beginn umgerechnet über 136 Milli­arden Euro Militär­hilfe geleistet. Dänemark und Norwegen wollen 14 Leopard-2-Panzer an die Ukraine liefern.

Der NATO-General­se­kretär traf einen Tag später auf der US-Luftwaf­fen­basis Ramstein in Rheinland-Pfalz ein. Dort nahm er mit Regie­rungs­ver­tretern aus rund 50 Staaten an der Ukraine-Unter­stüt­zungs­kon­ferenz teil. Einige Beschlüsse:

  • ⚡️ Ganz oben auf der Priori­tä­ten­liste steht die Luftver­tei­digung der Ukraine, sagte der deutsche Vertei­di­gungs­mi­nister Boris Pistorius.
  • ⚡️ Die Ukraine, Polen und Deutschland unter­zeich­neten eine Absichts­er­klärung zur Schaffung eines Wartungs­zen­trums für ukrai­nische Leopard-2-Panzer in Polen. 
  • ⚡️ 31 Abrams-Panzer aus den USA werden im Mai in Deutschland eintreffen, und die ukrai­ni­schen Truppen werden kurz darauf mit der Ausbildung an ihnen beginnen. Daran werden etwa 250 Soldaten teilnehmen. Der Kurs dauert jeweils etwa zehn Wochen. 

„Der recht­mäßige Platz der Ukraine ist in der NATO“

Jens Stoltenberg, NATO-Generalsekretär

Richtige Frau am richtigen Ort: 

Als offen­sicht­liches Goodwill-Signal entsendet die Europäische Union die Erwei­te­rungs­expertin Katarina Mathernová als Botschaf­terin in die Ukraine. Die Slowakin ist derzeit Vize-Chefin der EU-General­di­rektion für Beitritts­ver­hand­lungen. Sie wird in Kyjiw eine zentrale Rolle spielen, wenn die Kommission in wenigen Monaten eine Bewertung des Beitritts­kan­di­daten Ukraine abgibt.

Endspurt für EU-Klimaregeln: 

Nach zweijäh­riger Beratung hat das Europäische Parlament endgültig das ambitio­nierte Klima­paket der EU gebilligt. Wenn die 27 Mitglieds­länder zustimmen, werden die Maßnahmen in ganz Europa verbindlich. Das Aktions­bündel sieht die Überar­beitung des EU-Klima­marktes vor sowie die Einführung einer Kohlen­stoff­steuer und einen sozialen Klima­fonds zur Entschä­digung der Schwä­cheren. Ziel des so genannten Fit-for-55-Paketes ist es, die EU-Treib­haus­gas­emis­sionen bis 2030 um 55 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Die größten Einschnitte kommen beim Luftverkehr und der Schiff­fahrt sowie für Strom­erzeuger und starke Verschmutzer. Auch für Gebäude und Straßen­verkehr gilt ein CO₂-Preis. tagesschau.de

„China ist nicht Russland“: 

In einer leiden­schaft­lichen Rede vor dem Europäi­schen Parlament hat der EU-Außen­be­auf­tragte Josep Borrell dazu gemahnt, neben Russlands Aggression gegen die Ukraine den Blick verstärkt nach Peking zu lenken. Denn anders als Russland sei China „eine wachsende Super­macht, die in allen Teilen der Welt präsent ist.“ Falsch sei es jedoch, sich vom wirtschaftlich expan­die­renden China abkoppeln zu wollen – das werde Europa „mit Sicherheit nicht gewinnen“. Statt­dessen müsse Europa sich wirtschaftlich diver­si­fi­zieren, um Abhän­gig­keiten zu verringern. Trotz des „Rivalen­modus“ dürfe Europa nicht aufhören, mit China zu reden. eeas.europa.eu/eeas

Zitat Foto Europa Ursula von der Leyen

„Unsere Strategie gegenüber China muss auf vier Worten basieren: Werte, wirtschaft­liche Sicherheit, Taiwan und Ukraine.“

Josef Borrell, EU-Außenbeauftragter
Wirtschaft Foto Europa Ursula von der Leyen

S.O.S. wegen Russlandöl: 

Als unzurei­chend betrachten Experten die laufenden Beratungen der europäi­schen Regie­rungen über eine neue Strategie für die maritime Sicherheit. So werde zu wenig über die Kontrolle sanktio­nierter russi­scher Öltrans­porte nachge­dacht, heißt es beim Londoner Sicher­heitsbüro Dryad. 

Hunderte Tankschiffe, die russi­sches Öl verschieben, seien eine Gefahr für europäische Schiff­fahrt und Meeres­umwelt. Denn die führen unter Billig­flaggen, mit gefälschten Daten und ohne Einschalten der Ortungs­systeme. „Dutzende dieser minder­wer­tigen Tanker“ passierten regel­mäßig Skagerrak und Kattegat, würden aber weder überwacht noch kontrol­liert. channel16.dryadglobal.com

Konfrontation wegen Getreide:

Die EU-Kommission hat die Regie­rungen von Ungarn und Polen gemaß­regelt, weil sie nach der Slowakei ebenfalls Getrei­de­ein­fuhren aus der Ukraine gestoppt haben. Einseitige Handels­maß­nahmen durch europäische Mitglieds­staaten seien unzulässig, weil die Nationen dafür nicht zuständig seien, sagte ein Sprecher – ohne Sanktionen gegen die Regel­brecher anzukün­digen. Im Gegenteil: Die EU will gut 100 Millionen Euro für Landwirte ausgeben, die unter der Schwemme an Sonnen­blu­men­kernen, Raps, Weizen und Mais leiden.

Hinter­grund: Wegen des russi­schen Angriffs­krieges kann die Kornkammer Ukraine ihr Haupt­ex­port­produkt nicht mehr vollständig über ihre Schwarz­meer­häfen verschiffen. Deshalb landen übermäßig große Mengen Getreide – aus Solida­rität zollfrei – in den Nachbar­ländern, was dortige Landwirte als existenz­be­drohend ansehen. Auch Bulgarien wird ukrai­ni­sches Getreide fernhalten. EU-Handels­kom­missar Valdis Dombrovskis wollte mit betrof­fenen Ministern eine Einigung herbei­führen. world-grain.com

Schwere Geburt:

Die Schaffung der weltgrößten Freihan­delszone zwischen der EU und der südame­ri­ka­ni­schen Mercosur-Region kommt nicht in die Puschen. Nach mehr als 20 Jahren Verhand­lungen solle die Einigung zwar bis Ende Juni stehen, heißt es in Brüssel. Doch die Bedenken verstummen nicht. Die vier betei­ligten Staaten Argen­tinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay empfinden geplante Regeln zu Nachhal­tigkeit und Menschen­rechten als zu weitgehend. Die Umwelt­or­ga­ni­sation Green­peace indes malt eventuelle europäische Einfuhren gefähr­licher Pestizide an die Wand. Auch der Bauern­verband (DBV) ist unglücklich: Position

Wissing fordert EU-Realintelligenz:

Ein Verbot des spekta­ku­lären Textau­to­maten ChatGPT wie in Italien ist nach Ansicht von Bundes­di­gi­tal­mi­nister Volker Wissing die falsche Antwort auf immer mehr künst­liche Intel­ligenz (KI). Statt­dessen schlägt der FDP-Politiker vor, schnellst­möglich europäische Regeln zu beschließen – „bevor es dafür zu spät ist, das darf nicht wieder Jahre dauern“. Europa brauche einen gesetz­lichen Rahmen, der sicher­stelle, dass KI nur dann einge­setzt werden darf, wenn sie Werte wie Demokratie, Trans­parenz und Neutra­lität hält. Generell sei es jedoch „atembe­raubend“, was KI könne. netzwelt.news

Gesellschaft Foto Europa Ursula von der Leyen

Sex-Vorwürfe im EU-Parlament: 

Die Immunität des griechi­schen Europa­ab­ge­ord­neten Alexis Georgoulis wird wohl aufge­hoben, damit die Justiz Beschul­di­gungen über sexuelle Beläs­tigung nachgehen kann. Der 48jährige Regisseur gehört zur größten griechi­schen Opposi­ti­ons­partei Syriza (EU-Linke). Er bestreitet die Vorwürfe einer früheren Mitar­bei­terin. Sie kommen vier Wochen vor den griechi­schen Parlamentswahlen.

Koks-Route geschlossen:

Nach jahre­langer Beobachtung haben europäische Fahnder ein aufwendig betrie­benes inter­kon­ti­nen­tales Drogen­schmuggel-Netzwerk zerschlagen. Nach Angaben der EU-Polizei­be­hörde Europol hatten die Krimi­nellen Haschisch von Marokko nach Südamerika gebracht. In gegen­läu­figer Richtung gingen Kokain über den Atlantik und die Westküste Afrikas nach Spanien. Zum Transport der Ware nutzen die Schmuggler auch Schnell­boote. Insgesamt verhaftete die Polizei in verschie­denen Ländern 50 Personen und beschlag­nahmte fünf Tonnen Haschisch und zwei Tonnen Kokain. europol.europa.eu

Europa in die Glotze bringen:

Anne Will will nicht mehr. Sie räumt Ende des Jahres den angestammten Talkshow-Sende­platz. Der wird also vakant. Und nun?

Eine Petition, die beacht­lichen Umlauf erreicht hat, möchte herbei­führen, dass der Sonntag­abend nach dem Tatort-Krimi „europäisch“ wird. Die Petenten fordern: Der ARD-Vorsit­zende Kai Gniffke und der zuständige NDR möchten bitte ein trans­na­tio­nales Format zur besten Sendezeit einführen – „mit europäi­schen Themen und europäi­schen Gästen“. 

Unter­stützer sind verschie­denste Verbände. Von „Europa – Union Deutschland“ über „Pulse of Europe“ bis zu „Mehr Demokratie”. Jeder TV-Zuschauer kann unter­zeichnen: innn.it/EuropaWill


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