(Europäische Union) – Was hat die Macher in der EU Kommission und die Beobachter Europas diese Woche umgetrieben?
Europa: Themen der Woche
- Viktor Orbán kanns nicht lassen – der Herrscher von Ungarn vergrätzt wieder alle 26 EU-Partner. Was hat er angestellt? Siehe unten.
- Die Pipi-Langstrumpf-Idylle im großen Wald- und Seenland Schweden ist längst dahin. Die Regierung findet kein Mittel gegen um sich schießende Drogengangster. Details siehe unten.
- Irgendwie muss China seine Warenüberproduktion ja loswerden. Nun sollen noch mehr Produkte aus der Volksrepublik nach Europa schwimmen… Scrolle runter.
Das alles und noch viel mehr: von Wolf Achim Wiegand


Politische Häftlinge gegen Mörder – Großer Gefangenenaustausch mit Russland
Für 26 Personen hat vergangene Nacht ein neues Leben begonnen: Sie sind beim größten Gefangenenaustausch zwischen Ost und West seit dem Mauerfall freigekommen. Darunter sind der in Belarus als angeblicher Spion zum Tod verurteilte deutsche Militärarzt Rico Krieger (30), die weltweit bekannten Menschenrechtler Wladimir Kara-Mursa und Ilja Jaschin sowie der US-Journalist Evan Gershkovich. Die Russen bekamen den zu lebenslanger Haft verurteilten “Tiergartenmörder Wadim Krassikow frei. Vorausgegangen war ein politisch und juristisch heikler Kraftakt. NEUSTE MELDUNG.

Nahost: Opfer wird zum Täter / Kommentar zum 300. Tag des Hamas-Massakers

Seit dem 7. Oktober 2023 ist die Welt im Nahen Osten und darüber hinaus nicht mehr die, die sie bis dahin war. Das beispiellose Massaker der Hamas-Terroristen im Gazastreifen kostete rund 1.200 Menschen unter grausamen Bedingungen das Leben, verletzte Tausende weitere. Es machte 250 Menschen zu Geiseln. Es löste aus, was es auslösen sollte: eine bis heute andauernde massive Militäroperation Israels, wie sie der jüdische Staat noch nie durchgeführt hat.
Ja, das Vorgehen der israelischen Armee ist hart, verheerend, kaum zu ertragen. Und ja, die Regierung in Jerusalem verteidigt die Existenz ihrer Nation. Sie kämpft gegen eine blutrünstige Unterdrückerbande der übelsten Sorte, die sich über die Regeln der Welt hinwegsetzt. Die Verbrecher missbrauchen das eigene Volk als Schutzschild. Zynischer können Machthaber kaum sein und strategisch schwieriger kann es für eine reguläre Armee nicht sein.
Die westliche Linke und selbst etablierte Medien stellen Israel auffällig oft wie einen Täter dar. Dabei – so unterstelle ich – kennen sie die Lage genau. Es sind fein ziselierte Formulierungen, inhaltliche Auslassungen und Überschriften, die Israel bei jeder Eskalation als schuldig anprangern. Das ist schäbig, antisemitisch und darf so nicht weitergehen! Die Chefredaktionen sind aufgefordert, strenge Maßstäbe an die Objektivität anzulegen.
Die Stussprediger und Illusionisten einer friedlichen Lösung mit den Palästinensern nutzen das Blutbad, um die alte Leier von ‘Beide Seiten müssen abrüsten’ zu aktualisieren.—Ulf Poschardt, Chefredakteur WELT https://ogy.de/h9f1

Schleust Orbán Russen-Spione ein?

Was treibt Viktor Orbán eigentlich an? Das fragen sich viele EU-Politiker nicht zum ersten Mal. Grund der Aufregung dieses Mal: Der ungarische Ministerpräsident gewährt ausgerechnet “Gastarbeitern” der sanktionierten Länder Russland und Belarus vorteilhafte Einreiseerleichterungen. Das werfe “sehr ernste” Sicherheitsbedenken, heißt es in einem Brief der europäischen Christdemokraten (EVP) an Ratspräsident Charles Michel.
Das Vorgehen könne ernsthafte Schlupflöcher für Spionageaktivitäten schaffen. Denn die leichte Einreise ermögliche einer großen Anzahl von Russen, mit minimaler Überwachung nach Ungarn und in den grenzkontrollfreien Schengen-Raum einzureisen. Konkret fordern die Spitzenvertreter der EVP den EU-Ratschef dazu auf, die Situation zu prüfen und beim nächsten EU-Gipfel diskutieren zu lassen.
EU-Grenzschutz heimlich brutal?

Seit Jahren gibt es alle paar Monate Diskussionen über den Umgang der Europäischen Union mit Flüchtenden an ihren Außengrenzen – nun wieder. Dieses Mal schaltet sich die Europäische Grundrechteagentur (FRA, Wien) ein. Das unabhängige EU-Zentrum wacht über die Menschenrechte des 27-Staaten-Verbundes.
FRA moniert, dass Gewalt und Menschenrechtsverletzungen an den EU-Außengrenzen meist ohne juristische Folgen bleiben. Und gebe es strafrechtliche Ermittlungen, würden diese häufig „schon in der Voruntersuchungsphase eingestellt“. Konkret geht es um Vorwürfe wegen unterlassener Rettung von Menschen in Not, körperlicher Misshandlung und anderer Formen unmenschlicher und erniedrigender Behandlung.
Bedenklich sei der polnische Parlamentsbeschluss, wonach Grenzschützer straffrei bleiben können, wenn sie Schusswaffen einsetzen. Kritiker haben Zweifel, ob das zulässig ist. taz.de fra.europa.eu/de/news
Idylle? Von wegen: Drogenbosse würgen Schweden

Die vom Konservativen Ulf Kristersson geführte Regierung in Schweden bekommt die seit gut einem Jahrzehnt schwelenden Kämpfe rivalisierender Drogenbanden nicht in den Griff. Ministerpräsident Ulf Kristersson und seine rechtsgerichteten Verbündeten verzeichnen allein seit Jahresbeginn 148 Schießereien mit 20 Toten und 256 Verletzten. Immer mehr Unbeteiligte kommen zu Schaden. Der nordische Staat hat eine der höchsten Raten an Schusswaffentoten in Europa.
Für Beobachter ist einstige Wunderland ein abschreckendes Beispiel für eine EU-Nation, dessen Vorgängerregierungen die aufkommende Bedrohung durch international vernetzte Drogenbanden nicht erkannt haben. Kristersson versucht, hart durchzugreifen. Er hat Haftstrafen verlängert und erwägt, das Schuldfähigkeitsalter zu senken. Dennoch nimmt die Zahl der Zunahme von Bandenmorden entgegen dem europäischen Trend zu. Manche fordern nun eine stärkere internationale Behördenkoordination. politico.eu
Die Kriminellen bringen ihren Scheiß einfach in die umliegenden Straßen und kommen zurück, wenn die Polizei weg ist. – Ein schwedischer Schüler über Drogendealer

EU-Polizei zerschlägt Mafianetz
Die europäische Polizeibehörde meldet die Zerschlagung einer familiär geführten berüchtigten Verbrecherbande aus Albanien. In Tirana wurden 15 Personen verhaftet sowie Vermögenswerte wie Immobilien und eine Million Euro in bar sichergestellt. Die Bande war „vielfältig“ tätig – von Auftragsmorden bis hin zu komplexer Geldwäsche. Die Aktion war eine Kooperation der Albanischen Staatspolizei mit Fahndern aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden. europol.europa.eu

Die Eurozone ist stark, solange die Anführer stetig überlegen, wie sie einen Flaschengeist in die Flasche zurückbekommen. - Mario Draghi: Ex-Präsident der Europäischen Zentralbank und EX-Regierungschef von Italien

EU Kommission knüpft künstliche Knoten:

Es ist wie verhext – alle wollen Künstliche Intelligenz (KI), aber in Europa ist der Knoten drinnen. Die Europäische Kommission befürchtet durch unkontrollierbaren Missbrauch so viele Probleme, dass sie die Entwicklung des weltweit voran preschenden Tools auf EU-Boden festgebunden hat – nichts geht.
Das trifft vor allem den Facebook-Konzern Meta. Sein wichtigstes Projekt, das Training seiner KI an Bildern und Videos seiner Nutzer, ist erstmal blockiert. Die EU Kommission sagt, es wolle die privaten Bilder und Gedanken schützen. Zur „Strafe“ hat Meta sein entsprechendes Produkt für die EU gesperrt. Der ehemalige britische Vize-Premier Nick Clegg versucht derzeit im Namen von Meta, Druck bei der EU und bei den 27 EU-Datenbehörden zumachen. sueddeutsche.de
Die EU stellt sich bei der Entwicklung von KI-Modellen bewusst ans Ende der Schlange. – So sieht das Meta-“Außenminister” Nick Clegg
Noch mehr China-Überschuss nach Europa?

Die chinesische Handelsplattform Alibaba will in Europa verstärkt auf Beutezug gehen, um stärker zu wachsen. Das hat Kuo Zhang angekündigt, der Präsident des Online-Großhändlers. Die USA und Europa seien die wichtigsten Märkte. Weil es in Nordamerika wegen Handelsbeschränkungen komplizierter werde, wolle das „asiatische Amazon“ nun verstärkt in Europa nach Kunden suchen.
Die Zielvorstellungen sind laut Kuo ehrgeizig. Das weltweite Geschäft habe sich in den vergangenen fünf Jahren beinahe verdreifacht. Ähnlich stark will die Forma auch in Europa wachsen. Dazu wolle sie als Verkaufspartner vor allem kleine und mittlere Unternehmen gewinnen. Der Großhandelsshop bringt bislang vornehmlich Produzenten aus China, Indien und Pakistan mit Händlern rund um den Erdball zusammen.
Wir wollen unsere europäischen Verkäufer aggressiv digitalisieren - Schüchtern ist Alibaba-Präsident Kuo Zhang nicht gerade

60
Eine wenig bekannte und erstaunliche Zahl über die Europäische Union ist 60. Dies ist die geschätzte Anzahl der Dialekte und regionalen Sprachen, die in der EU gesprochen werden. Neben den 24 offiziellen Amtssprachen gibt es eine Vielfalt weiterer Sprachen. Sie werden oft nur in bestimmten Regionen gesprochen, wie Baskisch, Katalanisch oder Walisisch.

Urlaubszeit:

Nicht etwa Mallorca oder die Kanarischen Inseln sind der Europa liebste Ferienspots, sondern Orte in Kroatien, Griechenland und Italien. Das zeigt eine Analyse der Touristik-Branche. t‑online.de/leben
Hinweis: Das Titelbild (ganz oben) und einige andere Fotos sind mit KI kreiert worden.
Was denkt ihr über das, was sich in und um Europa herum gerade so tut? Schreibt es hier unten in den Kommentar. Dankeschön!
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