Corona weltweit🌐: von Wolf Achim Wiegand

Hamburg (waw) – Das Corona­virus beherrscht derzeit große Teile unseres Lebens. Seit Montag, 2. November 2020 00:00 Uhr, befinden wir uns im zweiten Lockdown. Auch wenn die Restrik­tionen milder sind, als beim ersten Mal im Frühjahr, regt sich bei einer lauten Minderheit erheb­licher Unmut gegen die notwen­digen Maßnahmen der Politik. Doch wer sich darauf einlässt, den deutschen Tunnel­blick abzulegen und Corona weltweit zu betrachten, der wird erkennen: 

Wir sind nicht allein und anderswo in der Welt ist die Lage meistens viel schwieriger! 

So könnte es Experten zufolge vor allem in ärmeren Ländern zu einem zahlen­mä­ßigen Anstieg von Infek­ti­ons­krank­heiten wie Malaria, Tuber­kulose oder auch HIV kommen. Die Zahlen sind alarmierend, siehe unten. 

In Italien🇮🇹 hatte man nach der furcht­baren Epidemie im Frühling auf “Herden­im­mu­nität” gehofft – weit gefehlt. Und die Liebe💘 in Zeiten von Corona ist auch nicht das, was manche sich erträumt hatten…! Auch dazu lesen Sie gleich mehr.

Gute Nachrichten gibt’s aber auch: Ihr Homeoffice muss nicht aus einem wackligen Küchen­tisch neben der Spüle bestehen, sondern kann fast wie Urlaub gestaltet werden – mehr dazu unten…

🌍 Afrika: Corona blockiert Gesundheitskampagnen

In Afrika ist das Corona­ge­schehen sehr unter­schiedlich – einige Länder bewäl­tigen es bestens, andere versinken im Chaos. So hat die Pandemie leider in weiten Teilen des Konti­nents fatale Risiken und Neben­wir­kungen auf die Bekämpfung der Malaria, berichtet das Deutsche Ärzte­blatt. So sei die Verteilung von Moski­to­netzen zur Eindämmung von Mücken­stichen vielerorts ins Stocken geraten. 

Corona weltweit: Mücke sticht Haut

Sollten die Aktivi­täten zur Prävention von Malaria weiter stark beein­trächtigt werden, könne es im Afrika südlich der Sahara bis Jahresende rund 779.000 Malariatote geben. Das wären mehr als doppelt so viele Opfer als im Vorjahr. So warnen britische Forscher im Fachblatt Nature Medicine.

Auch andere gefähr­liche Infek­ti­ons­krank­heiten wie HIV und Tuber­kulose seien aus dem Blickfeld geraten, sagen Forscher vom Imperial College London. Dazu komme: Aus Angst vor einer Corona-Infektion würden viele Menschen Arztpraxen und Kranken­häuser meiden – Hundert­tau­sende Afrikaner bleiben daher unbehandelt und riskieren harte Konse­quenzen wie chronische Leiden, unange­nehme Spätfolgen oder sogar den Tod.

🇮🇹 Corona weltweit: Ist Italien schon “durchseucht”?

Eine großan­ge­legte Antikörper-Studie im zunächst ja so schwer betrof­fenen Italien hat ergeben, dass dort im ersten Halbjahr 2020 mehr als eine Million Menschen mit Sars-CoV‑2 infiziert waren. Das heißt: es waren deutlich mehr Italiener infiziert, als je offiziell regis­triert wurde. Die Dunkel­ziffer war (und ist) also sehr hoch. 

Corona weltweit: Frau vor Kolosseum in Rom

Da die Bildung von Antikörpern mit einer Immunität einhergeht, waren in Italien große Hoffnungen auf eine Eindämmung der Pandemie durch Herden­im­mu­nität gesetzt worden. Doch die erwartete “Durch­seu­chung” der Bevöl­kerung hat sich nicht erfüllt. Der Anteil der Bevöl­kerung mit Antikörpern gegen Sars-CoV‑2 ist viel geringer als angenommen.

Deshalb schließt Italien🇮🇹 wieder Kinos, Theater, Sport­hallen und Schwimm­bäder. In Bars und Restau­rants geht das Licht um 18.00 Uhr aus.

🍼 Mehr Babies? Wohl kaum.

Mehr Zeit zu Hause bedeutet für Paare mehr Lust auf Liebe💕. Könnte man meinen. Corona weltweit sieht in der Realität anders aus, hat Sexfor­scher Justin Garcia von der US-Univer­sität Indiana in einer weltweiten Studie heraus­ge­funden. Rund die Hälfte der Befragten habe angegeben, während der Pandemie weniger häufig Sex gehabt zu haben. 

Die Lust aufs Bett hat also nachge­lassen. Kusche­ligkeit hat sich nicht einge­stellt. Und deshalb ist kaum mit einem Babyboom👶 zu rechnen. 

Die Leute fühlen sich gestresst und besorgt, das ist keine gute Voraus­setzung für Sexua­lität,” erklärt der Experte. Und weiter:

Zwei Gazellen paaren sich nicht im Angesicht eines Löwen” 🦁. Wow!

Justin Garcia, Sexforscher

Für dieje­nigen, die negative Stimmung hinter sich lassen und doch einmal dem Wolllus­tgefühl hingeben wollen, hält Garcia Tipps für Sex in Zeiten von Corona parat:

Corona weltweit dämpft den Sex
  1. Sex nur mit Einwil­ligung: Das ist eigentlich sowieso selbst­ver­ständlich. Aber, so Garcia, in Zeiten von Verun­si­cherung ist es wichtig mitein­ander über das zu reden, was man mag und was nicht.
  2. Coronatest vor dem Intim­kontakt: Wer eine negative Überprüfung vorweisen kann, der hat bessere Karten bei Körperlichkeit.
  3. Persön­liche Risiko­ein­schätzung: Jeder sollte sich bewusst sein, dass er das Corona­virus desto eher auffangen kann, je mehr er Menschen begegnet, als nur dem Intim­partner. Deshalb: darauf achten, welche poten­zielle Gefahr lauert.

🎨 Corona weltweit: Künste kommen unter die Räder

In ganz Europa🇪🇺 sind Kunst und Kultur – noch viel mehr als die Gastro­nomie! – vom sudden death bedroht. Zwar haben etliche europäische Regie­rungen Hilfs­pro­gramme gegen den plötz­lichen Tod aufgelegt, so auch Deutschland. Was aller­dings nicht verhindern kann, dass viele Theater und andere Event­lo­ca­tions in Schieflage geraten sind. 

Große Bühnen­shows🎙️ mit vielen Darstellern auf der Bühne sind fast überall verboten (wie eine TV-Reportage aus St. Pauli zeigt). Die Staats­hilfe fördert keine öffent­lichen Kultur­ein­rich­tungen, sondern lediglich erwerbs­wirt­schaft­liche Strukturen.

“Man kann kein Restaurant erhalten, wenn in der Küche keiner mehr kocht”

Ein Kinopro­duzent zur Situation der Filmbranche

Insbe­sondere freibe­ruflich Kunst­schaf­fende und Autoren haben von Hilfs­pro­grammen nicht bis kaum profi­tiert. Sie haben zwar niedrige Betriebs­kosten, dafür aber auch normale Lebens­hal­tungs­kosten, die mit Krediten nicht abzudecken sind. Da gilt dann wieder gar nicht roman­tische Bild vom armen Musiker, der für die Kunst am Hungertuch nagt… 🎨🤸‍♀️🎭🏛️🎪

Die europäische Kultur­po­litik scheint unter­dessen darauf zu setzen, die Kunst werde sich schon kreativ selbst aus der Malaise ziehen. Das kann man den Worten von Kultur­staats­mi­nis­terin Monika Grütters (CDU) entnehmen: “Es gibt inzwi­schen aus ganz Europa eine Reihe von Beispielen, die uns zeigen, dass eine Rückkehr zur leben­digen kultu­rellen Teilhabe auch in Zeiten der Pandemie möglich ist,” behauptete die Politi­kerin kürzlich bei einem Treffen der EU-Kultur­mi­nister in Berlin. Hmmm.

Corona weltweit beflügelt Kunst. Hier: Mona Lisa als Katze interpretiert
Russische Kreati­vität / Bild: DW Video

In Russland🇷🇺 hat eine Künst­ler­gruppe indessen tatsächlich aus der Not ein weltweites Kreativ­projekt gemacht. Via Facebook inter­pre­tieren sie alte Meister­werke neu und inspi­rieren Kunst­lieb­haber zum Mitmachen – ein Selbst­hil­fe­projekt, das auch noch spaßig ist (siehe und klicke auf das Bild)! 

🧠 Clever: Hotels werden zum Homeoffice

Ungeahnte Kreativ­kräfte weckt die Corona­krise bei manchem Hotel­di­rektor. Weltweit bieten Privat­hotels, Ketten und Design­her­bergen ihre leeren Räume als Home Offices, Schul- und Schulungs­räume oder als Alter­na­tiv­un­ter­künfte, Heirats­büros und Obdach­lo­sen­asyle an. Beispiele:

  • So bekommt man bei Scandic, der größten Hotel­kette im europäi­schen Norden, schon ab 19 Euro täglich einen vollwer­tigen Cowor­king­platz – mit Zugang zu Frühstücks­büffet, Fitnessraum, freund­lichem Perso­nal­service und – wer möchte – einem Bett. 
  • Das preis­ge­krönte Loft-Appar­tement Hotel Zoku in Amsterdam🇳🇱, wo schon 200 Herbergen vor dem Ruin standen, profi­tiert davon, dass seine Unter­künfte sowieso schon wie kleine Büros designt worden sind. Wer dort unter Quaran­tä­ne­be­din­gungen arbeitet, wird mit einem persön­lichen Mitar­beiter verknüpft, der ab und zu nach dem Gast guckt. “Körper­liches Abstand­halten kann Einsam­keits­ge­fühle auslösen, dem wollen wir gegen­steuern,” so Hotel­di­rektor Hans Meyer. 
  • Selbst Robinson-Clubs von Tui sind jetzt als Homeoffice buchbar. “Nutze top Arbeits­be­din­gungen, reduziere Stress und tanke Kraft,” verspricht das Unter­nehmen. Im Preis inbegriffen: WLAN, Vollpension und sogar Kinder­be­treuung. So kann man beispiels­weise im Club Quinta da Ria in Portugal🇵🇹 inmitten eines Natur­schutz­ge­bietes und in Ferie­n­am­biente arbeiten. Zum Beine baumeln lassen geht man zwischen­durch einfach auf die Terrasse oder den Balkon und blickt in die Natur – Corona macht’s möglich.
woman sitting on brown wooden chair beside coconut
Photo by Artem Beliaikin on Pexels.com

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