(Europäische Union) – Die Wahler­geb­nisse in Frank­reich und Großbri­tannien haben EU-Macher und Europa-Beobachter umgetrieben – was noch?

Europa: Themen der Woche

  • Entgegen dem Festland-Trend hat Großbri­tannien sich von den extrem Konser­va­tiven losgesagt und für eine sozial­de­mo­kra­tische Regierung entschieden. Siehe unten.
  • Die Rechtsruck-Wahlen in Frank­reich versetzen die jüdische Bevöl­kerung in Angst – werden Tausende das Land verlassen auswandern? Details siehe unten.
  • Europäische Polizei­aktion enttarnt grenz­über­schrei­tende Kinder­schänder-Netze: Scrolle runter.

Das alles und noch viel mehr: von WOLF ACHIM WIEGAND

Wahlergebnisse Keir Starmer Großbritannien Labour Party
Rishi Sunak Wahlergebnisse
europäische union

Nichts Gutes an Deutschlands Westgrenzen

Die Bundes­re­gierung muss besorgt sein. Deutschland gehen durch Wahler­geb­nisse tradi­tio­nelle europäische Verbündete verloren. Das zeigt sich besonders an den Westgrenzen:

  • FRANKREICH ist durch Neuwahlen nach extrem rechts und links abgedriftet. Der liberale Präsident Emmanuel Macron muss ohne eigene Mehrheit agieren. Der deutsch-franzö­sische Motor könnte stoppen.
  • NIEDERLANDE: Seit dieser Woche ist die neue Rechts-Regierung im Amt. Der ehemalige Geheim­dienstchef Dick Schoof als Regie­rungschef geht auf Distanz zu Brüssel, will u. a. den Asyl- und Migra­ti­onspakt aufbrechen. Das gefährdet den Zusam­menhalt in der EU. tagesschau.de
  • BELGIEN: Der flämische Natio­nalist Bart De Wever bastelt wegen der Wahler­geb­nisse als Sieger bei der Natio­nalwahl an einer Koalition. Womöglich muss er – will er aber nicht – die rechts­extreme Partei Vlaams Belang (VB) einbe­ziehen. Das Gerangel kann Monate dauern. Solange ist Belgien gelähmt und so oder so ist Belgien schwierig für Berlin.

Wegen der Wahlergebnisse: Juden verzweifeln an Frankreich 

Juden besorgt über Wahlergebnisse

Nach der ersten Runde der Parla­mentswahl fürchten die Juden in unserem Nachbarland das Schlimmste. Moshe Sebbag, Oberrab­biner der Großen Synagoge von Paris, ruft Gläubige dazu auf, „nach Israel oder in ein siche­reres Land“ zu gehen. tachles.ch jpost.com bild.de

Der jüdische Geist­liche reagiert damit auf den Wahlsieg der Rechts­außen-Partei von Marine Le Pen und den zweiten Platz für das Links­außen-Bündnis „Neue Volks­front“ mit Jean-Luc Mélenchon. Beide gefähr­deten die Sicherheit der Juden durch offenen Israel-Hass und Pakte mit Islamisten: „Die Juden wissen nicht, wer sie mehr hasst.“ Die politische Mitte sei zerrieben. 

Kritiker werfen Präsident Emmanuel Macron vor, nach dem Niedergang seiner Liberalen als „Brand­mauer“ gegen Le Pen wahltak­tisch mit der NFP zu paktieren, die von Antise­miten durch­setzt sei. Wie stark die Lager der Radikalen jeweils werden, das zeigt sich diesen Sonntag bei der zweiten Wahlrunde. 

europäische union

Es ist heute klar, dass es für Juden in Frank­reich keine Zukunft gibt - Moshe Sebbag, der Oberrab­biner der Großen Synagoge von Paris, ist verzweifelt

Kinderschänder im Fahndungsfokus:

Die EU-Polizei­be­hörde Europol hat in Koope­ration mit Behörden aus 24 Ländern eine gezielte Fahndung nach Nutzern von “live übertra­genem Kindes­miss­brauch” durch­ge­führt. Die für die Beamten eklige Sisyphus­arbeit mit teils jahrelang gesam­meltem Material führte trotz Verschlüs­selung auf die Spur von 197 Käufern. 

Insgesamt durch­kämmten 32 Ermittler gemeinsam über mehrere Tage Zehntau­sende live gestreamte Bilder und Videos auf der Suche nach krimi­nellen Netzwerken, die Kinder auf den Philip­pinen sexuell ausbeuten. Die Nutzer ergötzen sich am Missbrauch von zum Teil erst drei Jahre alter Klein­kindern. Durch die Koope­ration konnten die Fahndern in Echtzeit auffällige Rohdaten sofort in verwertbare Infor­ma­tionen umwandeln. 

About Europol – Selbstdarstellungsvideo

Live gestreamter sexueller Missbrauch von Kindern ist laut Europol ein wachsender Wirtschaftszweig.

Unter­dessen verweist Europol auf neue Wege bei der Fahndung nach Missbrauchs­opfern und Tätern. Mit der “Trace an Object”-Kampagne lanciert die Behörde erkennbare Kleidung oder Raumge­gen­stände an die Öffent­lichkeit, um so indirekte Hinweise auf die Täter zu bekommen: https://www.europol.europa.eu/stopchildabuse

Mit der Verhaftung jedes krimi­nellen Käufers und Menschen­händlers wird ihr digitaler Fußab­druck verwendet, um weitere Menschen­han­dels­netze zu unter­suchen und mehr Kinder zu retten. – Europol-Mitteilung

Putin-Gas fließt weiter: 

Entgegen den Behaup­tungen von Bundes­wirt­schafts­po­li­tikern ist Westeuropa trotz Sanktionen wegen des Überfalls auf die Ukraine weiter von russi­scher Energie abhängig. Das zeigt schwe­lender Streit in der Europäi­schen Union um den weiter­be­stehenden Transport russi­schen Gases durch die Ukraine. 

Der Vertrag zwischen Kyjiw und Moskau läuft Ende 2024 aus. Die bedrängte Ukraine will ihn nicht verlängern, um Russland zu schaden. Das alarmiert EU-Staaten, die ein Leitungs­ausfall hart treffen würde, vor allem in Osteuropa aber auch Öster­reich. Experten befürchten, „dass Teile der EU derzeit eher darüber verhandeln, wie sie die Transite ‚verschleiert‘ fortsetzen könnten, anstatt über ihr Ende.“ fr.de/wirtschaft

dpa checkt jetzt Fakten

Der weltweit mit führende Nachrich­ten­dienst Deutsche Presse-Agentur (dpa) hat jetzt mit europäi­schen Partnern ein Fakten­check-Programm begonnen, das Desin­for­ma­tions-Kampagnen auf die Spur kommen und effektiv bekämpfen will. Dabei werden Künst­liche Intel­ligenz und Exper­ten­wissen in Echtzeit kombi­niert. Zunächst konzen­triert sich das ambitio­nierte „FactCRICIS“-Programm auf die Prüfung verbrei­teter Nachrichten zum Thema Klimaschutz. 

man using stylus pen for touching the digital tablet screen
Photo by Karolina Grabowska on Pexels.com

Ziel des EU-subven­tio­nierten Projekts ist der Aufbau einer öffent­lichen Datenbank mit Falsch­in­for­ma­tionen. Für dpa als privat­wirt­schaft­licher Newslie­ferant mit Sitz in Berlin arbeiten rund 1000 Journa­listen von etwa 140 Stand­orten im In- und Ausland aus. Gesell­schafter sind 170 deutsche Medien­firmen. presseportal.de factcricis

Krisen sind ein Nährboden für Falsch­in­for­ma­tionen; Europa braucht Medien, die schnell auf solche grenz­über­grei­fenden Heraus­for­de­rungen reagieren können. – Carlos Hernández-Echevarría, Vorsit­zender des Leitungsgremiums

Nicht lang schnacken, Kopf in Nacken!

Der in Norddeutschland gängige obige Saufspruch für Härteres ist Ausweis einer bestimmten Trink­kultur. Eine neue Studie über das Trink­ver­halten der Europäer zeigt jeden­falls, dass sich die Gewohn­heiten regional deutlich unter­scheiden. Deutschland wird – Sie ahnen es – als Land der Biertrinker bestätigt, in dem man eher wenig Sprit schluckt. Ähnlich sei es in z. B. Öster­reich, Belgien oder Spanien.

a group of friends drinking beer
Photo by Pavel Danilyuk on Pexels.com

Den niedrigsten Alkohol­konsum haben – kaum zu glauben! – Weinländer wie Frank­reich, Griechenland oder Portugal. Die meisten Schluck­spechte gibt es den Forschern zufolge im Baltikum: Esten, Letten und Litauer trinken regel­mäßig aber nicht exzessiv. Die Ukraine hingegen – und das überrascht – gehört zu den Ländern mit den relativ meisten Personen, die ihr gesamtes Leben lang abstinent bleiben. aerzteblatt.de

129.810

Luxemburg belegt mit rund 129.810 US-Dollar Platz 1 der europäi­schen Länder mit dem höchsten Brutto­in­lands­produkt (BIP) pro Kopf. Das zeigt eine Top-Ten-Statistik. Ist auch Deutschland unter den zehn Besten? Antwort: Klicke de.statista.com.

Das gibt es wirklich:

Ein Hochhaus für Schweine – anderswo in Europa längst abgeschafft steht das letzte seiner Art noch in Litauen. Den Nachlass aus der Sowjetzeit betreibt ein finni­scher Agrar­konzern. Das moder­ni­sierte Gebäude erzeugt 280.000 Ferkel und mästet 50.000 Schweine. agrarheute.com

Hinweis: Das Titelbild ist mit KI kreiert worden.


Entdecke mehr von http://www.european.expert

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E‑Mail zu erhalten.