Europa im Blick­punkt – Wiegand wills wissen” – Kolumne für FORUM – Das Wochen­ma­gazin. Heute: In letzter Zeit schien es, als könnte sich Großbri­tannien wieder mehr an die verschmähte Europäische Union (EU) annähern. Doch offenbar ist die Liebe zu Europa auf der Insel nicht so stark ausge­prägt. Mancher auf dem Festland hatte mehr vom Verei­nigten König­reich erhofft – zumindest von der Regierung.

Europa im Blick­punkt – Großbri­tannien, die EU und der Fisch – Titelfoto: KI

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Europa im Blickpunkt
Wiegand wills wissen

Europa im Blick­punkt – Großbri­tannien, die EU und der Fisch

Gibt es noch Hoffnungen, dass die verlo­renen europäi­schen Brüder und Schwestern nördlich des Ärmel­kanals wieder echte Europäer werden? Kurz gesagt: Nein. Jeden­falls nicht in abseh­barer Zeit.

Manche hatten auf den neuen Mann in der 10 Downing Street gehofft. Er werde vier Jahre nach dem Brexit eine Renais­sance der UK-EU-Bezie­hungen einleiten, glaubten die Optimisten. Doch weit gefehlt. Britan­niens Premier Keir Starmer steht unter dem Druck partei­in­terner Antieu­ropäer. Außerdem sieht er sich der notori­schen Pro-Brexit-Opposition gegenüber. Er erweist sich daher als weniger flexibel als erhofft.

Keir Starmer, Foto: The Spectator

Im Gegenteil, es droht neues Ungemach. Erneut ist die Fische­rei­po­litik zum Fangnetz des briti­schen Europa-Dilemmas geworden. Schon zu gemein­samen Zeiten lieferten sich Festland- und Insel-Fischer regel­rechte Seege­fechte um Jakobs­mu­scheln. Man dachte, es ginge es um die Schlacht von Trafalgar. Droht das wieder?

Eine Umfrage zeigt, dass nur 30 % der Briten bereit wären, Fische­rei­rechte an Nachbarn abzutreten. Doch genau das könnte 2026 nötig sein, wenn das Handels­ab­kommen ausläuft. Diverse EU-Staaten wollen dann den Zugang ihrer Flotten zu briti­schen Gewässern sichern. Darüber ist London „not amused“. Zwar arbeiten nur rund 10.000 Menschen in der Fischerei. Doch die vertreten ihre Inter­essen ähnlich impulsiv wie ihre Landkol­legen auf Getreide‑, Milch- und Schafsfarmen.

Europa im Blick­punkt – Großbri­tannien, die EU und der Fisch

Fischerei ist eine Tradi­ti­ons­branche der briti­schen Inseln / Foto: Wikipedia

Ein Neustart der Bezie­hungen zwischen dem Verei­nigten König­reich und der EU ist nicht in Sicht. Früher sahen Brüsseler Diplo­maten die Briten als geschätzte Partner. Heute sind sie nur noch Vertreter eines abgedrif­teten Dritt­landes. Ob verein­barte Gipfel­treffen daran etwas ändern? Kaum, solange man sich nicht weniger „fishy challenges“ auf den Tisch packt.

Ich habe mich klar gegen einen Wieder­ein­tritt in die EU, den Binnen­markt oder die Zollunion ausge­sprochen – oder gegen eine Rückkehr zur Freizü­gigkeit. – Keir Starmer

Eine Kolumne von Wolf Achim Wiegand, freier Journalist mit EU-Spezialisierung

Europa im Blick­punkt – Großbri­tannien, die EU und der Fisch

Nächste Woche mehr aus Europa.

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