“Europa im Blickpunkt – Wiegand wills wissen” – Kolumne für FORUM – Das Wochenmagazin. Heute: Die Europäische Union (EU) betreibt eine Außenpolitik, die wenig wahrnehmbar ist. Weil Europa nicht mit einer Stimme spricht und ziemlich isoliert ist.
Europa im Blickpunkt – Atomkraft-Renaissance- Fotos: KI

Europa im Blickpunkt
Wiegand wills wissen
Europa im Blickpunkt – EU-Außenpolitik
Hamburg / Brüssel (waw) – „Wir Europäer wirken wie Konfetti, international hört uns fast niemand mehr zu.“ Dieser Stoßseufzer kommt vom luxemburgischen Außenminister Xavier Bettel. Der Mann weiß, wovon er spricht. Er war lange Regierungschef seines Landes.

Verantwortlich für die – zumindest in bestimmten Weltregionen – spürbare Bedeutungslosigkeit der EU-Außenpolitik ist Josep Borrell. Der spanische Sozialist hat als Hoher Vertreter wenig greifbare Ergebnisse erzielt. Fünf Jahre war der 77-jährige als EU-“Chefdiplomat” im Amt. Bald nimmt die liberale Kaja Kallas aus Estland das Zepter in der Hand.
Zwar konnte Borrell bei den 27 EU-Regierungschefs durchsetzen, dass die kommunistischen Staatslenker in Peking als Europas “systemische Rivalen” eingestuft wurden. Dieser Stich aus Brüssel hält die Machthaber des Riesenreiches aber nicht vom Die-Welt-Aufteilen ab. Der endlos schwelende EU-Handelsstreit mit reziproken Sanktionen für E‑Autos und Cognac spricht Bände.

Auch in Nahost ist Europas Einfluss zerflossen. Erst Wochen nach dem blutigen Hamas-Massaker reiste der Chef des “EU External Service” überhaupt erstmals nach Israel. Seitdem schießt er via SocialMedia wenig empathische Salven gegen den existenzbedrohten jüdischen Staat. Seine Gebetsmühle von Zweistaatlichkeit will auch keiner derjenigen hören, auf die es ankommt – weder Israelis noch Terroristen.
Geht es um nationale Interessen, ist jede nationale Regierung sich selbst am nächsten – auch nach vielen europäischen Sonntagsreden über eine gemeinsame europäische Armee, gemeinsame Rüstungsbeschaffung, einen europäischen diplomatischen Dienst oder gar einen ständigen EU-Sitz im Uno-Sicherheitsrat. – Gregor Peter Schmitz, Chefredakteur STERN
Sicher, nationale Interessen behindern eine effektive EU-Außenpolitik. Doch Borrell hat weniger moderiert, was seine Aufgabe wäre, als eine eigene Agenda durchzuziehen versucht. Kallas möge verhindern, dass der Einfluss Europas in der Welt weiter schwindet. Wenn‘s ihr gelingt, dann werfe ich Konfetti. 🎊
Eine Kolumne von Wolf Achim Wiegand, freier Journalist mit EU-Spezialisierung
Europa im Blickpunkt – EU-Außenpolitik
Nächste Woche mehr aus Europa.
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Was meinst DU – wäre es sinnvoll, wenn die EU eine zentrale Außenpolitik hätte, also die 27 nationalen Außenminister so, wie in den USA, abgeschafft würden?
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