“Europa im Blickpunkt – Wiegand wills wissen” – Kolumne für FORUM – Das Wochenmagazin – Sommerliches Ferienfeeling ist dieses Jahr in Brüssel nur bedingt vorhanden. In den Büros der EU-Kommission bereitet man sich auf baldiges großes Stühlerücken vor. Der Tag der Wahrheit naht…
Alle Bilder KI-generiert / Jubiläum: Dieses ist Beitrag Nr. 400 in diesem Blog.

Europa im Blickpunkt
Wiegand wills wissen
Während in Europas Hauptstadt Brüssel viele Büros wegen Ferien verwaist sind, brodelt es in einigen umso heftiger. Bei den EU-Institutionen kursieren Namen möglicher Kommissare. Neue „Minister“ bedeuten neue Teams, neuen Stil, neue Konzepte. Das bringt Unruhe.
EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen kniffelt, um für jedes EU-Land eine Person in ein Ressort zu bugsieren. Eine Sisyphusarbeit. Die Zuteilung muss Fachwissen mit politischen und nationalen Befindlichkeiten austarieren.
Bei ersten Namen fällt auf, dass viele Bewerbende wirtschaftsbezogene Ämter bei Berufung in die EU-Kommission wünschen. Energie, Agrar oder Finanzen gelten als attraktiver als scheinbar Nachrangigeres wie Justiz, Entwicklung oder Katastrophenhilfe. Neue Portfolios gibt’s für Mittelmeerfragen, Verteidigung und Wohnungswesen.

EU-Kommission soll paritätisch sein
Ein Problem für von der Leyen: Genderbalance. Viele Staaten folgen nicht der Bitte der obersten EU-Behördenchefin, je einen Mann und eine Frau als Auswahl für die EU-Kommission anzubieten – sie setzen auf einen Herrn, Punkt. Aber alle sind gestandene Leute: Minister oder Leiter von Staatsinstitutionen. Mitte August führt von der Leyen Bewerbungsinterviews.
Etliche streben eine zweite Amtszeit an, einer sogar die dritte: Vladis Dombrovskis. Der Handelskommissar und Christdemokrat aus Lettland wäre gerne Chef beim EU-Binnenmarkt oder für Wiederaufbau der Ukraine. Endgültig gesetzt ist niemand, nur Estlands abgetretene Regierungschefin Kaja Kallas als Außenbeauftragte.
Spannend wird, welche Scheibe sich die neuen Regierungen abschneiden werden. So will Neofaschistin Giorgia Meloni italienischen Zugriff auf Ökonomie. Das wünscht auch der rechtskonservative Tscheche Petr Fiala. Klar ist: Nach dem Sommer gibt’s in Brüssel großes Stühlerücken.
Ein Kommentar von Wolf Achim Wiegand, freier Journalist mit EU-Spezialisierung

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