(Europäische Union) – Die Wahlergebnisse in Frankreich und Großbritannien haben EU-Macher und Europa-Beobachter umgetrieben – was noch?
Europa: Themen der Woche
- Entgegen dem Festland-Trend hat Großbritannien sich von den extrem Konservativen losgesagt und für eine sozialdemokratische Regierung entschieden. Siehe unten.
- Die Rechtsruck-Wahlen in Frankreich versetzen die jüdische Bevölkerung in Angst – werden Tausende das Land verlassen auswandern? Details siehe unten.
- Europäische Polizeiaktion enttarnt grenzüberschreitende Kinderschänder-Netze: Scrolle runter.
Das alles und noch viel mehr: von WOLF ACHIM WIEGAND

+++ BREAKING: Großbritannien wählt links – Konservative krachend abgewählt
Während die Wahlergebnisse in Festland-Europa immer mehr Einfluss für Rechtspopulisten bringen, haben sich die Wähler auf der Brexit-Insel Großbritannien für einen Linksrutsch entschieden.
Laut der Wahlergebnisse von voriger Nacht hat die bisher oppositionelle Labour Party unter dem gemäßigten Sozialdemokraten Keir Starmer (61) einen Kantersieg eingefahren: Sie gewann ersten BBC-Berechnungen zufolge 410 Sitze (plus 209. Damit hält sie im 650-Sitze-Parlament die größte absolute Mehrheit ihrer Geschichte. Starmer ist der Sohn einer Krankenschwester und eines Werkzeugmachers und war einst Staatsanwalt der Krone.

Der konservative Regierungschef Rishi Sunak hat hingegen krachend verloren: Bei einem Minus von 241 Sitzen kontrollieren die Torys nach 14 Regierungsjahren nur noch eine Fraktion von 131 Abgeordneten. Damit bleibt sie zwar zweitstärkste Kraft im Parlament, hält aber die wenigsten Sitze in ihrer glorreichen 190-jährigen Parteigeschichte.

Die Gründe für die Wahlergebnisse sind erhebliche wirtschaftliche und soziale Verwerfungen seit dem Ausscheiden des UK aus der Europäischen Union sowie Unmut über nicht eingehaltene Versprechen wie den Stopp illegaler Migration über den Ärmelkanal.
“Kleiner” Überraschungssieger sind die Liberaldemokraten (LibDems) unter dem Unterhausabgeordneten Ed Davey, die mit plus 53 Sitzen ebenfalls erdrutschartig gut abschnitten und nun 61 Stimmbezirke vertreten. Sie sind jetzt klar die drittstärkste Partei.
Die Rechtspopulisten der Partei “Reform UK” unter dem vollmundigen EU-Hasser Nigel Farage schafften es von Null Sitzen aus dem Stand auf immerhin 13 Sitze. Das sieht auf den ersten Blick gering aus. Jedoch hat die neue Partei die Konservativen in vielen Wahlkreisen zum Teil spektakulär als zweitstärkste Gruppierung abgelöst.
Dass die Farage-Partei ähnlich wie die LibDems im Unterhaus nicht stärker vertreten ist, liegt am britischen Wahlrecht, wonach nur der Wahlkreissieger durchkommt (“the winner takes it all”).
Keir Starmer steht nun vor enormen Herausforderungen. Die künftige Labour-Regierung wird wohl neue Schulden zur Finanzierung von Reformen etwa im staatlichen Gesundheitswesen aufnehmen, mehr Subventionen an die Wirtschaft gewähren und relativ europafreundlich agieren. Den linken Flügel seiner Partei unter dem betont israelfeindlichen Ex-Premieranwärter Jeremy Corbyn hatte Starmer erfolgreich gestutzt. Hintergrund und Analyse: Heute ab 13:30 Uhr hier auf www.european.expert

Nichts Gutes an Deutschlands Westgrenzen
Die Bundesregierung muss besorgt sein. Deutschland gehen durch Wahlergebnisse traditionelle europäische Verbündete verloren. Das zeigt sich besonders an den Westgrenzen:
- FRANKREICH ist durch Neuwahlen nach extrem rechts und links abgedriftet. Der liberale Präsident Emmanuel Macron muss ohne eigene Mehrheit agieren. Der deutsch-französische Motor könnte stoppen.
- NIEDERLANDE: Seit dieser Woche ist die neue Rechts-Regierung im Amt. Der ehemalige Geheimdienstchef Dick Schoof als Regierungschef geht auf Distanz zu Brüssel, will u. a. den Asyl- und Migrationspakt aufbrechen. Das gefährdet den Zusammenhalt in der EU. tagesschau.de
- BELGIEN: Der flämische Nationalist Bart De Wever bastelt wegen der Wahlergebnisse als Sieger bei der Nationalwahl an einer Koalition. Womöglich muss er – will er aber nicht – die rechtsextreme Partei Vlaams Belang (VB) einbeziehen. Das Gerangel kann Monate dauern. Solange ist Belgien gelähmt und so oder so ist Belgien schwierig für Berlin.
Wegen der Wahlergebnisse: Juden verzweifeln an Frankreich

Nach der ersten Runde der Parlamentswahl fürchten die Juden in unserem Nachbarland das Schlimmste. Moshe Sebbag, Oberrabbiner der Großen Synagoge von Paris, ruft Gläubige dazu auf, „nach Israel oder in ein sichereres Land“ zu gehen. tachles.ch jpost.com bild.de
Der jüdische Geistliche reagiert damit auf den Wahlsieg der Rechtsaußen-Partei von Marine Le Pen und den zweiten Platz für das Linksaußen-Bündnis „Neue Volksfront“ mit Jean-Luc Mélenchon. Beide gefährdeten die Sicherheit der Juden durch offenen Israel-Hass und Pakte mit Islamisten: „Die Juden wissen nicht, wer sie mehr hasst.“ Die politische Mitte sei zerrieben.
Kritiker werfen Präsident Emmanuel Macron vor, nach dem Niedergang seiner Liberalen als „Brandmauer“ gegen Le Pen wahltaktisch mit der NFP zu paktieren, die von Antisemiten durchsetzt sei. Wie stark die Lager der Radikalen jeweils werden, das zeigt sich diesen Sonntag bei der zweiten Wahlrunde.

Es ist heute klar, dass es für Juden in Frankreich keine Zukunft gibt - Moshe Sebbag, der Oberrabbiner der Großen Synagoge von Paris, ist verzweifelt

Kinderschänder im Fahndungsfokus:
Die EU-Polizeibehörde Europol hat in Kooperation mit Behörden aus 24 Ländern eine gezielte Fahndung nach Nutzern von “live übertragenem Kindesmissbrauch” durchgeführt. Die für die Beamten eklige Sisyphusarbeit mit teils jahrelang gesammeltem Material führte trotz Verschlüsselung auf die Spur von 197 Käufern.
Insgesamt durchkämmten 32 Ermittler gemeinsam über mehrere Tage Zehntausende live gestreamte Bilder und Videos auf der Suche nach kriminellen Netzwerken, die Kinder auf den Philippinen sexuell ausbeuten. Die Nutzer ergötzen sich am Missbrauch von zum Teil erst drei Jahre alter Kleinkindern. Durch die Kooperation konnten die Fahndern in Echtzeit auffällige Rohdaten sofort in verwertbare Informationen umwandeln.
Live gestreamter sexueller Missbrauch von Kindern ist laut Europol ein wachsender Wirtschaftszweig.
Unterdessen verweist Europol auf neue Wege bei der Fahndung nach Missbrauchsopfern und Tätern. Mit der “Trace an Object”-Kampagne lanciert die Behörde erkennbare Kleidung oder Raumgegenstände an die Öffentlichkeit, um so indirekte Hinweise auf die Täter zu bekommen: https://www.europol.europa.eu/stopchildabuse
Mit der Verhaftung jedes kriminellen Käufers und Menschenhändlers wird ihr digitaler Fußabdruck verwendet, um weitere Menschenhandelsnetze zu untersuchen und mehr Kinder zu retten. – Europol-Mitteilung

Putin-Gas fließt weiter:
Entgegen den Behauptungen von Bundeswirtschaftspolitikern ist Westeuropa trotz Sanktionen wegen des Überfalls auf die Ukraine weiter von russischer Energie abhängig. Das zeigt schwelender Streit in der Europäischen Union um den weiterbestehenden Transport russischen Gases durch die Ukraine.
Der Vertrag zwischen Kyjiw und Moskau läuft Ende 2024 aus. Die bedrängte Ukraine will ihn nicht verlängern, um Russland zu schaden. Das alarmiert EU-Staaten, die ein Leitungsausfall hart treffen würde, vor allem in Osteuropa aber auch Österreich. Experten befürchten, „dass Teile der EU derzeit eher darüber verhandeln, wie sie die Transite ‚verschleiert‘ fortsetzen könnten, anstatt über ihr Ende.“ fr.de/wirtschaft
dpa checkt jetzt Fakten
Der weltweit mit führende Nachrichtendienst Deutsche Presse-Agentur (dpa) hat jetzt mit europäischen Partnern ein Faktencheck-Programm begonnen, das Desinformations-Kampagnen auf die Spur kommen und effektiv bekämpfen will. Dabei werden Künstliche Intelligenz und Expertenwissen in Echtzeit kombiniert. Zunächst konzentriert sich das ambitionierte „FactCRICIS“-Programm auf die Prüfung verbreiteter Nachrichten zum Thema Klimaschutz.

Ziel des EU-subventionierten Projekts ist der Aufbau einer öffentlichen Datenbank mit Falschinformationen. Für dpa als privatwirtschaftlicher Newslieferant mit Sitz in Berlin arbeiten rund 1000 Journalisten von etwa 140 Standorten im In- und Ausland aus. Gesellschafter sind 170 deutsche Medienfirmen. presseportal.de factcricis
Krisen sind ein Nährboden für Falschinformationen; Europa braucht Medien, die schnell auf solche grenzübergreifenden Herausforderungen reagieren können. – Carlos Hernández-Echevarría, Vorsitzender des Leitungsgremiums

Nicht lang schnacken, Kopf in Nacken!
Der in Norddeutschland gängige obige Saufspruch für Härteres ist Ausweis einer bestimmten Trinkkultur. Eine neue Studie über das Trinkverhalten der Europäer zeigt jedenfalls, dass sich die Gewohnheiten regional deutlich unterscheiden. Deutschland wird – Sie ahnen es – als Land der Biertrinker bestätigt, in dem man eher wenig Sprit schluckt. Ähnlich sei es in z. B. Österreich, Belgien oder Spanien.

Den niedrigsten Alkoholkonsum haben – kaum zu glauben! – Weinländer wie Frankreich, Griechenland oder Portugal. Die meisten Schluckspechte gibt es den Forschern zufolge im Baltikum: Esten, Letten und Litauer trinken regelmäßig aber nicht exzessiv. Die Ukraine hingegen – und das überrascht – gehört zu den Ländern mit den relativ meisten Personen, die ihr gesamtes Leben lang abstinent bleiben. aerzteblatt.de

129.810
Luxemburg belegt mit rund 129.810 US-Dollar Platz 1 der europäischen Länder mit dem höchsten Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf. Das zeigt eine Top-Ten-Statistik. Ist auch Deutschland unter den zehn Besten? Antwort: Klicke de.statista.com.

Das gibt es wirklich:

Ein Hochhaus für Schweine – anderswo in Europa längst abgeschafft steht das letzte seiner Art noch in Litauen. Den Nachlass aus der Sowjetzeit betreibt ein finnischer Agrarkonzern. Das modernisierte Gebäude erzeugt 280.000 Ferkel und mästet 50.000 Schweine. agrarheute.com
Hinweis: Das Titelbild ist mit KI kreiert worden.
Was denkt ihr zu alledem, was sich in und um Europa herum derzeit so tut? Schreibt es hier unten in den Kommentar. Dankeschön!
Entdecke mehr von http://www.european.expert
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E‑Mail zu erhalten.
