– ausgewählte Europa-News von Wolf Achim Wiegand

Die vergangene Woche hat Europa kräftig durch­ge­schüttelt. Während Präsident Wolodymyr Selenskyj bei Joe Biden in Washington einen gut orches­trierten Besuch absol­vierte, ist der russische Angriffs­krieg gegen die Ukraine immer grausamer geworden. Unter­dessen einigt sich der Staaten­verbund auf Förde­rungen zur raschen Durch­setzung Erneu­er­barer Energien und die Kommission knöpft sich Facebook wegen Kartell­pro­blemen vor. Ein Fehlstart war der Abschuss der europäi­schen Träger­rakete Vega C. Das EU-Parlament knabbert an der Korrup­ti­ons­affäre um die abgesetzte Vizeprä­si­dentin Eva Kaili. 

Das Alles und mehr hier in kurzge­fasster Form:

💊 Kur gegen Arzneimangel gesucht: 

Die spürbare Medika­men­ten­knappheit in der Europäi­schen Union könnte bald drama­tische Züge annehmen. Dann nämlich, wenn die Infek­ti­onslage in der Weltarz­nei­küche China die kommu­nis­tische Regierung dazu veran­lasst, zum Schutz des derzeit massiv infek­tiösen Riesen­reiches nur noch einhei­mische Kranke mit Fieber- und Erkäl­tungs­mitteln zu versorgen. So ein Export­stopp wäre fatal: Generika (patent­freie Nachah­mer­pro­dukte) und wichtige Wirkstoffe werden kaum noch in Europa und Deutschland produ­ziert, wo zurzeit ebenfalls bedenk­liche Morbi­dität grassiert. Experten rechnen im schlimmsten Fall mit einem Vertei­lungs­kampf im 27-Staaten-Verbund EU.

n‑tv

☠️ Putin hat verloren, ist aber nicht besiegt: 

Der Kreml­herr­scher hat bei seinem Plan, weltweit mehr Einfluss zu gewinnen, gründlich daneben­ge­griffen. Davon ist der Chauncey DeVega überzeugt, einfluss­reicher Essayist des in San Francisco editierten Pro-Demokratie-Portals Salon. Der Krieg in der Ukraine habe sich für den russi­schen Diktator als Rückschlag erwiesen. Immer mehr Länder in Russlands Nähe fühlten sich nun völlig unsicher und würden sich an die USA wenden, um Führung und Schutz zu erhalten. Putin weigere sich unter­dessen, grund­le­gende Fakten anzuerkennen.

Salon

„Es ist schwer, einen Dialog mit jemandem zu führen, der nicht im selben Universum lebt oder grund­le­gende Prinzipien nicht akzeptiert.“

Chauncey DeVega

🇬🇧😿 Katzenjammer auf der Insel: 

Der Brexit war keine gute Idee. Das dämmert immer mehr Menschen in Großbri­tannien. Laut Umfragen würden fast 60 Prozent der Menschen im Insel-König­reich gerne wieder mit dem Kontinent verbunden sein. Auch in der Wirtschaft wächst diese Erkenntnis. Der Handels­kam­mer­verband BCC hat heraus­ge­funden, dass 77 Prozent der befragten Unter­nehmen finden, der Brexit-Handels­vertrag mit der EU habe ihnen nicht dabei geholfen, Umsätze zu steigern oder ihr Unter­nehmen zu vergrößern.

Blick.ch

🔆🌬️🚅 Sonne, Wind und Tempo: 

In der Europäi­schen Union sollen Erneu­erbare Energien spätestens 2030 mindestens 80 Prozent des Brutto­strom­ver­brauchs decken. Das folgt aus dem Erneu­erbare-Energien-Gesetz 2023 (EEG 2023), das die Europäische Kommission durch­ge­wunken hat. Außerdem hat die Brüsseler Behörde mehr Tempo beim Ausbau der Wind und der Solar­energie beschlossen. Die entspre­chenden Neuerungen treten bereits zum bevor­ste­henden Jahres­wechsel in Kraft. Ab dann stuft die Behörde erneu­erbare Energien als „im überra­genden öffent­lichen Interesse“ ein.

windmesse

🚗 Abgucken bei der Mobilitätspolitik? 

Nicht alles, was anderswo in Europa in Sachen städti­scher Mobilitäts- und Klima­po­litik erfolg­reich ist, lässt sich auf Deutschland übertragen. Das sagt eine Studie des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu), Berlin. So stoßen etwa die vielbe­ach­teten in ganz Basel fälligen hohen Parkge­bühren bei uns auf recht­liche Grenzen. Auch Mobili­tätsapps in Helsinki, Wien oder den Nieder­landen sind in Deutschland kaum machbar, zum Beispiel wegen der hierzu­lande unter­ir­di­schen Digitalisierung.

#stadt­von­morgen

🧑🏻‍⚖️👩🏻‍⚖️👨🏻‍⚖️ Keine Entschädigung bei Luftverpestung:

Was selten passiert, das haben die Richter am Europäi­schen Gerichtshof in Luxemburg (EuGH) getan. Sie wider­sprachen der Meinung der General­an­walt­schaft. Damit platzte die Forderung eines Franzosen, der Staat müsse ihn für Gesund­heits­schäden wegen schlechter Luft mit 21 Millionen Euro entschä­digen. Das gäben die europäi­schen Richt­linien zur Luftqua­lität nicht her, urteilten die EU-Juristen. Aller­dings könnten nationale Vorschriften eine Haftungs­pflicht begründen. Einzel­per­sonen hätten grund­sätzlich das Recht, Behörden vor Gericht zu Maßnahmen wie einen Luftrein­hal­tungsplan zu zwingen.

rnd 

🚀🇪🇺 Raketenwissenschaft hat versagt: 

Einen schweren Rückschlag muss die europäische Raumfahrt verzeichnen. Beim ersten kommer­zi­ellen Start der neuen Träger­rakete Vega C in Kourou, Franzö­sisch-Guyana, ist das Wunderwerk der Technik nur zweieinhalb Minuten nach dem Abheben vom Kurs abgekommen. Damit sind zwei Airbus-Satel­liten verloren, die hochauf­lö­sende Bilder von der Erde liefern sollten. Beim ersten Start des Geschosses Mitte Juli 2022 hatte es gut funktio­niert. Die Ursache für die Pleite wurde bei Redak­ti­ons­schluss noch ermittelt.

futurezone

“Leider können wir sagen, dass die Mission verloren ist.” Stéphane Israël, Chef des Raketen­be­treibers Arianespace

🇶🇦🇲🇦🇪🇺 Wird „Katargate” nun “Marokkogate”? 

Der Skandal um offen­sicht­liche Bestechung europäi­scher Politiker durch das Emirat Katar mündet immer mehr in Anschul­di­gungen auch gegen das König­reich Marokko. Es soll illegal versucht haben, bei der EU Vorteile für den Zugriff auf Fische­rei­ge­biete vor der Westsahara zu erreichen. Damit könnte es Gebiets­an­sprüche auf das Atlantik-Terri­torium geltend machen. In den Korrup­ti­ons­strudel, der zur Verhaftung von Personen um Eva Kaili, die abgesetzte Vizeprä­si­dentin des EU-Parla­ments, gerät zudem der Inter­na­tionale Gewerk­schaftsbund. Er soll im Gegenzug für Gefäl­lig­keiten die umstrit­tenen Arbeits­ver­hält­nisse Katars positiv bewertet haben.

Standard

🎄 Friedenswunsch zu Weihnachten:

Kurz vor Heilig­abend ist die Europäische Union (EU) daran erinnert worden, dass vor ihren Türen neben der Ukraine ein weiterer kriege­ri­scher Konflikt dräut. Die Konferenz Europäi­scher Kirchen und der Weltkir­chenrat haben in einem Brief an die EU auf Berg-Karabach hinge­wiesen. Die Mehrheit der Armenier habe dort Angst vor einem neuen Völkermord durch absicht­liche Blockaden zur Winterszeit, heißt es in dem Brief – die EU müsse “eingreifen”. Auch Papst Franziskus hat einen ähnlichen Appell in Umlauf gesetzt. Die Kauka­sus­region Berg-Karabach ist zwischen Armenien und Aserbei­dschan umstritten, immer wieder kommt es zu bewaff­neten Konflikten. 

vaticannews

😡 Hetze ist keine Meinung: 

Der franzö­sische Rechts­extremist Eric Zemmour darf sich laut höchst­rich­ter­lichem Urteil bei seiner Hetze gegen den Islam nicht auf die Meinungs­freiheit berufen. Der Ex-Präsi­dent­schaft­be­werber habe zu Recht eine Geldstrafe in Höhe von 3.000 Euro erhalten, urteilte der Europäische Gerichtshof für Menschen­rechte (ECHR). Hassreden gegen eine religiöse Gruppe seien unzulässig. Die Richter: Es sei „von größter Bedeutung, rassis­tische Diskri­mi­nierung in all ihren Formen und Ausprä­gungen zu bekämpfen“. Zemmour behauptet, weltweite Eliten wollten Europa durch Muslime koloni­sieren lassen.

SRF ECHR

🐑 Doch kein Unschuldslamm? 

Die wegen mutmaß­licher Korruption abgesetzte Vizeprä­si­dentin des Europäi­schen Parla­ments, Eva Kaili, hat eine Woche nach der Verhaftung offenbar ein Teilge­ständnis abgelegt. Es heißt, die griechische Sozial­de­mo­kratin gebe jetzt zu, dass sie ihren Vater mit einem Koffer zum Bargeld­ver­stecken geschickt habe. Die Hundert­tau­sende sollen vom Golfscheichtum Katar kommen, um Wohlver­halten zu erzeugen. Auch Marokko soll versucht haben, in Brüssel mit Geld Einfluss auf politische Entschei­dungen zu nehmen.

Tages­schau

⚕️😷 Letztes Penicillin-Labor Europas:

Der Versorgung der 450 Millionen Menschen in der Europäi­schen Union mit Penicillin hängt von einem 5.000-Einwohner-Marktflecken in Tirol ab. In Kundl betreibt die Novartis-Tochter Sandoz das letzte Penicillin-Werk in der Europäi­schen Union. Doch das ist nur eine Facette der gegen­wärtig bedroh­lichen Medika­men­ten­knappheit. Bundes­ge­sund­heits­mi­nister Karl Lauter­bauch (SPD) hat Rezepte zum Gegen­steuern, etwa: Medika­mente europäi­scher Hersteller stützen. Reaktionen: Die Generi­ka­b­ranche applau­diert, die Apotheker sind skeptisch, die Kassen warnen.

Labour Journal Lauterbach Reaktionen 

🇪🇺 EU-Zoff mit Facebook: 

Die Europäische Kommission wirft der Facebook-Mutter Meta Verstöße gegen das EU-Kartell­recht vor. Eine Geldbuße von bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahres­um­satzes von Meta steht im Raum. Der US-Weltkonzern wende bei Klein­an­zei­gen­diensten im sozialen Netzwerk Facebook unfaire Handels­be­din­gungen an und agiere markt­be­herr­schend. Das bringe Mitbe­werber in unerlaubte Nachteile.

Europäische Kommission

🌈 Klimapolitik für den Müll: 

Nach zahlreichen anderen Branchen soll nun auch die Müllver­brennung in den Europäi­schen Emissi­ons­handel (EU-ETS) aufge­nommen werden. Darauf haben sich Europäische Parlament, der Rat und die EU-Kommission geeinigt. Falls die 27 Mitglieds­länder den Pakt übernehmen, sollen kommunale Verbren­nungs­an­lagen ab 2028 für klima­schäd­liche Abgase zahlen müssen. Damit will die EU eine schnellere Umsetzung schonender Besei­ti­gungs­ver­fahren anstoßen.

Umweltwirtschaft.com

💉 Aktion gegen Medikamentenfälscher:

Im Rahmen einer weltweiten Aktion gegen illegale Arznei­mit­tel­mit­tel­handel und ‑fälscher hat die europäische Polizei­be­hörde Europol in vergan­genen Monaten allein auf EU-Gebiet 349 Verdächtige festge­nommen. Zugleich wurden zehn Unter­grund­labors geschlossen und 10,5 Millionen Arznei- sowie Doping­mittel im Wert von über 40 Millionen Euro beschlag­nahmt. Zu den am häufigsten aufge­fun­denen Mitteln gehörten laut Europol Mittel gegen Erektionsstörungen.

Europol

🇦🇱 Kritik an Albaner-Bashing: 

Regie­rungschef Edi Rama hat sich gegen Vorur­teile gegen seine Lands­leute im Ausland verwahrt. Häufig würden Auswan­derer aus dem EU-Mitglieds­be­werber in die Nähe Krimi­neller gerückt. Dabei leisteten sie in allen Ländern, in die sie gingen, einen „wichtigen Beitrag“, sagte Rama. Der Sozial­de­mokrat äußerte sich vor allem wegen öffent­licher Äußerungen in Großbri­tannien, wo Innen­mi­nis­terin Suella Braverman von einer albani­schen „Invasion“ über den Ärmel­kanal gesprochen hatte. Im vergan­genen Jahrzehnt sind etwa 700.000 Menschen aus dem Land der Skipe­taren ausge­wandert, um neue Perspek­tiven zu suchen.

EURACTIV

🇶🇦🇪🇺 Katar kontert Korruptionskritik:

Die WM in Katar ist vorbei. Die Korrup­ti­ons­affäre ist es nicht. Medien zitieren einen ungenannten Diplo­maten, wonach das der Einfluss­nahme aufs Europäische Parlament (EP) beschul­digte Scheichtum zu Unrecht im polizei­lichen Fokus stehe. Die Quelle drohe, die Bestechungs­un­ter­su­chungen Belgiens und die Zugangs­sperre zum EP könnten sich “negativ” auf die Bezie­hungen und die Erdgas­lie­fe­rungen auswirken. Bei Eva Kaili, verhaftete sozial­de­mo­kra­tische EP-Vizeprä­si­dentin aus Griechenland, waren nach Razzien mindestens 1,5 Millionen Euro in bar gefunden worden. Die Ermitt­lungen richten sich auch gegen marok­ka­nische Interessen.

Agence France Presse

🇬🇧🌬️ Brexit bremst Britanniens Böenmühlen:

Nach der Abspaltung von der Europäi­schen Union (EU) ist auch die Windkraft des sturm­um­tosten insel­kö­nig­reiches abgeflaut. Jetzt wurde die selbst­ge­wählte Isolation beendet. Die Länder der Nordsee-Energie­ko­ope­ration (NSEC) – zu der auch Deutschland gehört – koope­rieren wieder. Geplant sind gemeinsame Windparks im Meer, trans­na­tionale Strom­lei­tungen und die Erzeugung von Wasser­stoff auf hoher See.

Handels­blatt

🧱 Weber will weitere Wälle:

Zum Schutz vor illegalen Zuwan­derern will der christ­so­ziale Europa­po­li­tiker Manfred Weber notfalls mehr Zäune an den EU-Außen­grenzen errichten lassen. In einem Interview meint der Vorsit­zende der konser­va­tiven EVP-Fraktion im EU-Parlament, solche Hinder­nisse könnten beispiels­weise im Südosten der EU nötig sein. Zweck: Ankom­menden Migranten möglichst lückenlos zu kontrollieren.

„Die EU-Staaten schlaf­wandeln in eine neue Migra­ti­ons­krise, wenn sie jetzt nicht handeln.“

DIE WELT


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